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Hoher Ölpreis, wenig Flüge

Macht der Krieg meinen Sommerurlaub jetzt unbezahlbar?

Der Ölpreis hebt ungebremst ab. Flüge nach Fernost kosten plötzlich viermal so viel wie bisher, Kreuzfahrtschiffe hängen in der Straße von Hormus fest. Was das für die Urlaubsplanung bedeutet – und wie Sie am besten mit der Situation umgehen.

Alleine die US-Airlines müssen heuer 11 Milliarden Dollar mehr für Kerosin ausgeben als geplant
Alleine die US-Airlines müssen heuer 11 Milliarden Dollar mehr für Kerosin ausgeben als geplantGetty Images/iStockphoto
Martin Kubesch
Akt. 23.03.2026 23:26 Uhr

Auch wenn US-Präsident Donald Trump zu Wochenbeginn von angeblich laufenden Friedensverhandlungen mit dem Iran sprach: In Katar glaubt man offenbar nicht daran, dass sich die Situation am Persischen Golf demnächst normalisieren könnte.

Weithin sichtbares Zeichen für den Pessimismus: Das Emirat von der Größe Oberösterreichs hat mittlerweile bereits 20 Langstrecken-Flugzeuge der staatlichen Qatar Airways auf unbestimmte Zeit eingemottet.

Die Jets der Typen Airbus A350 und A380 sowie Boeing 787 parken bis auf Weiteres am Flughafen der spanischen Provinzstadt Teruel nahe Valencia, berichtet die Financial Times, geschützt vor Wind und Wetter – und iranischen Raketen. Und es ist gut möglich, dass in den nächsten Tagen noch weitere Flugzeuge dazu kommen.

Denn die Einschränkungen, die der Iran-Krieg vor allem den Airlines aus der Golfregion auferlegt, sind weltweit spürbar. Und das wird auch Auswirkungen auf die Sommerurlaubsplanung der Österreicher haben – finanziell, aber auch, was die möglichen Reiseziele betrifft.

Wie sehr der Iran-Krieg die Reiselust der Österreicher beeinflusst, warum derzeit vor allem Flüge nach Asien nahezu unerschwinglich sind und welche Reiseziele der Krieg am Golf am wenigsten tangiert – das müssen Sie für die Planung Ihres Sommerurlaubs wissen:

Rauch über dem Flughafen von Dubai nach einem iranischen Drohnenangriff am 16. März
Rauch über dem Flughafen von Dubai nach einem iranischen Drohnenangriff am 16. März
APA-Images

Worum geht es?
Um die Auswirkungen des amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran auf die diesjährige Sommersaison. Die Einschränkungen, die sich durch diese Auseinandersetzung ergeben, könnten die Kosten einer Urlaubsreise nämlich massiv in die Höhe schnalzen lassen – vor allem dann, wenn man sich noch nicht entschieden hat, wie der diesjährige Sommerurlaub aussehen soll.

Was sind die Preistreiber?
Auf der einen Seite natürlich der Ölpreis. Diesem Faktor kann sich nur entziehen, wer einen reinen Wanderurlaub plant oder heuer mit dem Drahtesel unterwegs sein wird. Für alle anderen Urlauber gilt: Wer motorisiert unterwegs ist, muss damit rechnen, dass der hohe Ölpreis auf die eine oder andere Weise sein Urlaubsbudget belastet.

Dürfen Flugtickets, die ich bereits bezahlt habe, nachträglich teurer werden, wenn der Ölpreis stark steigt?
Grundsätzlich nicht, wer ein Ticket gekauft und bezahlt hat, der hat damit einen Vertrag abgeschlossen, der nicht nachträglich geändert werden kann. Es gibt allerdings Ausnahmen von der Regel.

Welche Ausnahmen gibt es?

  • Wird ein Ticket storniert oder umgebucht, kann das neue Ticket plötzlich exorbitant teurer sein als das alte, da die Fluggesellschaften die aktuellen Entwicklungen des Ölpreises laufend in ihre Preiskalkulationen aufnehmen.
  • Laut Washington Post müssen aufgrund des höheren Ölpreises alleine die US-Airlines heuer um geschätzte 11 Milliarden Dollar mehr für Kerosin ausgeben als kalkuliert. Diese Kosten werden nach Möglichkeit an die Passagiere weiter gegeben.
  • Wer eine Pauschalreise per Bus oder Flugzeug gebucht und bereits bezahlt hat, kann unter Umständen nachträglich trotzdem noch einmal zur Kasse gebeten werden.
  • Wie das? In manchen Fällen können sogenannte "Treibstoffzuschläge nach Buchung" verrechnet werden. Das muss allerdings in den AGBs bzw. im Vertrag auch so drinnen stehen.
  • Bei Pauschal-Kreuzfahrten gibt es ebenfalls die Möglichkeit nachträglicher Treibstoffzuschläge. In der Schifffahrt wird diese Position gelegentlich als "Bunkerzuschlag" bezeichnet, muss aber ebenfalls im Vertrag explizit festgehalten sein.

