Ein Jahr lang buhlte das Weltwirtschaftsforum um seine Teilnahme. Am Mittwoch kommt Donald Trump über Davos und übernimmt den Gipfel. Alles wurde auf ihn zugeschnitten, sogar das Programm gesäubert. Nun kann er in Ruhe mit Europa abrechnen. Die Details.

Das Hotel Alpengold heißt nicht nur so, sondern sieht auch so aus. Die Fassade besteht aus 791 Metallelementen in Goldfarbe. Die rundliche Form der Luxusherberge, fünf Autominuten vom Stadtkern entfernt, soll an einen Tannenzapfen erinnern. Im Volksmund wird das Alpengold etwas profaner das "Goldene Ei" genannt.
Früher stand an dieser Stelle eine Heilanstalt für Tuberkulosekranke. 2013 wurde für 260 Millionen Euro ein Neubau in einen Wald hineingestellt. Nun betreibt die InterContinental Hotels Group (IHG) das Fünfstern-Hotel, es wird vom Österreicher Mario Gubi als General Manager geleitet.
Das Alpengold selbst verzichtet auf eine Klassifizierung, das hat ganz pragmatische Gründe. Der "Pharma-Kodex" verbietet es Ärzten und Apothekern "übermäßige Bewirtung oder Luxusaktivitäten" in Anspruch zu nehmen. Das sorgt bei Kongressen für Probleme. Also blieb das Hotel offiziell sternelos.
Der Traum oder Albtraum aus Metall dürfte diese Woche einen speziellen Gast beherbergen, dem das egal ist – Donald Trump. Der US-Präsident soll während seiner Anwesenheit am World Economic Forum (WEF) das Alpengold bewohnen. Die Präsidentensuite kostet ab 5.000 Euro die Nacht.

Trump wird aber nicht nur im Hotel, sondern überall der rote Teppich ausgerollt. Das Programm des WEF wurde komplett auf ihn zugeschnitten und von allen "woken" Themen gesäubert. Auch der Klimaschutz kommt so gut wie nicht mehr vor.
Und: Trump gab am Dienstag schon einen Vorgeschmack, was auf die Welt zukommen wird. Was Sie über das WEF und die Trump-Show wissen müssen:
Was ist das WEF überhaupt?
Seeehr salopp gesagt das Forum Alpbach auf groß. Am World Economic Forum in Davos (10.000 Einwohner) treffen sich einmal im Jahr Spitzenmanager, Spitzenpolitiker und alle, die ganz spitz auf High-End-Zusammenkünfte sind.
Was ist der Sinn?
Dialog. Das WEF will Entscheider zusammenbringen. Im direkten Gespräch können Probleme gelöst oder zumindest Verständnis für die "andere Seite" aufgebaut werden. Soweit die Idee.
Seit wann gibt es das WEF?
Es wurde 1971 vom deutschen Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab als gemeinnützige Organisation gegründet, hieß da noch "Stiftung European Management Forum" und wurde 1987 umbenannt.

Wie war die Entwicklung zuletzt?
Das WEF schlitterte in eine schwere Krise. Die Veranstaltung verlor rasant an Relevanz und Reputation. Sie wurde mehr und mehr zu einem reinen Schaulaufen der Mächtigen. Dann kam eine Affäre dazu.
Was passierte?
2025 wurde Gründer Klaus Schwab von Whistleblowern vorgeworfen, gemeinsam mit seiner Frau Gelder des WEF für private Zwecke verwendet zu haben, etwa für Massagen. Er wurde entlassen, eine Untersuchung eingeleitet.
Was kam heraus?
Im August 2025 gab der Verwaltungsrat bekannt, dass keine Beweise für schwerwiegendes Fehlverhalten oder vorsätzliche Veruntreuung gefunden worden seien. Das Fehlverhalten habe sich auf "geringfügige Unregelmäßigkeiten" beschränkt.
Was passierte mit Schwab?
Er kehrte nicht mehr ins WEF zurück, was auch am Alter lag, er ist 87. Aber er spielt im Hintergrund immer noch eine bedeutsame Rolle. So knüpfte er den Kontakt zu einer Person, die dem Forum wieder mehr Aufmerksamkeit verschaffen soll – Donald Trump.
Wie das?
Mehrere Medien bestätigen, dass vonseiten des WEF fast ein Jahr lang daran gearbeitet wurde, Trump wieder nach Davos zu bringen. Ein Drahtseilakt, das Treffen der Super-Influencer ist für viele MAGA-Anhänger eigentlich ein rotes Tuch.

