Es wird für ihn immer enger. Die Polizei fand bei zwei Hausdurchsuchungen offenbar belastendes Material gegen Andrew Mountbatten-Windsor. Neue Regierungsdokumente rücken zudem seine Ernennung zum Handelsdelegierten in ein schiefes Licht. Darum geht's.

"At least she didn’t have to see it happen." – "Zum Glück hat sie das nicht mehr erleben müssen." Diesen Stoßseufzer hört man auf den britischen Inseln derzeit ziemlich häufig.
Mit "sie" ist Königin Elisabeth gemeint: Die Monarchin regierte ihr Land 70 Jahre lang und starb 2022 im Alter von 96 Jahren.
Und "das" bezieht sich auf die jeweils neuesten Enthüllungen und Erkenntnisse über Andrew Mountbatten-Windsor, 66, den ehemaligen Prinzen und Herzog von York. Er war Elisabeths drittes und – wie es immer wieder hieß – auch ihr Lieblingskind. Und er entwickelt sich inzwischen immer mehr zu einem Mühlstein, der die englische Monarchie in den Abgrund zu ziehen droht.
Die jüngsten Eskalationsstufen: Die britische Regierung veröffentlichte am Donnerstag bislang unbekannte Dokumente über mutmaßliche Absprachen rund um Andrews Ernennung zum britischen Handelsdelegierten im Jahr 2000 und seine Amtsführung.
Und am Freitag wurde bekannt, dass die Polizei ihre laufenden Ermittlungen gegen den Royal ausgeweitet hat. Neben dem Verdacht des Amtsmissbrauchs untersuchen die Behörden nun auch mögliches sexuelles Fehlverhalten und Korruption, berichtet die Bild Zeitung.
Welche neuen Verdachtsmomente es gegen Andrew gibt, was in den Regierungsdokumenten steht und wie weit die Polizei-Ermittlungen gegen ihn mittlerweile gediehen sind – das muss man über die neuesten Entwicklungen um den Skandal-Royal wissen:

Worum geht es bei den neuen Ermittlungen?
Laut der britischen Daily Mail prüfen die Ermittler nach einer "umfangreichen Untersuchung" derzeit "mehrere Ermittlungsansätze" gegen den 66-Jährigen, darunter auch sexuelles Fehlverhalten und Korruption.
Ist bekannt, wie es zu diesen Vermutungen gekommen ist?
Laut Polizei sei bei Razzien in der Royal Lodge in Windsor, Andrews ehemaligem Wohnsitz, sowie in Sandringham in Norfolk, wo der Ex-Prinz seit Beginn dieses Jahres logiert, umfangreiches Material sichergestellt worden. Dieses werde derzeit "sorgfältig ausgewertet".
Weiß man Genaueres?
Es gehe zunächst um den Verdacht, der amerikanische Finanzunternehmer und verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein habe im Jahr 2010 eine Frau nach Großbritannien geschickt, um mit seinem Freund Andrew Sex zu haben. Diese Anschuldigung erinnert an jene von Virginia Giuffre. Sie war eines der Opfer von Jeffrey Epstein und klagte Andrew – damals noch Prinz Andrew – im Jahr 2021 öffentlich an, sie noch als Minderjährige insgesamt dreimal sexuell missbraucht zu haben.
Wie reagierte der Royal auf diese Anschuldigung?
Er bestritt jedes Fehlverhalten und tut das bis heute. Ungeachtet dessen verglich er sich mit Virginia Giuffre 2022 außergerichtlich und bezahlte ihr dafür kolportierte 14 Millionen Euro – teils mit Geld, das er von Königin Elisabeth eigens dafür erhalten hatte.
Welche Vorwürfe werden derzeit noch untersucht?
Die britische Polizei stehe im Austausch mit der Staatsanwaltschaft sowie mit dem US-Justizministerium, um Material aus den Millionen Dokumenten umfassenden Epstein-Akten zu erhalten. Der stellvertretende Polizeichef Oliver Wright erklärte zudem, die Polizei habe ein eigens dafür eingerichtetes Team aus "erfahrensten Spezialermittlern" zusammengestellt, darunter Kriminalbeamte mit Erfahrung in der Aufklärung schwerer Sexualdelikte und Finanzexperten.
Gibt es Zeugen für das mutmaßliche Fehlverhalten Andrews?
Es gebe zwar eine Reihe von Zeugen, aber er hoffe, dass sich noch weitere melden würden, um Licht auf Andrews Beziehung zu dem Pädophilen (Jeffrey Epstein, Anm.) zu werfen, so Polizeichef Oliver Wright. "Ich möchte ganz besonders betonen, dass unsere Tür offen steht. Wann immer ein Opfer oder Überlebender bereit ist, mit uns Kontakt aufzunehmen, sind wir für Sie da", so der Beamte.