Und wenn ich meinen Urlaubsflug noch nicht gebucht habe, um wie viel wird mein Ticket dann teurer?
Das kann man nicht pauschal beantworten, dafür sind die Rechenmodelle, nach denen ein Algorithmus den Ticketpreis individuell festlegt, längst zu kompliziert. Angebot und Nachfrage bestimmen grundsätzlich die Preisgestaltung. Aber klar ist, dass alle Airlines die gestiegenen Kerosinkosten bei ihrer Preiskalkulation einpreisen.

Wer sein Ticket für den Sommerurlaub noch nicht gekauft hat, muss sich auf einen saftigen Treibstoffzuschlag gefasst machen
Wer sein Ticket für den Sommerurlaub noch nicht gekauft hat, muss sich auf einen saftigen Treibstoffzuschlag gefasst machen
Getty Images

Aber sehe ich es zumindest hinterher, wenn ich ein Ticket gekauft habe, wie teuer mir der Sprit kommt?
Ja, die dafür erhobene Gebühr wird in der Flugpreisaufschlüsselung üblicherweise unter Bezeichnungen wie "Treibstoffzuschlag", "Fluggesellschaftsgebühr", "von der Fluggesellschaft erhobene Gebühr" oder "YQ-Gebühr" geführt.

Was macht meinen Sommerurlaub außerdem teurer?
Die Wahl des Urlaubsortes. Wer sich bis jetzt noch nicht entschieden hat, wo er heuer seine "schönsten Wochen des Jahres" verbringen möchte, kann bei der Wahl der Destination ordentlich an der Preisschraube drehen.

Was bedeutet das konkret?
"Reiseziele innerhalb Europas sowie klassische Mittelstreckendestinationen sind aktuell deutlich preisstabiler als Langstreckenziele", sagt Sonja Wegenstein vom Verkehrsbüro. Auch Direktflüge ohne Umsteigen seien weniger anfällig für Preissprünge, da sie nicht von internationalen Drehkreuzen abhängig sind, so die Expertin.

Weshalb ist das so?
Aufgrund der Situation am Persischen Golf fallen derzeit die drei wichtigsten Umsteige-Flughäfen des Mittleren Ostens nahezu völlig aus. Die Airports von Dubai, Abu Dhabi und Doha sowie die mit ihnen verbundenen Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways verteilten bis Kriegsbeginn täglich (!) bis zu 500.000 Passagiere zwischen Ost und West, Nord und Süd.

Und jetzt?
Aufgrund des Krieges, den dadurch verursachten Einschränkungen für den Flugverkehr sowie aufrechten Reisewarnungen für die gesamte Region, machen die meisten Passagiere derzeit einen großen Bogen um die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar.

Werden die Flughäfen überhaupt angeflogen?
Aber ja, wenn auch nicht so massiv wie gewohnt. Nahezu der gesamte Luftraum über Katar ist derzeit gesperrt, nur wenige Flugzeuge der Qatar Airways dürfen den Hamad International Airport in Doha, der Hauptstadt Katars, überhaupt anfliegen. Aktuell kann die Airline nicht einmal 20 Prozent ihres Flugplans einhalten, so die Nachrichtenagentur Reuters.

Tausende Flugzeuge müssen derzeit jeden Tag einen großen Umweg in Kauf nehmen, um das Kriegsgebiet zu umfliegen
Tausende Flugzeuge müssen derzeit jeden Tag einen großen Umweg in Kauf nehmen, um das Kriegsgebiet zu umfliegen
Screenshot Flightradar24

Wie schaut es in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus?
Die Flughäfen von Dubai und Abu Dhabi sind zwar offen, werden aber aus Sicherheitsgründen ebenfalls nur eingeschränkt angeflogen. Bei Emirates finden derzeit drei von vier geplanten Flügen statt (die Wien-Verbindung wurde etwa von zwei- auf einmal pro Tag reduziert), bei Etihad sind es 50 Prozent aller geplanten Flüge. Nur: Kaum ein Passagier möchte jetzt an den Golf fliegen, wenn er nicht muss. Und sei es auch nur, um dort umzusteigen.

