Ist es noch sicher, nach Amerika zu reisen? Oder wird man gleich am Flughafen hopsgenommen, weil man etwas Böses über Trump geschrieben hat? Eugen Freund, der viele Jahre in den USA gelebt hat, probierte es aus. Und erlebte gleich mehrere Überraschungen.

Lange war ich mir unsicher, ob ich nochmals in die Vereinigten Staaten reisen sollte. Zu oft hatte ich von Vorfällen gelesen, selbst unschuldige Touristen wurden bei der Einreise festgenommen und danach abgeschoben.
Hatten sie etwas Negatives über Donald Trump geschrieben? Bei mir war es zuletzt ein ganzes Buch und der US-Präsident wird darin nicht in den höchsten Tönen gelobt. Es heißt "Das Spiel mit dem Dritten Weltkrieg – Wie Europa und die USA auseinanderdriften" (erschienen im Herbst 2025 im Wieser Verlag). Der Titel ist bis heute gültig! Auch in den sozialen Medien war ich nicht ganz untätig.
Die Einwanderungsbehörde hatte neue Vorschriften erlassen. Unter anderem müssen vor der Einreise jetzt alle Kontakte in den sozialen Medien bekannt gegeben werden. Ich hatte zwar schon seit mehreren Monaten nichts – sagen wir einmal – Anstößiges über die USA geschrieben, doch sicherheitshalber nahm ich ein älteres Handy mit, in dem keine Kommunikations-Apps geladen waren.
Die Austrian Airlines brachte mich nach Newark/New Jersey. Das klingt jetzt so, als wollte ich eigentlich woanders hin. Nein, das ist der Airport, über den man am leichtesten Manhattan erreicht.
Und tatsächlich: An diesem Abend gab es keine Schlange bei der Immigration. Eine Frage: "Business or tourism?", ein Foto – und zack war ich durch. Alles dauerte nicht länger als zwei Minuten.
Gut, dafür musste ich dann auf den Koffer mehr eine halbe Stunde warten. Und auch die moderne Einweg-Bahn, die Fluggäste zum Zug bringt, machte ihrem Namen diesmal alle Ehre: Der zweite Schienenstrang war demoliert, so konnte auch immer nur ein Triebwagen vom Terminal zum Bahnhof fahren.

Etwas später drücke ich auf den Knopf mit der Zahl "65" und der Lift fährt los. 35 Sekunden dauert die Fahrt Richtung Himmel. Mein Quartier für den New York Besuch liegt diesmal in einem Wolkenkratzer. Freunde haben mich eingeladen, bei ihnen zu wohnen, obwohl sie gar nicht zu Hause sind.
Beim Portier am Eingang liegt ein Schlüssel für mich bereit, der Lift saust nach oben: bis zum 47. Stock gibt es gar keinen Stopp, auch danach bleibt der Aufzug ohne Unterbrechung erst im gewünschten Stockwerk stehen. Ich steige aus, sehe mich um: rechts an der Wand steht "A bis B", links "D" und "C". Ich schließe 65 C auf.
Gleich neben der Eingangstür liegt ein Zettel mit Anweisungen und Hinweisen: Mein Zimmer befindet sich gleich nach dem Gang rechts, der Code für das Internet liegt parat. Für die Heizung gibt es einen Thermostat in jedem Raum. Im Kühlschrank gibt es natürlich Milch und Sodawasser, "when you are hungry, take whatever you want".
Mein Schlafzimmer hat einen fantastischen Ausblick: weit in den Westen, über den Hudson River hinweg nach New Jersey. Immer wieder queren Schiffe den Fluss von oder nach Manhattan, gelegentlich fährt ein größerer Tanker langsam gegen die Strömung nach Norden.

