Seine Influencer-Ex hatte ihn schwer belastet: Gewalt, Drogen, seine Mutter Mette-Marit und Prinz Haakon hätten tatenlos zugesehen. Nun war Marius am Wort. Unter Tränen sagte er: Mama und Haakon seien "die liebenswertesten Menschen der Welt." Der Prozesstag.

Mittwoch war Tag 14 im Prozess gegen Marius Borg Høiby, den Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit. Und anders als in den Wochen zuvor konzentrierte sich das Gericht den ganzen Tag über ausschließlich auf den Angeklagten.
Der 29-Jährige stand sechs volle Stunden Rede und Antwort. Dabei ging es ausschließlich um die Aussagen seiner Ex-Freundin Nora Haukland, die an den vorangegangenen beiden Prozesstagen ihre Erfahrungen in der Beziehung mit Marius schilderte. Und die vor allem Marius' Mutter Mette-Marit und seinem Stiefvater, Kronprinz Haakon von Norwegen, schwere Vorwürfe machte.
Der Thronfolger und seine Ehefrau hätten ihr Flehen, dass Marius Hilfe und eine Reha wegen seiner Drogensucht benötige, in den Wind geschlagen, so die Ex-Freundin in ihrer dramatischen Schilderung vor Gericht. Der unausgesprochene, aber implizierte Vorwurf: Mette-Marit und Haakon seien daher mitverantwortlich für Marius' Drogenprobleme, die letztlich zum Prozess gegen ihn geführt haben.
Ein Vorwurf, der deshalb besonders schwer wiegt, weil weder Mette-Marit noch Haakon im Prozess gegen Marius aussagen werden und sie ihn somit auch nicht entkräften können.
Weshalb das Thronfolgerpaar den Prozess gegen sein (Stief-)Kind auch weiterhin nur als Beobachter verfolgt, mit welcher rührenden Geste Marius vor Gericht für Mette-Marit und Haakon in die Bresche sprang und was er zu den Gewalt- und Missbrauchsvorwürfen seiner Ex-Freundin zu sagen hatte – so lief der 14. Verhandlungstag im Prozess gegen Norwegens royales enfant terrible:
Worum ging es am 14. Verhandlungstag?
Marius Borg Høiby wurde zu jenen Vorwürfen befragt, die seine Ex-Freundin Nora Haukland an den Tagen zuvor gegen ihn erhoben hatte. Haukland hatte erklärt, der 29-Jährige habe sie über die gesamte Beziehungsdauer hinweg mehrfach gewürgt, geschlagen und getreten. Sie sei außerdem seinem aggressiven Verhalten, Beschimpfungen und Kontrollzwang ausgesetzt gewesen. Insgesamt sei es während ihrer Beziehung zu 15 körperlichen und / oder verbalen Übergriffen von Marius gegen Nora Haukland gekommen.
Wer ist Nora Haukland?
Sie ist ebenfalls 29 Jahre alt und genießt in Norwegen eine gewisse Bekanntheit als Model, Influencerin und Reality-TV-Star. So war sie in der norwegischen Version von "Love Island" zu sehen und hatte einen Part in der Streaming-Show "Girls of Oslo" auf Amazon Prime.
Wie lange waren die beiden ein Paar?
Etwa ein Jahr lang, zwischen Sommer 2022 und Sommer 2023.
Weiß man, wie die beiden zusammen kamen?
Die Initiative dazu ging von Nora Haukland aus. Sie kontaktierte Marius mit der Frage "Wann lädst du mich endlich zu einer Motorradtour ein?" Von da an dauerte es nicht mehr lange und die beiden waren ein Paar.
Und die Trennung?
Ging ebenfalls von Nora Haukland aus. Nachdem sie auf Marius' Handy das Nacktfoto eines anderen, offenbar berauschten Mädchens entdeckt hatte, sei ihr "echt übel" geworden und sie hätte erkannt, dass sie es nicht mehr mit ihm aushalte, so die Zeugin vor Gericht.
Wie erklärt Marius all diese Anschuldigungen?
Der uneheliche Sohn von Mette-Marit begann seine Aussage am Mittwoch zunächst mit einem leidenschaftlichen Statement. Er wollte offenbar seine Mutter und seinen Stiefvater in Schutz nehmen, die von Nora zuvor heftig attackiert worden waren.