Kommt Trump nun?
Ja, es ist sein dritter direkter Besuch nach 2018 und 2020. Im Vorjahr ließ er sich nur per Video zuschalten.
Wie kam ihm der WEF entgegen?
Vor allem beim Programm. Das Motto des 56. Forums vom 19. bis 23. Jänner lautet "Ein Geist des Dialogs". Die Agenda stellte eine komplette Kehrtwende zu früheren Jahren dar. 2019 saß noch die damals 16-jährige Greta Thunberg am Podium und sagte Sätze wie "unser Haus brennt" und "ich möchte, dass ihr in Panik geratet".
Was ist jetzt anders?
Der Klimaschutz ist aus dem Programm so gut wie verschwunden, Diversität ebenfalls. Die Vorträge, die Reden und das Rahmenprogramm widmen sich wieder vorrangig klassischen Themen wie Welthandel, KI oder Wirtschaftswachstum.
Wird das offiziell so eingestanden?
Børge Brende dementiert einen Einfluss des Trump-Lagers. Der frühere konservative norwegische Minister für Klima und Umwelt ist seit 2017 Präsident und CEO des Weltwirtschaftsforums.
Aber?
"Nach Davos im letzten Jahr habe ich Gespräche mit dem Weißen Haus aufgenommen und mich auch mit Stabschefin Susie Wiles abgestimmt", sagte Brende in einem Videointerview zu Politico. Im Dezember sei er auch in Washington, D.C., gewesen, hatte Treffen im Weißen Haus, aber auch mit mehreren Kabinettsmitgliedern.

Wer spielte noch eine wichtige Rolle?
Laurence "Larry" Fink, CEO des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock mit Sitz in New York. Er wurde nach dem Schwab-Abgang interimistisch als CO-Vorsitzender installiert. Fink hat einen guten Draht zu Trump. Er bestreitet in Davos auch das Panel mit dem US-Präsidenten.
Was ist der Erfolg des Lobbying?
Mediale Berichterstattung über Tage und das in großer Ausführlichkeit. Donald Trump fliegt nicht ein, sondern er erobert Davos. Der US-Präsident kommt mit der größten US-Delegation aller Zeiten in die Schweiz. Vier Minister begleiten ihn.
Wer kommt mit?
Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Handelsminister Howard Lutnick, Energieminister Chris Wright, der US-Sondergesandte für den Nahen Osten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
Welche Anekdote belegt den Sinneswandel?
Als Politico mit Brende telefonierte, wurde das Gespräch zweimal unterbrochen, weil Jared Kushner anrief. Einmal vergaß Brende, das Mikro stumm zu schalten. "Grüß Ivanka", hörten die Reporter.
Wie kommt Trump nach Davos?
Er fliegt mit der Air Force One von der Joint Base Andrews in Maryland nach Zürich-Kloten und steigt dort in einen Hubschrauber um. "Marine One" bringt ihn nach Davos – wenn das Wetter passt. Am Ufer des Davosersees wurde ein Heliport eingerichtet.

Wie geht es dann weiter?
Im Konvoi. Trump steigt in die Präsidenten-Limo "The Beast" um, der 10-Tonnen-Cadillac ist gepanzert, sogar ein Kühlschrank mit Blutkonserven von Trump ist im Fahrzeug eingebaut.
Wer ist außer Trump noch da?
Insgesamt rund 65 Staats- und Regierungschefs, zuletzt gab es aber ein paar Absagen.
Nämlich?
Daniel Chapo, Präsident von Moçambique, kommt wegen der Flutkatastrophe in seinem Land nicht, Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez sagte nach dem Zugunglück ab. UNO-Generalsekretär António Guterres ist erkältet. Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj zögert wegen russischer Luftangriffe. Irans Aussenminister Abbas Araghchi wurde ausgeladen.
Was fiel bei den Absagen auf?
Der dänische Wirtschaftsminister Morten Bodskov sagte wegen "Terminproblemen" ab. Der Konflikt um Grönland scheint als Begründung naheliegender zu sein.
Warum ist das brisant?
Weil das WEF ein halber Grönland-Gipfel wird, Trump selbst hat ein Meeting dazu in Davos angekündigt. Das Thema dürfte auch in seiner Rede zentral sein. Abseits davon wollen Europas Politiker den US-Präsidenten von seiner fixen Idee abbringen, sich die Insel einzuverleiben. Die Erfolgschancen schätzen selbst Optimisten nur als mittelgut ein.

Wie Grönland wird der WEF sein?
Sehr, Trump stimmte das Publikum am Dienstag darauf ein. Er erschien überraschend bei einem "White House press briefing" – einem Format, in dem normalerweise nur offizielle Sprecher auftreten.
Warum?
Er wollte noch ein paar Botschaften loswerden. Auf die Frage, wie weit er für die Annexion Grönlands zu gehen bereit sei, antwortete Trump: "Das werden Sie schon sehen." Es klang wie eine Drohung.
Wie verspotten die USA Europa?
Finanzminister Scott Bessent, der schon in Davos ist, machte sich über die EU lustig. Als er von Reportern gefragt wurde, was er von Europas Bemühungen halte, Trump an der Annexion Grönlands zu hindern, sagte er: "Ich nehme an, sie werden die gefürchteten europäischen Arbeitsgruppen bilden." Und nannte sie ihre "stärkste Waffe".
Was weiß man über die Rede sonst?
Das Panel mit Trump ist mit 45 Minuten angesetzt, es startet am Mittwoch um 14.30 Uhr. Erwartet werden harte Worte zu Europa, zu Grönland, im Vorfeld nannte er die Rückgabe der Chagos-Inseln an Mauritius von Großbritannien einen "Akt großer Dummheit". Die Insel soll noch mindestens 99 Jahre unter britischer Kontrolle bleiben.
Liegt Europa Trump zu Füßen?
Schaut trotz aller gegenteiligen Bekundungen so aus. Es herrscht ein regelrechtes "Griss" um Treffen mit Mitgliedern der US-Delegation. Es geht schließlich nun nicht mehr allein um Grönland, sondern für acht Staaten auch um Extrazölle, die Trump ihnen wegen des Inselstreits aufgebrummt hat.

