... und warum das nicht für alle eine gute Nachricht ist. Statt Stichworte einzugeben, kann man Google nun wie eine KI nutzen (weil auch eine dahintersteckt). Ab wann das geht, wie das neue Suchen funktionieren wird und wo die Probleme dabei lauern.

Der Amphitheater-Komplex, in dem Google seine jährliche Entwicklerkonferenz veranstaltet, wirkt etwas kitschig und erinnert an einen Jahrmarkt. Wohnmobile stehen auf dem Gelände. Mitarbeiter sausen auf den bunten Firmenfahrrädern des Technologiekonzerns vorbei. Überall gibt es Stände und kleine Shows. Auf der Bühne macht Sundar Pichai, der Google-Chef, einen flachen Witz darüber, dass Googles überlastete Chips – sogenannte TPUs – "Teraflops mit ins Bett nehmen".
Die Veranstaltung in dieser Woche ist bei weitem nicht so geschniegelt wie Apples Entwicklerkonferenz im Juni, die versucht, etwas vom minimalistischen Chic des verstorbenen Steve Jobs zu bewahren.
Doch wenn es um künstliche Intelligenz geht, hat Google den iPhone-Hersteller längst überholt (Googles Modelle werden künftig viele der KI-Funktionen von Apple antreiben). Nun sieht es sogar so aus, als könnte Google auch OpenAI, den Hersteller von ChatGPT, die Krone im Konsumenten-KI-Markt abnehmen.
Am 19. Mai stellte Google eine neue Reihe von KI-Agenten vor, die auf dem neuesten Modell Gemini 3.5 Flash basieren. Darunter waren KI-Programmierhilfen, die mit den Angeboten von OpenAI und Anthropic konkurrieren sollen, aber auch Agenten für alltägliche Aufgaben gewöhnlicher Nutzer.
Einige davon werden in der Gemini-App erscheinen, die monatlich von 900 Millionen Menschen genutzt wird. Andere werden direkt in die Google-Suche integriert, die von mehr als drei Milliarden Menschen verwendet wird. Kurz gesagt: Google bringt KI-Agenten in die breite Masse.
Wie so oft im Silicon Valley sorgten die Beispiele, die die Manager auf der Bühne präsentierten, für hochgezogene Augenbrauen. Wie oft braucht jemand wirklich einen KI-Agenten, der eine PowerPoint-Präsentation für eine Hüpfburgen-Party erstellt?
Dennoch wirken die vorgestellten Werkzeuge vielversprechend. Ein Agent namens Gemini Spark soll beispielsweise E-Mails durchforsten oder Gruppenreisen organisieren können – selbst dann, wenn der Nutzer den Laptop bereits zugeklappt oder das Smartphone weggelegt hat. "Informationsagenten" in der Google-Suche sollen Sportturniere, Rabattaktionen oder den Aktienmarkt im Blick behalten.
All das dürfte vor allem OpenAI Sorgen bereiten, das bisher die Führungsrolle bei Konsumenten-KI innehatte. Kurz nachdem Google im November seine Gemini-3-Modellfamilie vorgestellt hatte, rief Sam Altman, der Chef von OpenAI, intern den "Code Red"-Alarm aus, um die Mitarbeiter dazu anzutreiben, ChatGPT schneller weiterzuentwickeln.
Seitdem hat sich der Fokus des Labors stärker auf den eigenen Coding-Agenten verlagert. Doch die Veröffentlichung von Gemini 3.5 Flash – das laut Google viermal schneller ist als andere Spitzenmodelle – sowie die neue Agenten-Suite dürften erneut Fragen darüber aufwerfen, wohin sich OpenAIs Vorzeige-Chatbot eigentlich entwickelt.

Investoren zeigen sich jedenfalls ausgesprochen optimistisch gegenüber Googles Aussichten. Der Börsenwert der Muttergesellschaft Alphabet kratzt inzwischen an der Marke von fünf Billionen Dollar, nachdem er erst im Januar die Vier-Billionen-Grenze überschritten hatte.