Was hatte sie gesagt?
Dass sie in einem Sechs-Augen-Gespräch Mette-Marit und Haakon angefleht hätte, etwas für Marius zu tun: "Ihr müsst ihm jetzt helfen. Seht ihr nicht, dass er Hilfe braucht?" Doch diese hätten nur darauf geantwortet, dass das nicht Noras Verantwortung sei. Und selbst als diese weiter insistierte – "aber tut doch etwas, schickt ihn in die Reha, das wird so nicht gut gehen" hätte sie gesagt –, sei keinerlei Initiative aus dem Königshaus gekommen, um Marius aus dem Drogen-Teufelskreis herauszureißen.
Stimmt der Vorwurf denn?
Es ist jedenfalls nur schwer vorstellbar. Zwar gibt es keinerlei offizielle Statements über den Gesundheitszustand von Marius Borg Høiby. Aber in norwegischen Medien gibt es seit Jahren immer wieder Berichte über diverse Therapien, denen sich der Sohn von Mette-Marit wegen seiner Suchtproblematik unterworfen hätte.
Aber muss über die Gesundheitsprobleme eines Mitglieds des Königshauses denn nicht automatisch informiert werden?
Erstens nein, auch Mitglieder eines Königshauses haben ein Recht auf Privatsphäre. Und zweitens ist Marius kein Mitglied des norwegischen Königshauses. Er wurde unehelich geboren und von Mette-Marit in die Ehe mit Haakon mitgebracht, von diesem aber nicht adoptiert. Im liberalen Norwegen gilt er als "Bonus-Sohn" des Königshauses, ohne entsprechende Rechte und Pflichten.
Was hat Marius also Rührendes vor Gericht getan?
Noras Behauptung, seine Mutter hätte sich nicht für ihn eingesetzt, hat ihn offenbar tief bewegt. Im Zeugenstand sagt er laut Bild Zeitung: "Dass Nora meine Mutter und Haakon da mit reinzieht, das ist nicht richtig! Keiner hat sich so viel für mich eingesetzt, wie die beiden! Mama und Haakon haben nichts anderes gemacht, als Nora gegenüber alle Freundlichkeit der Welt zu zeigen!"
Wie ging es weiter?
Kaum waren die ersten Worte gesagt, brach Marius im Zeugenstand in Tränen aus. Und laut der norwegischen Zeitung VG erklärte er weiter: "Mama und Haakon waren immer die liebenswertesten Menschen der Welt – sowohl zu Nora als auch zu mir. Wie sie sie hier beschreibt, macht mich wütend. Und was sie gestern vor Gericht gesagt hat, war sehr verletzend."
Kann sich Marius erklären, weshalb seine Ex-Freundin so vor Gericht gesprochen hat?
Kann er. Nora Haukland habe ein großes Bedürfnis, sich selbst als eine Art Mutter Teresa darzustellen, so Marius. "Als ob ich ohne sie niemals auskommen könnte. Nach dem Motto: 'Wer kümmert sich dann um ihn?'"
Waren die Tränen damit getrocknet?
Ja, nach ein paar Minuten hatte sich Marius wieder gefasst und das Gericht konnte mit der eigentlichen Befragung beginnen.
Was wurde besprochen?
Sämtliche Streit- und Gewalt-Situationen, die Nora Haukland in den letzten beiden Prozess-Tagen aus ihrer Sicht geschildert hatte, wurden nun mit Marius durchbesprochen. Jedes angebliche Bedrängen, jeder angebliche Schlag, jede angebliche Ausfälligkeit.

Also hat Marius eigentlich keine Fehler gemacht?
Er gab sich bei der sechsstündigen Befragung teilweise durchaus selbstkritisch. So sei ihm klar gewesen, dass es für Nora alles andere als lustig gewesen sei, mit ihm in ein kleines Haus auf das königliche Anwesen Skaugum zu ziehen: "Sie war dort sehr isoliert. Ohne eigenes Auto ist das hart. Ich habe damals in Oslo gearbeitet und sie war auf Skaugum einsam, das kann ich gut verstehen."
Aber weshalb sind die beiden dann überhaupt dorthin gezogen?