Was mache ich eigentlich, wenn ich schon ein Ticket in die Region gebucht habe?
Da eine Reisewarnung für alle betroffenen Länder existiert, hat jeder Kunde die Möglichkeit, entweder den Ticketpreis zurückzuerhalten oder seinen Flug kostenlos auf einen späteren Termin umzubuchen. Die meisten Airlines bieten derzeit eine Gratis-Umbuchung auf einen Termin bis Ende April an, diese Frist wird aber in der Regel jede neue Kriegs-Woche um eine weitere Woche verlängert.

Was machen die Passagiere stattdessen?
Wer kann, fliegt von Europa direkt in den Indischen Ozean (etwa Mauritius oder die Malediven), nach Ostafrika (Kenia, Tansania, Sansibar) oder Fernost (Bangkok, Indien, Bali usw.). Allerdings: Die europäischen Airlines lassen es sich derzeit fürstlich bezahlen, wenn sie Direktverbindungen in den Fernen Osten anbieten können.

Was bedeutet "fürstlich"?
Ein Economy-Ticket von Wien auf die Malediven kostete bis vor ein paar Wochen etwa 1.000 Euro hin und zurück. Wer jetzt bucht, bezahlt dafür bis zu 4.200 Euro – für Economy, wohlgemerkt.

Warum ist das so?
Weil die Nachfrage enorm ist und das Angebot an verfügbaren Flügen enden wollend. Die zum Lufthansa-Konzern gehörende Austrian hat in den letzten Wochen aufhorchen lassen, als sie binnen kurzer Zeit 17 zusätzliche Flüge nach Bangkok aus dem Hut zauberte, um dort "gestrandeten" Österreichern, die mit einer der arabischen Airlines nach Thailand geflogen waren, aber Angst vor einem Rückflug über den Persischen Golf hatten, eine Alternative zu ermöglichen. Die Flüge waren binnen kurzer Zeit ausgebucht.

Ist der Bangkok-Boom damit vorbei?
Im Gegenteil: "Wir bieten zwei Flüge pro Tag in Thailands Hauptstadt an, aber wir könnten auch drei füllen", so eine Austrian-Sprecherin.

Boeing 777 der Austrian Airlines: bis zu 4.200 Euro für ein Economy-Ticket auf die Malediven
Boeing 777 der Austrian Airlines: bis zu 4.200 Euro für ein Economy-Ticket auf die Malediven
APA-Images

Weshalb fliegt man dann nicht noch öfter?
Das ist immer eine Frage der Möglichkeiten. Die Austrian-Mutter Lufthansa hat zuletzt aufhorchen lassen, als sie wegen der riesigen Nachfrage nach Ostasien-Flügen infolge des US-Angriffs binnen Tagen 40 zusätzliche Verbindungen nach Bangkok, Singapur, China und Japan ins Programm nahm. Das war allerdings nur möglich, weil man sämtliche Kapazitäten, die eigentlich in den Mittleren Osten gegangen wären, nach Ostasien umlenkte.

Wovon sprechen wir hier?
Die Lufthansa hat eine Flotte von etwa 75 Langstreckenflugzeugen, damit lässt sich schon ordentlich klotzen. Austrian hat zehn Langstreckenflugzeuge im Dienst. Damit waren bereits die 17 zusätzlichen Bangkok-Flüge eine wahre Herkules-Aufgabe.

Fliegt Austrian derzeit in die Krisen-Region?
Nein, Tel Aviv, Dubai, Amman, Erbil sowie Teheran werden derzeit nicht angeflogen. Der Iran ist sowieso bis mindestens Ende April komplettes Sperrgebiet, die Flüge nach Amman und Erbil sind bis mindestens 28. März ausgesetzt (je nach Entwicklung wird entschieden, ob die Sperre verlängert wird), Tel Aviv bis 9. April. Und Dubai wäre mit dem Wechsel vom Winter- auf den Sommerflugplan (am kommenden Wochenende) ohnedies herausgefallen, wird also bis zum nächsten Winterflugplan nicht mehr angeflogen werden.

Merkt man diese Entwicklungen – abgesagte Flüge, Apothekerpreise für Asien-Destinationen – beim Buchungsverhalten?
Ja, sagt Sonja Wegenstein vom Verkehrsbüro. "Wir sehen eine gewisse Zurückhaltung bei kurzfristigen Buchungen sowie Umbuchungen weg von den stark betroffenen Regionen hin zu alternativen Destinationen wie den Kanaren, Marokko und europäischen Zielen."

