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Mette-Marits Sohn

27 intime Handy-Videos in einer Nacht: "Marius war wie besessen"

Mit den Schilderungen des vierten mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers wurde der Prozess gegen Marius Borg Høiby fortgesetzt. Er sei wie besessen von ihren Genitalien gewesen, erinnert sich dieses. Dann sollte der Angeklagte selbst sprechen, bat aber um Aufschub.

Marius Borg Høiby wenige Tage vor Prozessbeginn in Oslo: Er soll im Gefängnis mit Sex-Videos, die er von einem Opfer machte, angegeben haben, hieß es heute vor Gericht
Marius Borg Høiby wenige Tage vor Prozessbeginn in Oslo: Er soll im Gefängnis mit Sex-Videos, die er von einem Opfer machte, angegeben haben, hieß es heute vor Gerichtvia REUTERS
Martin Kubesch
Akt. 18.02.2026 23:25 Uhr

Wollte er nicht oder konnte er nicht? Diese Frage stand am Ende des zehnten Prozesstags gegen Marius Borg Høiby, den Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit und Stiefsohn von Thronfolger Kronprinz Haakon.

Denn der 29-Jährige, der am Mittwoch eigentlich zu den Anschuldigungen befragt werden sollte, die eines seiner mutmaßlichen Opfer zuvor gegen ihn vorgebracht hatte, erbat sich unerwartet Aufschub. "Ich würde es sehr gerne morgen früh übernehmen, wenn es die Möglichkeit gibt", so der Angeklagte. Das Gericht folgte seinem Wunsch und vertagte sich auf Donnerstag.

Vielleicht war es aber auch einfach so, dass seine Verteidiger Dynamik herausnehmen wollten. Denn die Zeugin des zehnten Prozesstags – das vierte und letzte mutmaßliche Vergewaltigungsopfer des 29-Jährigen – hatte schwere Anschuldigungen gegen diesen erhoben.

Was die Frau dem Gericht über ihre Begegnung mit dem unehelichen Sohn aus dem norwegischen Königshaus berichtete, welche Gemeinsamkeiten alle vier mutmaßlichen Vergewaltigungsfälle miteinander verbinden und wie sich Marius Borg Høiby im Gefängnis mit Videos seines Opfers gebrüstet haben soll – was man über den aktuellen Stand im Prozess des Jahres wissen muss:

Verfolgen den Prozess aus der Ferne: Marius' Mutter Mette-Marit und sein Stiefvater, Kronprinz Haakon
Verfolgen den Prozess aus der Ferne: Marius' Mutter Mette-Marit und sein Stiefvater, Kronprinz Haakon
APA-Images / NTB / Javad Parsa

Worum geht es?
Um den Strafprozess gegen Marius Borg Høiby, den unehelich geborenen Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit. Die Bürgerliche heiratete 2001 den Thronfolger des Landes, Kronprinz Haakon, und brachte Marius, damals vier Jahre alt, mit in die Ehe.

Hat Haakon Marius adoptiert?
Nein, der Bub wuchs aber ungeachtet dessen am königlichen Hof in Oslo auf, mit allen Privilegien, die damit verbunden sind.

Was wird Marius vorgeworfen?
Es begann mit einer Anzeige im Sommer 2024, er soll seine damalige Ex-Lebensgefährtin misshandelt haben, auch von Körperverletzung ist die Rede. Die Polizei ermittelte und stieß auf immer neue strafrechtlich relevante Tatbestände. In dem Prozess, der nun am 3. Februar begonnen hat und sieben Wochen dauern soll, fasste die Staatsanwaltschaft insgesamt 38 Anklagepunkte gegen Marius zusammen.

Welche Anklagepunkte sind das?
Am schwersten wiegen vier Anklagen wegen Vergewaltigung. Dazu kommen Misshandlung in einer Beziehung, mehrere Fälle von Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, sexuell übergriffiges Verhalten sowie weitere Anklagepunkte.

Was wurde bisher schon alles vor Gericht besprochen?
Bislang ging es in dem Prozess "nur" um die Vergewaltigungsvorwürfe. Die Staatsanwaltschaft hat insgesamt vier Fälle zusammengetragen, sie sollen sich zwischen 2018 und 2024 ereignet haben.