Weshalb sucht die Polizei weiter nach Zeugen?
"Was die Opfer und Überlebenden von Epstein betrifft, hoffen wir, dass sich jeder mit relevanten Informationen meldet", so Polizeichef Oliver Wright weiter. Und ganz konkret: "Wir möchten ausdrücklich betonen, dass wir jeden, der über Informationen verfügt, dazu ermutigen, sich mit uns in Verbindung zu setzen."
Wie weit sind die Ermittlungen gediehen?
Sie stehen offenbar noch am Anfang. Laut Polizeichef Wright sei mit monatelangen Erhebungen zu rechnen, bevor "die Kriminalbeamten der Staatsanwaltschaft eine Beweismittelsammlung vorlegen könnten", damit diese über die Erhebung einer Anklage entscheiden könne.
Wie passen die neuen Ermittlungen zu den bisherigen Untersuchungen der Polizei gegen Andrew?
Die britische Exekutive ermittelt bereits seit Monaten gegen Andrew. Es geht dabei um seine Zeit als Handelsdelegierter für die Regierung ab dem Jahr 2000. Es steht der Verdacht im Raum, dass Andrew seinerzeit vertrauliche Informationen weitergegeben haben könnte, auch an Jeffrey Epstein.
Wurde Andrew deshalb auch von der Polizei festgenommen?
Ja, das geschah ausgerechnet am 19. Februar dieses Jahres, Andrews 66. Geburtstag. Er musste insgesamt elf Stunden in Polizeigewahrsam verbringen, während die Polizei seine Wohnsitze durchsuchte.
Was wird ihm hier konkret vorgeworfen?
Es geht insbesondere um E-Mails aus den Jahren 2010 und 2011, die geschäftliche und diplomatische Informationen enthalten sollen. So soll der ehemalige Herzog Berichte über offizielle Besuche in Hongkong, Vietnam und Singapur mit Epstein geteilt haben. Eine E-Mail vom November 2010 wurde von Andrew nur fünf Minuten nach Erhalt weitergeleitet. Und er soll Epstein in eine vertrauliche Besprechung über Investitionsmöglichkeiten beim Wiederaufbau von Afghanistan eingeweiht haben.
Wie ist diesbezüglich der Stand der Ermittlungen?
Andrew wurde zwar festgenommen und verhört, bislang jedoch nicht angeklagt. Die Ermittlungen laufen weiter. Die Polizei prüft, ob die Weitergabe von Informationen strafrechtlich relevant war und ob möglicherweise gegen Geheimhaltungspflichten verstoßen wurde.

Welche Strafe droht Andrew hier schlimmstenfalls?
Amtsmissbrauch wird in Großbritannien schwer bestraft, das kann bis hin zu einer lebenslangen Verurteilung reichen.
Wie kam es überhaupt dazu, dass Andrew Handelsdelegierter für das Königreich wurde?
In diesem Zusammenhang veröffentlichte die britische Regierung am Donnerstag ein Paket bislang unbekannter Dokumente. Aus diesen geht unter anderem hervor, welchen Einfluss die Queen auf Andrews Ernennung hatte – und wie dadurch sämtliche Bedenken gegen diesen Schritt weggewischt wurden.
Wie lautete die genaue Bezeichnung für Andrews Aufgabe?
Er war britischer Sonderbeauftragter für internationalen Handel und Investitionen. Wie die nun veröffentlichten Dokumente beweisen sollen, gelangte er Anfang der 2000er-Jahre offenbar auf ausdrücklichen Wunsch des Königshauses in diese Position, ohne dass es zuvor eine formale Sicherheitsüberprüfung gegeben hätte.