Aus Kostengründen, wie Marius erklärt. Nora hätte aus ihrer Wohnung ausziehen müssen und Mette-Marit habe den beiden erlaubt, kostenlos in dem Häuschen zu wohnen.
Wurde auch Marius' Einstellung zu offenherzigen Fotos von Nora thematisiert?
Ja, er erklärte frei heraus, dass er gleich zu Beginn ihrer Beziehung klar gesagt habe, was für ihn gehe und was nicht. "Ich habe erklärt, dass ich von meinen Freundinnen keine vulgären Bilder im Netz haben möchte. Erstens bin ich eifersüchtig, zweitens passt das nicht zu der Familie, die ich habe." Deshalb hätte er Nora auch aufgefordert, offenherzige Bilder auf Social Media zu löschen.
Kam das Thema Drogen zur Sprache?
Ja, auch das. Gleich am Beginn ihrer Beziehung habe es eine Phase gegeben, in der das junge Paar die Nacht zum Tag machte, sprichwörtlich gesagt: "Ich hatte tagelang durchgefeiert. Irgendwann sagte ich zu Nora: 'Wenn wir jetzt nicht aufhören, kriege ich ein Problem.' Es war einfach zu viel –zu viel Sex, zu viel Rock 'n' Roll, zu viele Drogen. Vor allem zu viele Drogen. Wollen wir es nicht ruhiger angehen lassen?" Doch Nora hätte darauf schlicht mit "Nein" geantwortet.
Nahm Nora ebenfalls Drogen?
Das sagte Marius nicht explizit, deutete es aber an. Bei einem gemeinsamen Karibik-Urlaub auf Barbados hätte sie sich bald nach einer Quelle vor Ort umgesehen: "Das Erste, was sie auf Barbados tat, war, zum Strand zu gehen und einen Dealer zu finden – und den fand sie dort sehr schnell."
Gab es wegen der Drogen keine Probleme mit dem Thronfolgerpaar?
Es gab eine Situation, die offenbar extrem prägend für das Beziehungsleben der beiden gewesen sei. Im Herbst 2022 postete Noras Freundin Sophie Elise Isachsen ein Foto von sich selbst und Nora, auf dem Marius' Freundin ein kleines Säckchen Kokain hält. Und ganz Norwegen dachte damals, das Kokain sei von Marius gewesen – was Nora mittlerweile auch vor Gericht bestätigt hat.

Das kann aber in Norwegen niemanden sonderlich überrascht haben, dass Marius eine Nähe zu Suchtgiften hat …
Vermutlich nicht. Es ist aber trotzdem etwas ganz anderes, Dinge zu vermuten oder sie als Tatsachen serviert zu bekommen. Für Marius war die Veröffentlichung des Fotos jedenfalls ein Drama und er warf Nora monatelang vor, dass sie damit sein Leben zerstört habe. "Für mich und meine Familie war das eine Krise. Wir wollen das nicht mit uns in Verbindung bringen. (...) Damals war es eine große Sache."
Wer ist Sophie Elise Isachsen?
Eine in Norwegen sehr erfolgreiche Influencerin mit mehr als 600.000 Followern auf Instagram. Sie spielte auch mit Nora Haukland in "Girls of Oslo" und ist aus der Sicht von Marius für viel Schlechtes in ihrer Beziehung verantwortlich gewesen: "Sie und Sophie waren meiner Meinung nach eine schlechte Kombination", so Marius am Mittwoch vor Gericht. "Ich fand, dass Sophie einen unglaublich schlechten Einfluss auf Noras Urteilsvermögen hatte. (...) Sophie hat Nora mehr als einmal zur Untreue aufgefordert."
Was sagt Sophie Elise Isachsen zu diesen Vorwürfen?
Das wird sich erst zeigen, sie ist für Donnerstag, den 26. Februar, als Zeugin geladen.
Wie gut kamen Mette-Marit und Haakon mit Nora Haukland aus?