Weiß man, wer die vier Frauen sind?
Dazu herrscht eine strikte Nachrichtensperre. Es dürfen keine Details über jene vier Frauen veröffentlicht werden, die diese erkennbar machen würden. Es dürfen auch weder Marius noch die vier mutmaßlichen Opfer fotografiert werden. Erlaubt sind nur Zeichnungen, und auf denen sind die Gesichtszüge der Frauen so unkenntlich gemacht, dass sie auch wirklich anonym bleiben.

Das dritte mutmaßliche Opfer von Marius bei der Aussage: Übergriff am Palmsonntag?
Das dritte mutmaßliche Opfer von Marius bei der Aussage: Übergriff am Palmsonntag?
APA-Images / NTB / Ane Hem

Wann und wo geschahen die bisherigen Übergriffe?

  • Fall 1 Er soll sich kurz vor Weihnachten 2018 auf dem königlichen Anwesen Skaugum nahe Oslo zugetragen haben. Dort lebten die Familie des Kronprinzen und Marius zu jener Zeit. Er soll nach einer Party mit seinem späteren Opfer zunächst einvernehmlichen Sex gehabt haben. Als sie schlief, soll er sie dann "ohne Geschlechtsverkehr vergewaltigt" und die Tat mit seinem Handy gefilmt haben, wie es in der Anklage heißt. Das erste Opfer wird in norwegischen Medien nur die "Skaugum-Frau" genannt.
  • Fall 2 Das zweite mutmaßliche Opfer traf Marius im Oktober 2023 auf der Inselgruppe der Lofoten. Er war da mit seinem Stiefvater Haakon hingereist. Das mutmaßliche Opfer – die Medien nennen sie die "Lofoten-Frau" – gibt an, mit Marius einvernehmlichen Sex gehabt zu haben. Als sie danach eingeschlafen sei, habe er sie vergewaltigt. Auch bei ihr soll er ohne ihr Wissen ein Video aufgenommen haben.
  • Fall 3 Er soll sich am Palmsonntag 2024 zugetragen haben. Die Frau, ebenfalls eine Zufallsbekanntschaft, schilderte ein ähnliches Erlebnis wie die "Lofoten-Frau": Zuerst einvernehmlicher Sex, dann eine Vergewaltigung, während sie schlief. Nur in diesem Fall fand der mutmaßliche Übergriff ohne Geschlechtsverkehr statt. Sprich, die Penetration erfolgte mit den Fingern. Und auch hier nahm Marius Videos von seiner Tat auf.

Das vierte Opfer: Die Frau nahm Marius mit in ihr Hotel

Wann hat sich der vierte Übergriff ereignet?
Im November 2024. Das Datum ist insofern besonders relevant, weil die Polizei zu diesem Zeitpunkt bereits gegen Marius ermittelte.

Was ist geschehen?
Die Vorgeschichte ist nahezu ident mit dem dritten Fall. Marius traf die Frau in der Wohnung eines Bekannten, sie war zu Besuch in Oslo und mit Freunden zunächst essen. Danach ging es in diese Wohnung auf einen Absacker. Daraus entwickelte sich eine improvisierte Party, die bis nach vier Uhr früh dauerte.

Was geschah dann?
Die Frau fühlte sich von Marius' Interesse an ihr geschmeichelt, sie verließen die Party gegen 4.30 Uhr früh gemeinsam und sie nahm ihn mit zu sich in ihr Hotel. Dort hatten sie zunächst einvernehmlich Sex miteinander. Danach wollte die Frau schlafen, weil sie ziemlich betrunken gewesen sei, wie die Bild Zeitung berichtet.

Marius mit seinen Verteidigern, Ellen Holager Andenæs und Petar Sekuliç, während der Verhandlung
Marius mit seinen Verteidigern, Ellen Holager Andenæs und Petar Sekuliç, während der Verhandlung
APA-Images / NTB / Ane Hem

Und weiter?
Später wachte die Frau plötzlich auf. "Ich erinnere mich, dass ich von etwas geweckt wurde, das sich wie ein Schlag von unten anfühlte." Es sei wie ein harter Schlag in ihrem Intimbereich gewesen, verursacht durch mehrere Finger. "Ich habe vor Schmerzen gezuckt."