Welche Dokumente wurden veröffentlicht?
Interne Regierungsakten, Vermerke von Beamten, Briefings, Reiseunterlagen, vorbereitete Medien-Q&As sowie Korrespondenz rund um Andrews Ernennung zum "Special Representative for International Trade and Investment". Die Papiere stammen aus dem Zeitraum 2000 bis 2011. Sie geben Einblick in die Überlegungen der damaligen Labour-Regierung und des Handelsministeriums.
Weshalb wurden diese Dokumente überhaupt veröffentlicht?
Die Veröffentlichung erfolgte nach massivem politischem Druck im britischen Parlament. Die oppositionellen Liberaldemokraten hatten einen Antrag, eine sogenannte "humble address"-Initiative eingebracht. Das ist ein seltenes parlamentarisches Mittel, mit dem die Regierung faktisch gezwungen werden kann, Akten offenzulegen. Auslöser dafür war Andrews Festnahme im Februar 2026.
Wie viele Dokumente beziehungsweise Papiere wurden veröffentlicht?
Die Regierung veröffentlichte einen umfangreichen ersten Aktenbestand; offiziell wurde keine exakte Gesamtzahl genannt. Britische Medien sprechen jedoch von einem "Dossier" aus zahlreichen internen Akten, Memoranden und Briefings. Weitere Unterlagen könnten zurückgehalten worden sein, insbesondere mit Blick auf laufende Ermittlungen.
Was ist die Kernaussage der nun veröffentlichten Dokumente?
Die zentrale Erkenntnis lautet: Andrew erhielt den diplomatisch sensiblen Posten ohne formelle Sicherheits- oder Sorgfaltsprüfung. Die Unterlagen zeigen außerdem, dass die verstorbene Königin Elisabeth II. persönlich darauf drängte, ihrem Sohn eine prominente Rolle im britischen Außenwirtschaftsnetzwerk zu verschaffen.
Mit welcher Aufgabe wurde Andrew seinerzeit betraut?
Andrew sollte britische Wirtschaftsinteressen im Ausland fördern, Türen für Unternehmen öffnen und Investoren für Großbritannien gewinnen. Die Rolle war bewusst prominent angelegt: Ein international bekannter Royal sollte Zugang zu Regierungen, Wirtschaftseliten und Staatsfonds verschaffen. Gerade in Schwellenländern galt die königliche Aura als nützliches Instrument der Wirtschaftsdiplomatie.
Welche Rolle spielte die Queen dabei?
Die Akten zeigen eindeutig, dass die Queen die treibende Kraft hinter der Ernennung war. In einem internen Memo heißt es, sie sei "very keen" ("sehr erpicht") gewesen, Andrew in dieser Funktion zu sehen. Das Königshaus wollte offenbar verhindern, dass der Prinz nach seiner Marinekarriere politisch bedeutungslos wurde.

Weshalb gab es vor Andrews Engagement keine Sicherheitsüberprüfung für ihn?
Nach damaliger Logik galt ein Mitglied der königlichen Familie selbst als Teil des Staatsapparats und damit als vertrauenswürdig. Beamte erklärten rückblickend, dass Royals traditionell keiner formellen Überprüfung unterzogen worden seien. Andrew Turnbull, damals ein hoher Beamter, sagte sinngemäß, es wäre beinahe undenkbar gewesen, die Eignung eines Prinzen infrage zu stellen.
Wen hat Andrew in dieser Position ersetzt?
Andrew übernahm die Aufgabe von Prince Edward, Duke of Kent, der die Handelsrepräsentation zuvor ausgeübt hatte. Der heute 90-Jährige war ein Cousin der verstorbenen Königin.
Was waren Andrews Aufgaben in der Position?
Er sollte Handelsreisen absolvieren, Wirtschaftsdelegationen begleiten, britische Firmen im Ausland repräsentieren und Kontakte zu Investoren sowie Staatsführungen herstellen. Dazu gehörten Besuche in Asien, im Nahen Osten und in Nordamerika. Andrew nahm an Wirtschaftsforen teil, vermittelte Gespräche und fungierte als Türöffner für britische Unternehmen.
Wie war Andrews Rolle grundsätzlich angedacht?
Die Funktion war als glamouröse Mischung aus Wirtschaftsdiplomatie und Soft Power konzipiert. Andrew sollte den britischen Einfluss weltweit stärken und durch seinen Status Zugang zu Kreisen erhalten, die gewöhnlichen Diplomaten oft verschlossen blieben. Die Rolle beruhte stark auf persönlichen Netzwerken.
Und wie waren Andrews Vorstellungen von seiner neuen Position?
Die nun veröffentlichten Unterlagen deuten darauf hin, dass Andrew den Posten sehr individuell interpretierte. Er legte vor allem Wert auf prestigeträchtige Reisen, bevorzugte technologisch entwickelte Länder als Reiseziele und äußerte detaillierte Wünsche zu kulturellen Programmen. Laut internen Papieren bevorzugte er etwa Ballettbesuche gegenüber Theateraufführungen.
Wie hat er die Aufgabe schließlich wahrgenommen?
Andrew entwickelte einen sehr persönlichen, teilweise informellen Stil. Unterstützer lobten seine Energie und seine Fähigkeit, Kontakte herzustellen. Kritiker warfen ihm jedoch vor, geschäftliche und private Interessen zu vermischen. Besonders seine Nähe zu reichen Geschäftsleuten und umstrittenen Oligarchen sorgte regelmäßig für Schlagzeilen.

