Über ein Dutzend Personen verloren durch die Enthüllungen in den Epstein-Files ihre Jobs, einige zumindest ihr Gesicht. Jüngstes Beispiel: Microsoft-Gründer Bill Gates. Er gestand Affären mit zwei Russinnen. Warum noch weitere bekannte Männer folgen werden.

Beichten, darunter stellte man sich früher etwas anderes vor. Nun sitzt da Bill Gates, Gründer von Microsoft und mit 107 Milliarden Dollar Vermögen einer der reichsten Menschen der Welt, und beichtet seinen Mitarbeitern, dass er zwei außereheliche Affären gehabt habe.
Geschehen bei einem sogenannten Town Hall Treffen für Mitarbeiter der Bill & Melinda Gates Foundation, der im Jahr 2000 gegründeten größten privaten Wohltätigkeitsstiftung der Welt, die sich vor allem für Initiativen im Bereich der globalen Gesundheit engagiert. Gates reagierte damit auf die jüngsten Veröffentlichungen aus den sogenannten Epstein-Files, den Ermittlungsakten über den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Die Seitensprung-Beichte des 70-jährigen Microsoft-Machers ist der jüngste Höhepunkt einer ganzen Reihe von Enthüllungen, Ermittlungen und Rücktritten, zu denen die Veröffentlichung der Akten bislang geführt hat.
Denn das juristische "Erbe" des 2019 in Untersuchungshaft verstorbenen New Yorker Finanzmagnaten ist höchst toxisch. Und gerade dabei, eine ganze Generation von Machern und Managern auf der ganzen Welt von der Bildfläche zu fegen.
Weshalb Bill Gates seine Bettgeschichten jetzt wieder aufwärmt, wer aller wegen seiner Epstein-Kontakte bereits zurücktreten musste, wo die Epstein Files Auswirkungen bis nach Österreich haben und wie sich US-Präsident Donald Trump mit aller Kraft dagegen stemmt, ebenfalls in den Strudel der Ereignisse mit hineingezogen zu werden – das müssen Sie über die jüngsten Entwicklungen wissen:

Was hat Bill Gates seinen Mitarbeitern konkret gebeichtet?
Er entschuldigte sich für seine früheren Kontakte zu Jeffrey Epstein und räumte Fehler ein, die Schatten auf die Foundation geworfen hätten. Gleichzeitig betonte er, dass er niemals an den Verbrechen von Epstein beteiligt gewesen sei und in Epsteins Umfeld auch nie etwas Verbotenes mitbekommen hätte.
Was ist mit den Seitensprüngen?
Gates erklärte seinen Mitarbeitern, dass er während seiner Ehe mit Melinda Gates Affären mit zwei Frauen gehabt habe, die beide aus Russland stammen. Diese Beziehungen hätten jedoch überhaupt nichts mit Epstein zu tun gehabt. Dieser habe erst später davon erfahren und daraufhin versucht, dieses Wissen gegen Gates zu verwenden, wie das Wall Street Journal berichtet.
Was weiß man über die Affären?
Die eine sei Atomphysikerin gewesen und er, Gates, hätte sie im Arbeitsumfeld kennengelernt. Das würde zu Gerüchten passen, die seit Jahren bei Microsoft kursieren und die besagen, Gates hätte mehr als 20 Jahre lang ein Verhältnis mit einer Mitarbeiterin gehabt.
Und der zweite Seitensprung?
Sei mit einer um etwa 30 Jahre jüngeren Frau namens Mila Antonova gewesen, die er bei einem Bridge-Turnier im Jahr 2010 kennengelernt hätte. Das Wall Street Journal hatte bereits 2023 über diese Affäre berichtet.

