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Lokale Kritik

Bohne, Krone, Kanone: Auch vietnamesisch ist eben, wie es isst

In der Mur-Metropole erlebt man kulinarisch keine Wasserlandung. Im Vina in Graz wird sehr ordentlich vietnamesisch gekocht, das Interieur ist sehenswert und ausgezeichnet. Der Connaisseur war freilich aus ganz anderen Gründen atemlos.

CuiCon-Redaktionskonferenz beim Nona
CuiCon-Redaktionskonferenz beim NonaPrivat

Der Connaisseur war diesmal ohne seine Cuisinière unterwegs, quasi wie eine Pho ohne Nudeln, eine Sommerrolle ohne Minze! Kurz: ein Sakrileg! Das konnte er sich nur mit dem Beistand einer feinen Gruppe der Kleinen samt Lok-Führer, gewissermaßen als Ersatzmannschaft, erlauben.

Ziel der kulinarischen Expedition: das Vina Bar & Restaurant in Graz, das seit einiger Zeit nicht nur mit vietnamesischer Küche, sondern auch mit einer stylischen Einrichtung im eleganten Schwarz-Gold-Lotus-Look von sich reden macht. Mit einer Zwischenfrage macht sich Die Cuisinière bei der CuiCon-Redaktionskonferenz wichtig: "….was heißt eigentlich Vina?"

Auf sein Fragezeichen im Gesicht hatte sie nur gewartet . Und er wusste, sie hat die Antwort! “Weinberg???", versuchte er wenigstens mit seinen rudimentären Spanisch-Kenntnissen zu protzen.

"Geh bitte", schüttelte sie streng den Kopf, "Vina" ist eine Abkürzung oder ein Präfix, das sich auf Vietnam bezieht – ähnlich wie "Viet"! Logo, oder?!!”, erfüllte sie einmal mehr Vorzugsschüler-artig den selbst auferlegten Bildungsauftrag, und fügte oberg´scheit hinzu,“es könnte aber auch Kürbisinstrumentbedeuten, wie passend für die Steiermark."

"In Indien …"; versuchte Der Connaisseur endlich auch wieder zu glänzen.

Hinter dem Vorhang verbirgt sich der Schatz: Lotus.Lack.Gold
Hinter dem Vorhang verbirgt sich der Schatz: Lotus.Lack.Gold
paul ott/ innocac_Screenshot HP

Schon beim Eintreten spüre man einen Hauch von Saigon, der auf steirische Urbanität trifft, urteilte Der Connaisseur. Eine Atmosphäre, die an ein vietnamesisches Luxus-Loft erinnere - "wer sowas kennt!" Dunkles Interieur, moderne Akzente, sattes Dunkelgrün und Gold, viel Glas.

“Besser kultiger Lokal-Tester als Architektur-Kritiker", quittierte Die Cuisinière spitz seine Interieur-Beschreibung nach einem Blick auf die Fotos auf der Homepage.

Alleweil gabs heuer für das Vina in London den "International Property Award 2025" in der Kategorie "Best Leisure Interior" als "schönstes Restaurant der Welt". Der Connaisseur nickte nachdenklich: "Die Lotusblüte im Logo macht's aus!"

"Lotus und Gold haben´s dir ordentlich angetan", ätzte sie, "kann mich nicht erinnern, dass du dich jemals in so wenig Zeilen über Bling Bling verbreitet hast".

 Der Connaisseur im Platten-Glück
Der Connaisseur im Platten-Glück
Privat

Kulinarisch blieb kein Teller unprobiert, das war man der Cuisinière schuldig. Man begann klassisch: Sommerrollen (7 Euro), frisch und prall mit Minze, daneben knusprige Garnelen (10 Euro) und Frühlingsrollen (10 Euro). Alles serviert als bunte Platte – der ideale Auftakt, um gemeinsam zu probieren, zu teilen, zu diskutieren. Der Connaisseur schwelgte im Glück.

”Irgendwann wirst du Mandelaugen haben, mit deinem asiatischen Spleen!", fantasierte sie. Sake-trunken, wie er mutmaßte.