Doch Googles Erfolg im KI-Bereich schafft auch Probleme. Laut Pichai ist die Zahl der sogenannten "Tokens" – im Silicon Valley die bevorzugte Maßeinheit für KI-Nutzung – auf 3,2 Quadrillionen pro Monat gestiegen, verglichen mit 480 Billionen vor einem Jahr. Jeder einzelne Token benötigt Rechenleistung – und damit Geld.
Deshalb wird Googles Investitionsbudget in diesem Jahr auf bis zu 190 Milliarden Dollar steigen, sechsmal so viel wie noch vor vier Jahren. Gleichzeitig reicht dieses Geld nicht mehr so weit wie früher, weil alles teurer geworden ist – von Chips bis Energie. Selbst für Google gibt es Grenzen dessen, was man ausgeben kann.
Es gibt einige mögliche Lösungen. Eine besteht darin, die Kosten pro Token zu senken, indem die Technologie effizienter gemacht wird – was Google mit Sicherheit tun wird. Eine andere Möglichkeit ist, die Nutzung der KI einzuschränken.
Eine dritte Lösung besteht darin, stärker auf Werbung zu setzen. Google glaubt, dass die ausführlicheren KI-Anfragen für Werbekunden besonders attraktiv sein werden. Zwar hat das Unternehmen bislang keine Werbung direkt in die Gemini-App eingebaut, doch in den KI-Antworten der Google-Suche werden bereits Anzeigen eingeblendet. Bald sollen daneben auch KI-generierte Produkterklärungen erscheinen.
Die am schnellsten bemerkbare Änderung vollzieht sich allerdings im Bereich der Suche. Was als schleichender Prozess schon vor einiger Zeit begonnen hat, wird nun zum Standard. In Google sucht man nicht mehr mit Schlagworten, sondern mit Google redet man wie mit einer KI. Was Sie darüber wissen müssen:
Was ist die wichtigste Änderung?
Google baut seine Suche von einer klassischen Linkmaschine zu einer KI-gestützten Antwort-, Recherche- und Aufgabenmaschine um. Kern ist der neue AI Mode, der künftig stärker in die normale Suche hineinwächst. Google spricht selbst von der größten Veränderung der Suchbox seit mehr als 25 Jahren.
Was sieht der Nutzer künftig zuerst?
Die Suchleiste wird deutlich stärker zur Eingabefläche für komplexe Fragen. Statt nur kurzer Stichworte wie "Wetter Wien" oder "beste Kaffeemaschine" soll man längere, mehrteilige Fragen stellen können. Die Suchbox kann sich dynamisch vergrößern und soll mit KI-Vorschlägen beim Formulieren helfen.
Was kann man in diese neue Suche eingeben?
Nicht nur Text. Google nennt ausdrücklich Text, Bilder, Dateien, Videos und Chrome-Tabs als mögliche Eingaben. Damit wird Suche multimodal: Ein Nutzer kann etwa ein Bild, eine Datei oder einen geöffneten Tab als Ausgangspunkt nehmen und dazu Fragen stellen.
Was ist der AI Mode?
Der AI Mode ist eine eigene, KI-zentrierte Suchansicht. Er beantwortet komplexe Fragen nicht nur mit einer Linkliste, sondern mit einer generierten Antwort, Quellenhinweisen und der Möglichkeit, direkt Folgefragen zu stellen. Google beschreibt ihn als Übergang von einer kurzen Antwort zu einem Gespräch mit der Suche.
Was passiert mit den bisherigen Google-Ergebnissen?
Sie verschwinden nicht. Google sagt ausdrücklich, Nutzer würden weiterhin eine Bandbreite an Suchergebnissen erhalten. Der Unterschied: Bei passenden Fragen steht stärker eine KI-Antwort, ein Überblick oder ein Gesprächseinstieg im Vordergrund.
Was sind AI Overviews?
AI Overviews sind KI-Zusammenfassungen direkt auf der Suchergebnisseite. Sie sollen bei komplexeren Fragen einen schnellen Überblick liefern. Neu ist, dass Nutzer aus so einem Überblick heraus direkt eine Folgefrage stellen und in den AI Mode wechseln können, wobei der Kontext erhalten bleibt.