Was ist über Mila Antonova bekannt?
Sie sei eine hervorragende Bridge-Spielerin und wollte in den USA diese Leidenschaft zu ihrem Beruf machen. Dabei lernte sie Gates kennen. Ob das nur Zufall gewesen ist, lässt sich heute nur mehr schwer einordnen. In einem Video (siehe unten) aus 2010 erzählt Mila Antonova von ihrer Begegnung mit Gates bei einem Bridge-Turnier in Washington: "Ich habe ihn zwar nicht besiegt, aber ich habe versucht, ihn mit meinem Bein zu treten", so die junge Russin.
Wie lange dauerte die Affäre?
Das ist nicht bekannt. Sie soll aber einer der Hauptgründe für die 2021 erfolgte Scheidung von Bill und Melinda Gates gewesen sein – nach 27 Jahren Ehe.
Was hat Bill Gates mit Bridge am Hut?
Er ist seit seiner Kindheit ein absoluter Hardcore-Fan und hält das Kartenspiel für ein exzellentes Gehirntraining. Angeblich spielt er nach wie vor fast täglich online mit Investment-Legende Warren Buffett, mittlerweile 95 Jahre alt und 148 Milliarden Dollar "schwer".
Und was hatte die junge Russin mit dem 30 Jahre älteren Gates am Hut?
Darüber kann man nur spekulieren. Das Wall Street Journal sprach mit ihr 2023, aber bereits damals wollte sie sich nicht über ihre Beziehung zu dem Milliardär äußern.
Weshalb ist das überhaupt relevant?
Es existiert ein Foto, auf dem Mila Antonova mit Anna Chapman in Manhattan zu sehen ist. Das schürte die Gerüchte.
Wer ist Anna Chapman?
Die gebürtige Russin, Mädchenname Kuschtschenko, lebte in den USA, wo sie als Agentin für den russischen Auslandsgeheimdienst SWR gearbeitet haben soll. Sie wurde vom FBI enttarnt und am 9. Juli 2010 am Flughafen Wien gegen US-Agenten ausgetauscht.
Besteht die Möglichkeit, dass die Bridge-Russin auf Bill Gates angesetzt worden ist?
Möglich ist vieles. Und bis jetzt gibt es zahlreiche Gerüchte, die besagen, dass Jeffrey Epstein mit russischen Geheimdiensten in Verbindung gestanden sein und auch sogenannte "Honigfallen", also verbotene Liebschaften, aufgestellt haben soll. Erwiesen ist davon allerdings nichts. Und das gemeinsame Foto von Antonova und Agentin Anna Chapman deutet eher auf das Gegenteil hin.
Wie reagierte Gates' Ex-Frau Melinda auf die Enthüllungen?
Über die aktuellste Volte ihres Mannes, mit dem sie drei erwachsene Kinder hat, hat sich Melinda French Gates bislang nicht geäußert. Anfang Februar, auf die neuen Gerüchte über ihren Mann in den Epstein Files angesprochen, meinte sie, die Akten riefen "Erinnerungen an einige sehr, sehr schmerzhafte Zeiten in meiner Ehe wach. Aber ich habe damit abgeschlossen. Ich habe es bewusst von mir weggeschoben und bin weitergegangen." Und sie sei froh, "all dem Dreck entkommen" zu sein.

Wie erfuhr Jeffrey Epstein von Gates' Affären?
Ein enger Mitarbeiter von Bill Gates , der auch mit Epstein in Kontakt war, hätte es ihm irgendwann erzählt, so das Wall Street Journal. Der gleiche Mitarbeiter hatte Epstein auch Bridgespielerin und Gates-Geliebte Mila Antonova vorgestellt, als diese auf der Suche nach einem Investor für ihre Idee einer Bridge-Academy gewesen ist.
Bekam sie das Geld?
Nein, aber Epstein finanzierte ihr eine Ausbildung als Programmiererin und Softwareentwicklerin. Aus "reiner Hilfsbereitschaft", wie er ihr erklärte. Ob und wie viel ihm Mila Antonova über ihre Beziehung zu Bill Gates erzählte, ist nicht bekannt.
Und Epstein nutzte sein Wissen gegen Gates?
Nicht sofort, sondern erst, als Gates seinen Kontakt zu Epstein längst abgebrochen hatte. 2017 – laut Gates drei Jahre nach dem letzten Gespräch zwischen den beiden – forderte Epstein von Gates die Ausbildungskosten für "sein Mädchen" zurück, also jenes Geld, das Epstein für Antonovas Schulungen gezahlt hatte.
Ein Erpressungsversuch?
Der gar nicht subtile Subtext: ich weiß über dich und die Russin Bescheid.
Was wollte Epstein?
Dass sich Gates mit viel Geld an einem milliardenschweren Wohltätigkeitsfonds beteiligt, den Epstein ins Leben rufen wollte, um seinen Namen vom Makel des Sexualstraftäters reinzuwaschen. Epstein war 2008 wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden. Gates wäre für ihn das Zugpferd für den Fonds gewesen, hätte er eingezahlt, wären ihm Hunderte gefolgt.
Und hat Gates eingezahlt?
Nein, der Fonds kam nie zustande und Epstein nahm ihm das auch sehr übel. In einer E-Mail an sich selbst, die offenbar als Notiz für ein Schreiben an Bill Gates dienen sollte, entwarf Epstein eine wüste Geschichte über sexuell übertragbare Krankheiten, die sich Gates bei einem seiner Seitensprünge geholt hätte, und von Antibiotika, die er Melinda deshalb heimlich geben wollte und noch einiges mehr.