Ente & Huhn auf der Platte vereint
Ente & Huhn auf der Platte vereint
Privat

Bei den Hauptspeisen durfte sich die Tafelrunde einmal quer durchprobieren: Die knusprige Ente (24 Euro) – außen goldbraun, innen zart. Das Huhn mit Gemüse (22 Euro), aber wenig Schärfe. Das Rind mit Reisnudeln ( 22 Euro) – mit der typischen vietnamesischen Kräuter Frische. Auch das vegane Curry ( 20 Euro) mit Kokosmilch mundete.

"Ich lese richtig?? Vegan mundete?", konnte sie sich kaum fassen!

"Jetzt sei nicht so!" wirkte Der Connaisseur fast beleidigt, "auch ich gehe mit der Zeit!"

Auch hier kein Halten, er muß durch, und das gerne
Auch hier kein Halten, er muß durch, und das gerne
Privat

Das Dessert-Trio glänzte: Mango mit Klebreis (10 Euro), Kokosbällchen und Bohnen-Süßspeise ( 8 Euro) – eine Kombination, die den Connaisseur zum Schmunzeln brachte: "Ohne Bohne keine Krone!"

"Vor lauter Lotus und Gold bist du schon ganz durcheinander", mischte sich die Die Cuisinière erneut in den Text ein, "…. heißt das nicht `ohne Böhnchen kein Kanönchen´?" Der Connaisseur begann ob dieser völlig unpassenden Assoziation der Cuisiniére beinahe zu hyperventilieren …

"Sch...! Also tu dir nix an", murmelte sie! Der Connaisseur weigerte sich, es zu verstehen.

Und war erstmals froh, ohne der Cuisinière unterwegs gewesen zu sein.

Bohnen ohne Kanonen, aber mit Mango
Bohnen ohne Kanonen, aber mit Mango
Privat
Die Speiskarte, reduziert auf das Wesentliche
Die Speiskarte, reduziert auf das Wesentliche
Privat

Ach so, übrigens haben Die Cuisinière & Der Connaisseur eine eigene Facebook-Seite und zum Newsletter kann man sich hier anmelden!

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Die Cuisinière & Der Connaisseur

  • Die Cuisinière & Der Connaisseur arbeiten schon länger projektweise zusammen, haben sich zusammengetan, um über das Essen zu reden. Und seit geraumer Zeit auch für Newsflix darüber zu schreiben, und damit einen Beitrag zur kulinarischen Lebensqualität und gastrosophische Erwachsenenbildung zu leisten. "Die kultigen Gourmet-Kritiker" (OT Christian Nusser) bilden ein unvergleichliches Duo, das die kulinarische Welt bisweilen aus einer etwas anderen Perspektive betrachtet. Sie bringen frischen Wind in die gelegentlich bierernste Gastrokritiker-Szene und servieren witzige und kulinarische Erkenntnisse und sonstige Wichtigtuereien satirisch auf den Tisch und ins Netz! Dabei verbinden sie Expertise und Humor zu einer Mischung, die ihresgleichen sucht. Ihr Motto? Es ist, wie es isst!
  • Die Cuisinière ist Jacqueline Pfeiffer, Grand Master Chef, war Kochlöffel in diversen Hauben- und Sterne-Hütten in Mitteleuropa ("Adlon", Gstaad, "Marc Veyrat" usw.), irgendwann "Köchin des Jahres" und hatte in den 10er-Jahren im Wiener "Le Ciel" (nach neuer Gault Millau-Zeitrechnung) vier Hauben erkocht. Nunmehr ist sie als Enjoyment-Consultant mit ihrem PfeiffersGiG selbst kochend fast ausschließlich im diskreten gastronomischen Spitzenbereich oder als Coach und Beraterin einiger Gastronomiebetrieben tätig und schwingt den Kochlöffel meist nur mehr im diskreten Private Cooking.
  • Der Connaisseur heißt Wolfgang Fischer, war Journalist und Medienmanager, zehn Jahre CEO der Wiener Stadthalle, nunmehr Geschäftsführer der DDSG Blue Danube, bester Freund von Admiral Duck – und Gourmet wie Gourmand seit Jahrzehnten. Also ein klassisch übergewichtiger weis(s)er alter Mann.

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