Ich gehe zum Abendessen in ein Lokal schräg gegenüber der Carnegie Hall. Die Rezeptionistin erkennt, dass ich alleine bin und fordert mich auf, mich neben die Bar zu stellen. Kurz danach kommt ein Paar, etwa in meinem Alter. Der Mann stellt sich hinter mich und sagt: "I’m after you". Im Englischen ist das doppeldeutig. "After you" heißt sowohl "hinter ihnen" als auch "hinter ihnen her".
"What have I done that you're after me?", antworte ich. Daraus entspinnt sich ein Gespräch ("Where are you from?" – "My German ancestors' name was Tröschler – do you know him?" – Keine Ahnung – es stellt sich heraus, der war ein nationalistischer Vorgänger der NSDAP").
Danach fragt er, ob ich alleine bin. Weil ich das bejahe, teilen wir der Rezeptionistin mit, wir hätten gerne einen Tisch für drei. Es war der unterhaltsamste Abend seit Langem. "I come from a family of bank robbers", sagt der Mann. "Now my son is printing paper money with traces of gold." Ich: "So now you're robbing people …".
Dann erzählt er, dass er gerade in Mekka war, dort für Trump gebetet hat ("He is a terrible person!"). Ich erzähle ihm von meinem Buch. "Das Spiel mit dem Dritten Weltkrieg". Dann äußere ich einen Verdacht: "Are you with the FBI?" Er: "How do you know?" – "So wie sie reden, müssen sie vom FBI sein!"
Darauf erwidert er: "Wenn sie zum Flughafen kommen, werde ich sie auffliegen lassen." – "Aber ich werde ihnen nicht verraten, von welchem Flughafen ich abfliege." – "Keine Sorge, die Leute vom FBI werden sie finden." Danach bietet er an, mein Abendessen zu bezahlen. Ich weise das ab. Er besteht darauf. "Ich bekomme das Geld ohnehin vom FBI zurück, und zusätzlich zahlen sie mir noch eine Kopfprämie dafür, dass ich sie habe hochgehen lassen."
Er zahlt tatsächlich. Und macht mir ein klein wenig Sorge, was nun am Flughafen passieren wird, wenn ich in fünf Tagen abfliege. Wird man mich jetzt bei der Ausreise verhaften? Oder war das – wie ich ohnehin angenommen habe – alles nur Spaß? Am Ende stellt sich heraus: Es war ein Jux.
Es ist ein kalter Tag, windig, nicht mehr als ein, zwei Grad. Ich begleite eine dänische Touristin zur Südspitze von Manhattan, wir hatten beide den gleichen Weg: eine Schiffsfahrt an der Freiheitsstatue vorbei. Wir wissen, dass die "Staten Island Ferry" die billigste Art ist, die "Statue of Liberty" aus der Nähe zu sehen. Ich muss allerdings bis Mittag wieder in Midtown sein, weil ich meinen Neffen, einen Anwalt, zum Essen treffen will.
Als wir in der Nähe des Hafens sind, spricht uns ein offiziell aussehender Mann mit blauer Jacke und entsprechender Aufschrift der Hafenbehörde an. "Das dauert zwei Stunden," erklärt er uns, "eine dreiviertel Stunde Hinfahrt, dann müssen sie dort aussteigen, auf das nächste Schiff warten und dann wieder zurückfahren." Das hört sich für meinen Terminplan ziemlich knapp an.
"Aber wenn sie eine Runde direkt um die Freiheitsstatue drehen wollen, dann geht das in einer Stunde." Wir lassen uns überreden, trotz des hohen Preises von 50 Dollar – man lebt schließlich nur einmal. Danach führt er uns zu Fuß weg vom Hafen ("Do you wanna see the Charging Bull, one of the landmarks of Wall Street?" – "Nein, danke, wir wollen nur die Rundfahrt machen!")
Bei einer – nicht erkenntlichen – Bus-Station, wo schon ein paar Touristen warten, lässt er uns stehen. Der Wind bläst, der Bus kommt nicht. Nach etwa einer halben Stunde steigen wir ein. Zu unserer großen Überraschung fährt die Gruppe nun stadtauswärts, bis zur 40. Straße, immer weiter weg von unserem eigentlichen Ziel. Es stellt sich heraus, dass dort der eigentliche Abfahrtshafen für die Rundfahrt ist. Doch kein Schiff ist zu sehen.
Ein anderer Führer weist uns in einen, wenigstens gewärmten, Aufenthaltsraum ein und teilt uns mit, er würde uns um 11.30 Uhr zum Schiff bringen. Ich texte meinem Neffen, dass er das Essen auf 13 Uhr verschieben soll, weil ich es früher nicht schaffen werde. Doch auch diesmal gehen wir nicht pünktlich aufs Schiff. Wir warten wieder im Freien, es wird immer kälter.
Um 11.50 Uhr, noch immer bewegt sich die Warteschlange nicht, beschließe ich, die Reissleine zu ziehen. Ich verabschiede mich von der dänischen Touristin und gehe zu meinem Treffen. Später erfahre ich von ihr, dass das ganze Unternehmen drei Stunden gedauert hat. Schön hinein gelegt.