Was geschah mit dem Mail?
Es wurde im Zuge der Bundesermittlungen gegen Jeffrey Epstein entdeckt und aktenkundig und Ende Jänner im Rahmen der Veröffentlichung der Epstein-Files veröffentlicht. Das war vermutlich auch der Anlass für Bill Gates, bei dem Town Hall Meeting in die Vorwärts-Verteidigung zu gehen und die Geschichte seiner Liebschaften selbst zu erzählen, ehe es andere tun.
Kam es noch einmal zu einer Begegnung zwischen Gates und Epstein?
Nein, laut Bill Gates hat er den Finanzmann 2014 zum letzten Mal getroffen oder gesprochen. Danach blockte der Milliardär nach eigenem Bekunden jede Kontaktaufnahme durch Epstein ab, auch auf die Gefahr hin, von diesem enttarnt zu werden. Denn zumindest über die Affäre mit Bridgespielerin Mila Antonova wusste Epstein auf jeden Fall Bescheid.
Das wievielte "Opfer" der Epstein Files ist Bill Gates damit?
Es lässt sich bald nicht mehr zählen. Aufgrund der großen Zahl an veröffentlichten Dokumenten (alleine Ende Jänner mehr als zwei Millionen Seiten) und der Zeit, die es benötigt, diese zu sichten, kommen nahezu täglich neue Enthüllungen und Ermittlungsansätze dazu.

Nur einer Person konnten die Veröffentlichungen bislang nichts anhaben: US-Präsident Donald Trump. Der 79-Jährige, dessen Name laut Zählungen hunderttausende Male in den Epstein Files vorkommt und den der Sexualstraftäter jahrelang als seinen "engsten Freund" bezeichnete, wurde bislang von sämtlichen Ermittlungen verschont. Doch nun könnte es auch für den Präsidenten eng werden.
Wo sind die Trump Files?
Wie die New York Times und der Nachrichtensender NPR berichten, fehlen in jenem Epstein-Konvolut, das Ende Jänner veröffentlicht worden war, etwa 50 Seiten an Ermittlungsakten gegen Trump über einen Vorfall aus den 1980er-Jahren. Das lässt sich aus veröffentlichten Registern nachvollziehen.
Um welchen Vorfall geht es?
Eine Frau aus South Carolina, die damals zwischen 13 und 15 Jahre alt gewesen sei, wurde nach eigener Aussage in den 1980er-Jahren von Jeffrey Epstein und Donald Trump sexuell missbraucht. Sie beschrieb es später als "gewalttätiges und grausames Treffen".
Weiter?
Im Jahr 2019 – Trump war damals bereits US-Präsident und Epstein stand kurz davor, wegen verschiedener Sexualdelikte verhaftet zu werden, führten deshalb FBI-Ermittler insgesamt vier Interviews mit der Frau durch. Die Behörde stufte die Frau damals grundsätzlich als glaubwürdig ein, so der Journalist Roger Sollenberger.
Und?
Von den Abschriften dieser vier Interviews wurde nur jene jetzt veröffentlicht, in der es ausschließlich um die Vorwürfe gegen Epstein geht. Sämtliche Aussagen der Frau zu Donald Trump – insgesamt etwa 50 Seiten – sind verschwunden.

Gibt es dafür eine Erklärung?
Nachdem sich das US-Justizministerium nach wie vor vorbehält, die Epstein Files dort zu schwärzen, wo laufende Verfahren, Opfer oder Unschuldige genannt werden, wäre es absolut denkbar, dass die Akten vor allem in Hinblick auf mögliche Verwicklungen Trumps hin gesäubert worden sind. Beweise dafür gibt es allerdings logischerweise keine.
Was sagt Trump selbst dazu?
Er weist mantraartig jedes Fehlverhalten zurück und erklärt, er hatte mit Jeffrey Epstein längst gebrochen, bevor dessen Straftaten ans Licht gekommen seien. Und das Weiße Haus nannte die Vorwürfe in einer Stellungnahme laut CNN "falsch und sensationslüstern".