Wie lange bleibt Trump?
Seine Ankunft am WEF ist für Mittwoch, 14.10 Uhr avisiert. Nach der Rede absolviert er Meetings und besucht um 17.25 Uhr einen Business-Empfang.
Warum fliegt er nach der Rede nicht sofort zurück?
Weil er ein zweites Projekt betreibt, das er vorstellt, erst danach fliegt er nach Hause.
Worum geht es?
Am Donnerstag ab 10.30 Uhr stellt Trump im Rahmen einer Zeremonie seine Charta für Gaza vor. Er wird das Dokument gemeinsam mit anderen Staats- und Regierungschefs unterzeichnen. Sie treten damit Trumps "Friedensrat" bei, das kostet alle je eine Milliarde US-Dollar.
Was ist der Zweck?
Der Wiederaufbau des verwüsteten Gazastreifens. Eine Reihe von Staatschefs wurde zum Beitritt eingeladen, auch Wladimir Putin (er "prüfe" das Angebot noch, sagte der Kreml). Brisant: Auch der ukrainische Präsident Selenskyj erhielt eine Einladung.
Was sind die Streitpunkte?
Die Vereinten Nationen fühlen sich übergangen. Israel lehnt den "Friedensrat" ab, weil auch verfeindete Nationen Vertreter entsenden können. Und Frankreichs Präsident Macron zögert noch. Das brachte ihm den nächsten Konflikt ein.

Was passierte?
Trump bedrohte ihn direkt. "Ich werde seine Weine und seinen Champagner mit Zöllen von 200 Prozent belegen", schrieb er auf Truth Social. Dazu veröffentlichte er den Screenshot einer mutmaßlich privaten Nachricht, die ihm Macron geschickt hatte.
Was dreht drin?
"Mein Freund, wir sind auf einer Linie mit Blick auf Syrien. Wir können Großes vollbringen in Iran. Ich verstehe nicht, was Du in Grönland tust", schreibt Macron anbiedernd. Dann schlägt er einen Gipfel und ein Abendessen in Paris vor.
Wer ist fix in Davos dabei?
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hielten ihre Reden schon am Dienstag. Deutschlands Kanzler Friedrich Merz kommt, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, Argentiniens Staatschef Javier Milei, der israelische Staatspräsident Isaac Herzog.
Ist das außergewöhnlich?
Der WEF selbst sprich von einem Rekord. 2.500 Führungskräfte haben sich angesagt. In Davos wird es rund 1.000 zusätzliche Flugbewegungen geben.
Was ist der Hotspot?
Eine Kirche, sie dient den USA als eine Art Hauptquartier. Finanziert wird der Auftritt von mehreren Unternehmen. Microsoft und die Beratungsfirma McKinsey sollen je eine Million US-Dollar auf den Tisch gelegt haben.

Warum in einer Kirche?
Die USA stehen 2026 im Zeichen zweier großer Events. Der Fußball-WM im Sommer und dem 250. Jahrestag der Gründung der Vereinigten Staaten. Für die Bewerbung wurde eine außergewöhnliche Location gesucht – und gefunden.
Was hat es damit auf sich?
Die Kirche gehört der Freien Evangelischen Gemeinde, die USA haben sie für geschätzt 200.000 Euro gemietet. Die Fenster wurden mit Transparenten verklebt. Zu sehen: der amerikanische Adler, die US-Flagge, das Kapitol in Washington. Dazu der Spruch: "USA House – Freedom 250", eben wegen des Gründungs-Jubiläums.
Was ist die Freie Evangelische Gemeinde?
Eine protestantische Glaubensgemeinschaft, die zu den Freikirchen gehört. Sie wird durch Spenden finanziert und tritt für Eigenverantwortung und die Trennung von Staat und Kirche ein.
Wie steht es um die Sicherheit?
Davos gleich einer Festung. In einem Radius von 46 Kilometern wird der Luftraum um Davos gesperrt. Für den Anflug der Air Force One wird der Luftraum zudem vorübergehend komplett gesperrt.
Wer ist aus Österreich vor Ort?
Bundeskanzler Christian Stocker ist am Dienstag und Mittwoch in der Schweiz dabei. Er trifft laut Kanzleramt den Premierminister der Region Kurdistan-Irak und den Präsidenten Panamas, sowie META-Vertreter. Die Gespräche mit Syriens Präsident Ahmed al-Sharaa und dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi wurden abgesagt.