Blieb es bei diesem einen Mal?
Angeblich nicht. Die Frau sagte aus, dass sie in der betreffenden Nacht mehrmals aufgewacht sei, weil sie Marius’ Finger an ihrem Intimbereich spürte: "Ich erinnere mich, dass ich es sehr unangenehm fand." Insgesamt sei das zwei- oder dreimal passiert. "Ich erinnere mich, dass ich mit geschlossenen Augen dalag und spürte, wie er da unten etwas tat."

Wie ging die Nacht zu Ende?
Irgendwann am Vormittag sei Marius von sich aus gegangen. Ihr sei die Situation so unangenehm gewesen, dass sie sich nicht von ihm verabschiedete: "Ich lag nur da und wartete, bis er die Tür hinter sich geschlossen hatte", so die norwegische Zeitung "Aftenposten".

Hat Marius auch von der vierten Frau Videos aufgenommen?
Ja, und zwar mehr als bei jeder anderen Frau, die bisher vor Gericht gegen ihn aussagte. Die Polizei fand später auf seinem Handy insgesamt 27 Videos und vier Fotos, die Marius in jener Nacht von ihr aufgenommen hatte.

Wusste die Frau von den Videos?
Nein, sie wurden ihr gezeigt, nachdem sie sich bei der Polizei gemeldet hatte, um das seltsame Verhalten von Marius in jener Nacht bekannt zu machen.

Weshalb tat sie das?
Die Erlebnisse in jener Nacht ließen die Frau offenbar nicht los und als sie mitbekam, dass die Exekutive gegen Marius ermittelte, sei sie zur Polizei gegangen, erklärte das mutmaßliche vierte Opfer nun vor Gericht.

Leitet den Prozess: der Vorsitzende Richter Jon Sverdrup Efjestad
Leitet den Prozess: der Vorsitzende Richter Jon Sverdrup Efjestad
via REUTERS

Was gab sie zu Protokoll?
Dass Marius in jener Nacht eine Fixierung auf ihre Geschlechtsteile an den Tag legte, die ihr irgendwann unheimlich war. Marius sei von ihrer Vagina "besessen" gewesen und "wollte niemals aufhören", erklärte sie jetzt vor Gericht.

Wusste die Frau, dass sie gefilmt wird?
Sie sagt nein. Und als ihr die Ermittler später die Filme zeigten, sei ihr schlecht geworden vom Schock, als sie erkannte, wie viele Videos auf Marius' Handy gefunden worden seien.

Hat sie ihm ihr Einverständnis gegeben, dass er sie filmen oder sexuell mit ihr aktiv werden darf, während sie schläft?
"Absolut nicht", so die deutliche Antwort der Frau vor Gericht.

Hat sie Marius nach dieser Nacht noch einmal wieder gesehen?
Nein, aber sie schilderte dem Gericht ein sonderbares Erlebnis, das sie ein paar Monate später hatte. Die Frau hätte in einem Lokal einen Freund getroffen, der sie fragte, ob sie Marius kenne. Und dann erzählte ihr dieser Freund, dass er den Sohn der Kronprinzessin kennengelernt hätte, als beide in Untersuchungshaft saßen. Und Marius hätte damit geprahlt, dass er mit "dieser Frau" (gemeint ist das mutmaßliche vierte Opfer) – Sex gehabt und sie später schlafend gefilmt hätte.

Weshalb war Marius in U-Haft?
Aufgrund der diversen Vorwürfe, die seit Beginn der Ermittlungen im Spätsommer 2024 bekannt geworden sind, wurde er auch vorübergehend in Untersuchungshaft genommen. Auch derzeit befindet sich der Angeklagte im Gefängnis, allerdings nicht wegen der Punkte, die aktuell verhandelt werden, sondern wegen weiterer, neuer Vorwürfe. Diese werden wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt vom Gericht behandelt werden.