Und auf lange Sicht?
Die langfristigen Vorausbuchungen seien weiterhin stabil, so die Verkehrsbüro-Sprecherin, und würden bereits teilweise über dem Vorjahrs-Niveau liegen. "Insgesamt bleibt die Reiselust der Österreicher hoch", so Sonja Wegenstein.

Wohin fliegen denn die Österreicher also heuer im Sommerurlaub?
Die klassischen Urlaubsdestinationen wie Spanien (Kanaren oder Balearen), Portugal, Italien, Griechenland und Zypern stehen nach wie vor hoch im Kurs. Ziele wie Bulgarien und Albanien würden sich langsam zu Preis-Leistungs-Geheimtipps entwickeln, so Verkehrsbüro-Expertin Wegenstein. Aber auch "exotischere" Ziele wie die Kapverden, Marokko oder die Ostsee werden zunehmend nachgefragt.

Die Kreuzfahrtschiffe "Mein Schiff 4" (Bild) und "Mein Schiff 5" von TUI sowie die MSC "Euribia" liegen derzeit im Persischen Golf, weil sie nicht durch die Straße von Hormus kommen
Die Kreuzfahrtschiffe "Mein Schiff 4" (Bild) und "Mein Schiff 5" von TUI sowie die MSC "Euribia" liegen derzeit im Persischen Golf, weil sie nicht durch die Straße von Hormus kommen
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Wie sieht es mit Ägypten aus?
Das Land sei aufgrund der unmittelbaren Nähe zu Israel derzeit eher weniger beliebt, so Robert Chlebec vom Anbieter allesreise.at. Allerdings: Für Ägypten gibt es derzeit keine Reisewarnung, kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen seien daher nicht möglich: "Deshalb entschließen sich nur wenige Kunden dazu, lieber nicht zu fahren", so der Reise-Experte, der seit 40 Jahren im Business ist.

Wie schaut es mit Urlaub in Österreich aus?
Die Buchungslage sei "sehr gut", sagt Robert Chlebec, und niemand wolle seinen Urlaub verschieben wegen des Krieges: "Im Gegensatz zu Konflikten in der Vergangenheit haben wir dieses Mal auch keinen kurzfristigen Einbruch bei den Buchungen feststellen können, als die Auseinandersetzung losgegangen ist", so der Urlaubs-Profi.

Wie ist die Lage bei Kreuzfahrten?
Diese spezielle Urlaubsform sei auch heuer extrem beliebt, so Sonja Wegenstein vom Verkehrsbüro: "Vor allem Mittelmeerkreuzfahrten erfreuen sich auch wegen der klar kalkulierbaren Gesamtkosten nach wie vor großer Beliebtheit."

Gibt es auch genügend Kapazitäten für die Buchungsfreude der Urlauber?
Ja, aber mit Einschränkungen, so Robert Chlebec, der auf Kreuzfahrten spezialisiert ist. "Aktuell liegen die "Mein Schiff 4" und "Mein Schiff 5" von TUI sowie die MSC "Euribia" im Persischen Golf vor Anker und warten darauf, dass sie durch die Straße von Hormus und den Suezkanal zurück ins Mittelmeer können", so Chlebec. Insgesamt 15.000 Plätze seien auf den drei Schiffen, die im Sommer im Mittelmeer gebraucht werden. Schaffen es die Schinakeln nicht rechtzeitig zurück, drohe den Anbietern, TUI und MSC, ein riesiger Verlust.

Wie sieht es, abgesehen davon, mit den vorhandenen Kapazitäten aus?
Es gebe noch für alle Destinationen genügend verfügbare Betten für den Sommer, so Verkehrsbüro-Expertin Wegenstein.

Könnte der Iran-Krieg auch Auswirkungen auf die Osterferien haben?
Höchstens aufgrund der hohen Treibstoffpreise, so Reiseprofi Robert Chlebec. "Größere Reisen, ob innerhalb Europas oder nach Übersee, sind ohnedies längst gebucht." Und wer ganz kurzfristig in der Karwoche noch irgendwo hin wolle, müsse sich ohnehin auf die Suche nach den letzten freien Betten machen, ob in Österreich oder im nahen Ausland. Chlebec: "Es ist aber das meiste ohnedies längst ausgebucht – die Österreicher wollen sich offenbar nicht von Donald Trump ihren Urlaub verderben lassen."

Martin Kubesch
Akt. 23.03.2026 23:26 Uhr