Kein Besuch in Manhattan ohne einen Spaziergang im Central Park. Es war der erste warme Tag in New York, ich hatte mich mit Renee Price verabredet, der Direktorin des sehr erfolgreichen Wien-affinen Neuen Museums an der Fifth Avenue. Ich ging extra etwas früher von "zu Hause" weg, der Tag war einfach zu verlockend.
Die Straßen durch den Park waren voll mit Spaziergängern, Rad- und Rollschuh-Fahrern, und auch sonst herrschte, wie soll ich es nennen, buntes und reges Treiben. Ich legte mich auf eine Bank, rollte meine Jacke als Polster zusammen und genoss die warmen Strahlen der Frühlingssonne. Die große Wiese ("Great Lawn") war noch gesperrt, sie wird erst geöffnet, wenn das Gras von den verschiedensten Ball-Spielern und all denen, die hier einen Picknick-Platz suchen, keinen Schaden mehr nimmt.
Die wenigen Kaffeehäuser im Park waren gut besucht, im Teich – ich war mittlerweile weitergegangen – schwammen ein paar Enten, die sich über Brotkrumen freuten. Neben einem Roller-Skater-Platz setzte ich mich wieder hin. Zwei ältere Herren zogen ihre Kreise, einer war besonders geübt, er fuhr vorwärts und rückwärts, sogar wie ein Balletttänzer nur auf je einem Rad an der Spitze.


Ein anderer gesellte sich zu zwei Damen, die auf der Bank neben mir saßen. Nach nicht einmal einer Minute waren sie schon beim Thema Nummer eins: Trump. Sie hatten, so viel konnte ich rasch erkennen, nicht viel für ihn übrig. Der Krieg sei unnötig, sagte der Mann auf den Rollschuhen, man müsse nur die Gaspreise ansehen. Wenn das so weitergeht, ergänzte er, dann werden ihm (Trump) das die Wähler im Herbst (bei den Zwischenwahlen, bei denen er natürlich nicht kandidiert) heimzahlen.
"Come to think of it", wirft ein zweiter Mann, der kurz zugehört hatte, ein, "wenn der Schütze nur einen Zentimeter weiter rechts gezielt hätte, würde heute alles anders sein!" Er bezog sich ganz eindeutig auf das Attentat am 13. Juli 2024, als Donald Trump bei einer Rede im Freien von einem Gewehrschuss am Ohr verletzt wurde und danach sein unvergessliches "Fight, fight, fight!" In die Menge rief.
Immer wieder wird auch über seine Nachfolge diskutiert. Was passiert, sollte Trump noch im Amt sterben? Dann fällt die Präsidentschaft seinem Vizepräsidenten, JD Vance, sozusagen in die Arme, danach würde er als Präsident in den Wahlkampf ziehen.
Sollte Trump jedoch bis zum Wahlkampf 2028 im Weißen Haus bleiben, wird es einen beinharten Nachfolgekampf geben – sicher zwischen Vance und Außenminister Marco Rubio und wer immer sich noch dazu gesellt. Bis dahin wird sich auch das Feld auf der demokratischen Seite sortiert haben.