Wird der Mann, der mit Marius angeblich in der U-Haft gesprochen hat, auch als Zeuge aussagen?
Ja, er ist zu einem späteren Termin geladen.

In Henningsvær auf den Lofoten soll sich 2023 die zweite Vergewaltigung zugetragen haben. Marius war mit seinem Stiefpapa Haakon dort hingereist
In Henningsvær auf den Lofoten soll sich 2023 die zweite Vergewaltigung zugetragen haben. Marius war mit seinem Stiefpapa Haakon dort hingereist
Getty Images

Und Marius hat zu all diesen Vorwürfen noch nicht Stellung bezogen?
Nein, er hätte noch am Mittwoch mit seiner Aussage zu den aktuellsten Vorwürfen beginnen sollen. Aber er entschuldigte sich und bat um Aufschub. Jetzt wird der Prozess am Donnerstag ab 9.30 Uhr mit der Aussage von Marius fortgesetzt.

Hat er zu den Vorwürfen in den anderen drei Vergewaltigungsfällen bereits gesprochen?
Ja, und im Grunde sind seine Aussagen in allen drei Fällen deckungsgleich: Marius bestreitet jede Form von Gewaltanwendung. Er bestreitet auch, dass er sich an den Frauen vergangen hätte, als diese geschlafen haben. Nur dass er die Videos der Frauen angefertigt und teilweise auf seinem Handy auch versteckt habe, gibt er zu.

Die angeblichen Vergewaltigungen liefen alle nach dem gleichen Muster ab

Nachdem nun alle vier Frauen, die dem Sohn der Kronprinzessin Vergewaltigung vorwerfen, ihre Aussagen gemacht haben, zeigt sich, dass alle vier Fälle demselben Muster folgen:

Alle mutmaßlichen Opfer waren Zufallsbekanntschaften – Alle vier Frauen, an denen sich Marius angeblich vergangen haben soll, hatte er erst am Abend davor kennengelernt.

Viel Alkohol – In allen Fällen wurde viel Alkohol konsumiert, und zwar von den Frauen oft mehr als von Marius. Die Frauen bezeichneten sich in der Rückschau als ziemlich bis stark betrunken. In mehr als einem Fall fanden im Vorfeld auch Trinkspiele statt. Eine der Frauen (Zeugin Nr. 3) nahm zudem eine Schlaftablette, weil sie unter Schlafstörungen litt. Letztlich waren alle vier Frauen so stark alkoholisiert, dass sie rasch in einen tiefen Schlaf fielen.

Viele Drogen – Marius konsumierte in allen Nächten neben Alkohol auch Kokain. Zeugin Nr. 4 vom Mittwoch gab an, dass sie in jener Nacht Marius "drei Mal Kokain nehmen" gesehen hat. Er hätte dafür einen kleinen Löffel benutzt, den er in seinem Portemonnaie von Louis Vuitton bei sich getragen hätte. Und Marius selbst erklärte zu einem früheren Zeitpunkt, dass er teilweise so viel Kokain konsumiert hätte, dass er die üblichen Nebenwirkungen (etwa Kieferkrämpfe) gar nicht mehr spüren würde.

Schneller Sex – in allen Fällen hatten Marius und seine Partnerinnen rasch einvernehmlichen Sex, manchmal auch mehrfach. Danach seien die Frauen sehr müde geworden – kein Wunder, sie waren stark alkoholisiert und es war sehr spät in der Nacht. Aber während sie einschliefen, blieb Marius offenbar immer wach.

Schlafexperte Professor Ståle Pallesen erstellte Gutachten über alle vier mutmaßlichen Opfer
Schlafexperte Professor Ståle Pallesen erstellte Gutachten über alle vier mutmaßlichen Opfer
APA-Images / NTB / Ole Berg-Rust

Sexuelle Übergriffe – Sobald die Frauen in tiefen Schlaf gefallen waren, soll sich Marius an ihnen vergangen haben. Drei der Opfer habe er mit den Fingern penetriert, bei einem Opfer (der "Lofoten-Frau") kam es zu Geschlechtsverkehr, während diese schlief.