Die Beziehung war nicht ungetrübt, erzählt Marius. Er sei mit seiner Familie auf Urlaub nach Portugal gefahren und Nora durfte mitkommen. Einzige Bedingung: Sie durfte keine Bilder auf Social Media veröffentlichen. "Sie hat aber dann doch ein Foto meiner beiden Geschwister veröffentlicht (die leiblichen Kinder von Mette-Marit und Haakon, Anm.) und drei Tage später waren die Bilder auf der Titelseite einer Tageszeitung", so Marius. "Wir erhielten zwar eine Entschuldigung, aber die Atmosphäre war ab da schlecht."
Ist ihm irgendwann der Gedanke gekommen, dass Noras Gefühle für Marius nicht ganz selbstlos gewesen sein könnten?
Tatsächlich ja. "Mir wurde immer mehr bewusst, dass ich vielleicht nicht die Liebe ihres Lebens war, wie sie es mir zuvor dargestellt hatte, sondern eine verdammt gute Geschäftsidee", erzählte Marius am Mittwoch vor Gericht.
Und weiter?
Spätestens als sich Nora von ihm trennte, sei ihm das endgültig klar gewesen: "Nora wollte das Ende unserer Beziehung veröffentlichen. Aber ich wollte das nicht in den Medien haben", so Marius. "Ich sagte, wenn du das veröffentlichst, sind wir fertig. Dann hat sie es getan."

Hatte Marius diese Erfahrung bis dahin noch nie gemacht?
Offenbar nicht, er scheint mit der Beziehung mit Nora in eine für ihn neue Welt eingetaucht zu sein. Denn mit Noras "Girls of Oslo"-Kollegin Anniken Jörgensen sei ihm kurz darauf Ähnliches passiert. Er sei auch in sie "verliebt gewesen", so Marius vor Gericht. Aber sie hätte ihn nur ausnutzen wollen. Marius vor Gericht: "Anniken fragte kurz vor dem 17. Mai (Norwegens Nationalfeiertag, Anm.): 'Du, mein Blog läuft schlecht. Können wir uns schnell zusammentun und dann am 17. Mai als Pärchen auf dem Balkon stehen und winken?' Anniken hat mich echt ausgenutzt, sie wusste, dass ich in sie verliebt war."
Für Mette-Marit und Haakon ist die Situation sicher alles andere als leicht …
Davon ist auszugehen. Umso unwahrscheinlicher ist es auch, dass sich die beiden wirklich nicht um die Drogenproblematik ihres (Stief-)Sohnes gekümmert haben sollen, wie Nora Haukland behauptet. Wahrscheinlicher erscheint da schon der Gedanke, dass sie der Beziehung eher wenig Chancen eingeräumt haben und das Thema einfach nicht mit der indiskreten Influencerin besprechen wollten.
Dafür gibt es allerdings keinerlei Beweise, richtig?
Ja, denn weder Mette-Marit, noch Haakon sind vom Gericht als Zeugen geladen.
Weshalb eigentlich – ein königliches Privileg?
Nein, sollte es als nötig angesehen werden, müssten auch die Kronprinzessin und der Thronfolger aussagen. Aber laut Staatsanwalt Sturla Henriksbø habe man bewusst entschieden, das Kronprinzenpaar nicht als Zeugen zu laden.
Und weshalb?
Weil ihre Aussagen aktuell keinen relevanten neuen Erkenntnisgewinn bringen würden, so der Vertreter der Anklagebehörde. Es liege "keine Situation vor, in der ihre persönliche Anwesenheit oder Beobachtungen den Tatvorwurf entscheidend beleuchten könnten" — etwa Kontakte zwischen ihnen, Marius und den mutmaßlichen Opfern, die nicht ohnehin durch andere Beweise abgedeckt seien.

Wie geht es jetzt weiter?
Am Donnerstag wird Marius seine Aussage fortsetzen und von seinen Verteidigern befragt werden. Dann sind weitere Zeugen geladen, die über die Beziehung zwischen dem Angeklagten und Nora Haukland Auskunft geben sollen, etwa Influencerin Sophie Elise Isachson.
Liegt der Prozess noch in der Zeit?
Nein, man hat bereits beträchtlich länger gebraucht als ursprünglich angenommen. Insgesamt werden ja 38 Anklagepunkte verhandelt und man hat bislang noch nicht einmal die Hälfte besprochen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die Urteilsverkündung nicht wie geplant am 19. März stattfinden kann, sondern erst ein paar Tage später.