Die Canal Street war zu meiner New-York-Zeit in den frühen Achtzigerjahren meine Lieblingsgegend. Dort bekam man einfach alles, Elektrogeräte, Kabel, Bastelbedarf und allen möglichen Junk. Mittlerweile sind vor allem die Zufahrtsstraßen voll mit schicken Geschäften, Broadway ist total gentrifiziert, früher gab es vorwiegend Galerien, jetzt haben sich dort Bloomingdale's, Madden's Flagship Store, Uran Rivivo und dergleichen eingenistet.
Gelegentlich konnte man auf der Canal eine billige Rolex erhaschen (war eh nicht Original, aber das stellte sich dann erst später heraus). Diesmal sind dutzende afrikanische Händler zu sehen, die aus ihren vollgestopften Wagen, die sie hinter sich herzogen, die unterschiedlichsten Accessoires verkaufen, Handtaschen jeder feinsten Marke und Größe, Sonnenbrillen, Schmuck, auch Uhren, alles wohl Nachgemachtes.
Immer wieder blicken die Verkäufer (keine -Innen!) nervös um sich. Einer ist am Handy, ruft den anderen etwas Unverständliches zu. Sofort werfen sie die restlichen Waren, die am Gehsteig ausgebreitet waren, in den Wagen, decken ihn mit einem schwarzen Tuch zu und wechseln rasch zumindest die Straßenseite. Ganz klar ist mir nicht, vor wem oder was sie flüchten.
Und: Was macht es für einen Unterschied, ob die Ware offen oder zugedeckt im Wagen liegt, es ist ganz klar, dass hier etwas Illegales passiert. Doch sie werden schon wissen, was sie tun. Ihre Flucht verbreitet sich in Windeseile, alle "Händler" innerhalb der nächsten hundert Meter packen rasch alles zusammen und ziehen ab.
Die Käufer, in vielen Fällen ahnungslose Touristen, die gerade ein gutes Geschäft machen wollten, oder zumindest glaubten, es sei ein gutes Geschäft, bleiben oft mit offener Brieftasche und offenem Mund zurück.

Der eigentliche Grund für meinen New-York-Besuch war eine Erinnerungsfeier für meinen Freund Richard Bernstein, einem langjährigen Korrespondenten der New York Times. Er starb vor genau einem Jahr, ich war ganz kurz vor seinem Tod noch bei ihm.
Seine Witwe, Zhong-Mei, eine aus China stammende Balletttänzerin, und ihr Sohn Elias luden mich zu dieser Feier ein. Außer mir waren noch Roger Cohen, ein anderer langjähriger Freund aus der NYT und Kati Marton, ebenfalls eine bekannte US-Journalistin, dabei. Wir drei, sowie Richards Schwester, sein Neffe, sein Sohn Elias und zwei weitere Freunde, erinnerten in Reden an sein Leben, seine Arbeit, seine Bücher.
Im Publikum hatten sich rund einhundert Bekannte des Verstorbenen eingefunden, unter anderem auch Carl Bernstein, der berühmte Watergate-Aufdecker. Er begrüßte mich wie einen alten Bekannten, wir hatten uns vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung in Wien getroffen. Und er fragte mehrmals, wie es Oscar Bronner geht, dem Herausgeber des Standard. Gut, sagte ich, gut, soweit ich es weiß.
Eugen Freund war - mit Unterbrechungen - von 1974 bis 2013 Journalist im ORF. Von 2014 bis 2019 war er Abgeordneter im Europäischen Parlament. Sein jüngstes Buch "Das Spiel mit dem Dritten Weltkrieg – wie Europa und die USA auseinanderdriften" erschien im Oktober 2025 (Wieser Verlag, Klagenfurt).