Ist das überhaupt möglich, ohne dass die Frauen gleich aufwachen? – Ja, sagt Professor Ståle Pallesen. Der 56-Jährige ist psychologischer Sachverständiger und medizinischer Schlafforscher. Er hat für die Staatsanwaltschaft auf Basis der bei Marius gefundenen Videos Gutachten zu allen vier mutmaßlichen Opfern von Marius verfasst. In zwei Fällen erklärte er, dass die Beweislage darauf hindeutet, dass die Frauen während des mutmaßlichen Übergriffs durch Marius tatsächlich schliefen.

Videos und Fotos der Taten – In allen Fällen fotografierte oder filmte Marius seine Opfer mit dem Handy, während er sich an ihnen mutmaßlich verging. Und in allen Fällen wurden die Frauen erst durch die Polizei auf die Videos und Fotos aufmerksam, nachdem die Ermittler die Daten auf den Handys und Laptops von Marius entdeckt hatte.

Spezial-Apps, um die Videos zu verstecken – Marius hatte außerdem eine App gekauft, die es ermöglichte, die Videos und Fotos hinter Passwörtern und in "harmlosen" Ordnern zu verstecken, um sie für nicht Eingeweihte unauffindbar zu machen. Auch das konnte die Polizei bei der Untersuchung der Geräte von Marius feststellen.

Wie es jetzt weiter geht

Wie erklärt Marius sein Verhalten?
In den ersten drei der insgesamt vier Fälle konnte das Gericht Marius bereits zu seiner Verantwortung befragen. Und der Angeklagte konnte nur wenig schlüssige Argumente für sein Verhalten vorbringen. So bestand er bislang etwa darauf, dass die Frauen allesamt nicht geschlafen hätten, als er erneut mit ihnen verkehrte. Und dass keine ausdrücklich Nein dazu gesagt hätte.

Was ist mit den Videos?
Die kann er schlecht leugnen, also versucht er, sie als Dummheiten abzutun. Allerdings bestreitet er, dass die Videos auch für andere Personen als für ihn selbst gedacht gewesen seien.

Ihre Verteidigungslinie ist eine Gratwanderung: Marius' Anwälte Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic
Ihre Verteidigungslinie ist eine Gratwanderung: Marius' Anwälte Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic
APA-Images / NTB / Ole Berg-Rust

Worauf will seine Verteidigung hinaus?
Angesichts der Faktenlage versuchen Marius' Verteidiger, Ellen Holager Andenæs und Petar Sekuliç, gar nicht erst, irgendetwas zu leugnen oder anders darzustellen. Vielmehr zielt ihre Verteidigungslinie darauf ab, Marius' Verhalten vielleicht als nicht okay, aber als nicht missbräuchlich im rechtlichen Sinne einzuordnen.

Könnte diese Strategie funktionieren?
Das bleibt abzuwarten. Das Verhalten des Angeklagten vor Gericht – Marius agiert oft entweder desinteressiert, genervt oder patzig – trägt nicht dazu bei, die Richter für ihn einzunehmen. Ob sich das mit Fortlauf des Verfahrens noch ändert, bleibt abzuwarten.

Wie geht es jetzt weiter?
Mit der Einvernahme von Marius und weiteren Experten bzw. Zeugen sollte der Komplex der vierten mutmaßlichen Vergewaltigung diese Woche beendet werden können. Ab nächster Woche werden dann die weiteren Anklagepunkte, einer nach dem anderen abgehandelt. Ob sich das Mammutprogramm bis zum geplanten Prozessende am 19. März tatsächlich ausgeht, oder das Verfahren in die Verlängerung geht, wird sich erst weisen.

Und Marius ist währenddessen die ganze Zeit in U-Haft?
Dazu ist die Entscheidung noch nicht gefallen. An sich sollte seine Untersuchungshaft, die er wegen neu aufgetauchter Anklagepunkte Anfang Februar antreten musste, nur vier Wochen dauern. Inzwischen halten es Justizvertreter allerdings für möglich, dass der 29-Jährige bis zum Ende seines Prozesses in Untersuchungshaft bleiben könnte.

Martin Kubesch
Akt. 18.02.2026 23:25 Uhr