Was ändert Google technisch im Hintergrund?
Google macht Gemini 3.5 Flash zum Standardmodell im AI Mode. Kurz zuvor hatte Google bereits Gemini 3 als Standardmodell für AI Overviews genannt. Der Zweck: bessere, schnellere und detailgenauere Antworten in der Suche.
Wie verändert sich das optische Erscheinungsbild?
Die Suche wirkt weniger wie eine Liste blauer Links und stärker wie ein Chat- und Dashboard-Interface. Man sieht eine größere "Ask anything"-Eingabe, den Reiter "AI Mode", KI-Antwortblöcke, Quellenkarten, Vorschläge für weitere Recherche und teils personalisierte oder interaktive Elemente. Screenshots von Google zeigen eine minimalistische Oberfläche mit großem Eingabefeld, Tabs wie "All", "Images", "Videos", "News" und einem hervorgehobenen AI-Mode-Bereich.
Was sind "Search Agents"?
Google führt sogenannte Such-Agenten ein. Das sind KI-Systeme, die im Hintergrund Informationen überwachen und Nutzer benachrichtigen können. Beispiel: Wer eine Wohnung sucht, kann sehr genaue Kriterien hinterlegen; der Agent durchsucht fortlaufend Web, Nachrichten, Blogs, Social Posts und Echtzeitdaten und meldet passende Treffer.
Wann kommen diese Agenten?
Die ersten Informations-Agenten sollen im Sommer zunächst für Google-AI-Pro- und Ultra-Abonnenten starten. Andere Funktionen des Agenten, etwa Buchungen oder Anrufe bei Unternehmen, sollen zunächst in den USA ausgerollt werden.
Was kann Google künftig für Nutzer erledigen?
Google will nicht nur Antworten liefern, sondern Aufgaben anstoßen: lokale Erlebnisse suchen, Preise und Verfügbarkeiten vergleichen, Buchungslinks anbieten oder bei bestimmten Kategorien sogar Unternehmen im Auftrag des Nutzers anrufen, etwa für Handwerker-, Beauty- oder Haustierdienste.
Was bedeutet das beim Shopping?
Shopping wird stärker an KI-Agenten übertragen. Google hatte bereits Funktionen vorgestellt, bei denen Nutzer natürlicher suchen, Preise verfolgen und Kaufprozesse automatisieren können.
Was ist "Personal Intelligence"?
Damit kann AI Mode persönliche Google-Daten einbeziehen, wenn der Nutzer das erlaubt. Google nennt Gmail und Google Photos, später auch Calendar. Beispiel: Eine Reiseplanung kann Buchungsbestätigungen aus Gmail oder Erinnerungen aus Fotos berücksichtigen. Google betont, dass Nutzer selbst entscheiden, ob sie solche Apps verbinden.
Kommt das weltweit?
Google kündigt Personal Intelligence in AI Mode für fast 200 Länder und Gebiete sowie 98 Sprachen an, ohne Abo-Pflicht. Die neue intelligente Suchbox soll in allen Ländern und Sprachen ausgerollt werden, in denen AI Mode verfügbar ist.
Was bedeutet das für den Nutzer konkret?
Der Nutzer muss weniger Suchanfragen hintereinander stellen. Statt "beste Kamera 2026", "Kamera Reise leicht", "Kamera bei wenig Licht Vergleich" kann er eine lange Anfrage stellen: "Ich reise drei Wochen nach Japan, fotografiere viel bei Nacht, will unter 1.000 Euro bleiben und möglichst wenig Gewicht tragen – welche Kamera passt?" Google versucht dann, die Teilfragen parallel zu bearbeiten.
Was ist "Query fan-out"?
Google beschreibt damit, dass das Modell aus einer Nutzerfrage mehrere verwandte Suchanfragen erzeugt, um zusätzliche Informationen einzuholen. Bei einer Frage wie "Wie repariere ich einen Rasen voller Unkraut?" könnten intern mehrere Teilfragen zu Herbiziden, chemiefreien Methoden oder Vorbeugung laufen.
Warum ist das für Medien wichtig?
Weil Google noch stärker Antworten direkt auf der Suchseite liefert. Für Nutzer ist das bequem, für Verlage kann es bedeuten, dass weniger Menschen auf Originalartikel klicken. Das ist bereits Gegenstand von Kritik und Wettbewerbsbeschwerden europäischer Publisher gegen AI Overviews und AI Mode.
Gibt es Daten zu weniger Klicks?
Eine aktuelle Studie des Pew Research Centers ergab, dass Nutzer nur einmal pro 100 Suchanfragen auf einen Link klickten, wenn oben auf der Seite eine KI-Zusammenfassung angezeigt wurde. Google argumentiert, die Forschungsmethodik dieser Studie sei fehlerhaft gewesen.
Wie reagiert Google auf die Kritik?
Google betont, dass AI Overviews und AI Mode auf dem Suchindex, Ranking-Systemen und verlinkten Quellen beruhen. Zudem kündigte Google neue Link-Formate an: mehr direkte Links in KI-Antworten, Vorschläge für weiterführende Artikel, Hinweise auf persönliche Perspektiven und hervorgehobene Links aus bestehenden News-Abos.
Was heißt das für Qualitätsmedien?
Qualitätsmedien müssen damit rechnen, dass Google sie nicht mehr nur als Ziel eines Klicks behandelt, sondern auch als Material für KI-Antworten, Quellenkarten und weiterführende Recherchepfade. Gleichzeitig können starke Marken, exklusive Recherchen, Originaldaten, Bilder, Videos und klare Autorität wichtiger werden, weil Google selbst empfiehlt, nicht austauschbare, eigenständige Inhalte zu erstellen.
Welche Inhalte gewinnen eher?
Google nennt Inhalte mit eigener Perspektive, Erfahrung, Expertise, Originalität und nicht-austauschbarem Nutzwert. Reine Standardtexte, Zusammenfassungen allgemein bekannter Informationen oder massenhaft für Suchvarianten produzierte Inhalte sind demnach weniger zukunftssicher.
Was ist optisch neu bei Quellen und Links?
Google will in KI-Antworten stärker zeigen, wohin man als Nächstes gehen kann: weiterführende Artikel, Analysevorschläge, Links aus abonnierten Medien und Vorschauen auf Perspektiven aus Foren, Social Media oder öffentlichen Diskussionen. Dazu sollen zusätzliche Kontextinformationen wie Creator-Name, Handle oder Community angezeigt werden.
Wird Suche persönlicher?
Ja, sofern Nutzer zustimmen. Mit verbundenen Apps kann Google persönliche Informationen nutzen, etwa E-Mails, Fotos oder künftig Kalenderdaten. Dadurch wird Suche weniger allgemein und stärker auf die eigene Situation zugeschnitten.
Wird Suche auch riskanter?
Ja. Je stärker Google fertige Antworten liefert, desto wichtiger werden Quellenqualität, Transparenz, Fehlerkorrektur und Nutzerkompetenz. KI-Antworten können überzeugend wirken, auch wenn sie verkürzen, falsch gewichten oder Quellen nur selektiv darstellen. Für Medien und Nutzer wird entscheidend, ob die verlinkten Originalquellen sichtbar, erreichbar und wirtschaftlich tragfähig bleiben.
Fazit: Was ist die große Linie?
Google macht aus der Suche ein KI-System, das antwortet, nachfragt, personalisiert, überwacht und Aufgaben übernimmt. Für Nutzer bedeutet das mehr Komfort, weniger Sucharbeit und eine Oberfläche, die eher an ChatGPT, Perplexity und persönliche Assistenten erinnert.
Und für Medien?
Für sie bedeutet es eine Machtverschiebung: Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur über Rankings, sondern darüber, ob Inhalte in KI-Antworten, Quellenkarten, Follow-up-Vorschlägen und persönlichen Recherchepfaden auftauchen.
Der Artikel verwendet als Basis einen Text aus dem Economist
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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"