Was wird ihm aktuell im Zusammenhang mit seiner damaligen Aufgabe vorgeworfen?
Der schwerste Vorwurf lautet, Andrew habe während seiner Amtszeit vertrauliche Informationen an Jeffrey Epstein weitergegeben. Veröffentlichte E-Mails sollen zeigen, dass er Details offizieller Reisen und wirtschaftspolitischer Gespräche mit Epstein teilte – siehe auch weiter oben. Das könnte als "misconduct in public office" – also Amtsmissbrauch – gewertet werden.
Gibt es weitere Vorwürfe?
Der Königsspross soll, salopp formuliert, das Geld der Steuerzahler mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen haben. Er residierte auf seinen Handelsreisen in Luxus-Hotelsuiten, jettete ständig um den Erdball, auch wenn die Sinnhaftigkeit der Reisen fragwürdig war, und ließ sich laut BBC angeblich sogar private Massagen auf seinen Reisen vom Steuerzahler ersetzen.
Wie lange bekleidete Andrew die Position?
Andrew war von 2001 bis 2011 britischer Handelsbeauftragter.
Weshalb benötigte Andrew damals überhaupt eine neue Aufgabe?
Nach seiner Karriere in der Royal Navy suchte der Hof nach einer neuen öffentlichen Funktion für ihn. Gleichzeitig wollte man seine internationale Bekanntheit nutzen und ihm eine prominente Rolle innerhalb der Monarchie sichern.
Weshalb wurden die Dokumente überhaupt veröffentlicht?
Die Veröffentlichung ist eine Reaktion auf die politische und öffentliche Empörung nach den neuen Epstein-Enthüllungen und Andrews Festnahme. Parlamentarier argumentierten, nur vollständige Transparenz könne klären, wie jemand ohne Kontrolle eine derart sensible Rolle erhalten konnte.
Erhielt Andrew für seinen Einsatz eine Bezahlung?
Offiziell erhielt er kein Gehalt für die Rolle als Handelsbeauftragter.

Erhielt er andere Zuwendungen?
Kritiker bemängelten, dass Andrew durch die Position erhebliche Vorteile genoss: luxuriöse Reisen, Zugang zu Superreichen und potenzielle Geschäftskontakte. Zudem wurden seine hohen Reisekosten vom Staat getragen.
Gab es seinerzeit Kritik daran, dass Andrew diese Position erhielt?
Ja. Bereits damals gab es Zweifel an seiner Qualifikation und seinem Urteilsvermögen. Wirtschaftsvertreter und Oppositionspolitiker fragten, ob ein Royal ohne wirtschaftspolitische Erfahrung wirklich geeignet sei. Mit den Epstein-Enthüllungen wirken diese frühen Warnungen heute besonders brisant.
Welche Rolle spielte Jeffrey Epstein in der Angelegenheit?
Epstein ist heute der zentrale Belastungsfaktor. Die neuen Akten und E-Mails legen nahe, dass Andrew den US-Finanzier weit enger in seine offiziellen Aktivitäten einbezog als bislang bekannt. Die Ermittler prüfen deshalb, ob Epstein von Andrews diplomatischer Funktion profitierte oder Zugang zu sensiblen Informationen erhielt.

Wie schätzt die aktuelle Regierung die Veröffentlichung der Dokumente ein?
Handelsminister Chris Bryant erklärte am Donnerstag, die Regierung habe keine Hinweise gefunden, dass die Minister damals von problematischen Epstein-Kontakten Andrews gewusst hätten. Gleichzeitig betonte er, man wolle maximale Transparenz schaffen, soweit dies die laufenden Ermittlungen nicht gefährde. Weitere Akten-Veröffentlichungen seien allerdings eher unwahrscheinlich.
Wie geht es mit Andrew jetzt weiter?
Politisch und öffentlich ist Andrew weitgehend isoliert. Er verlor bereits seine royalen Titel und öffentlichen Aufgaben, zuletzt auch seinen Wohnsitz in Windsor. Juristisch bleibt offen, ob die Ermittlungen zu einer Anklage führen. Innerhalb der Monarchie gilt sein Ruf als schwer beschädigt. Die Veröffentlichung der Akten dürfte den Druck auf ihn – und auch auf das Königshaus – weiter erhöhen.
Wie verhält sich Andrews Bruder, König Charles?
Der König selbst hat sich bislang nicht zu den neuen Vorwürfen geäußert. Der Buckingham Palace ließ eine Erklärung veröffentlichen, in der er bestätigte, dass seine Mitarbeiter bereit seien, die Polizei bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. Königliche Berater erklärten weiter, dass der Palast sich aufgrund der laufenden polizeilichen Ermittlungen nicht äußern könne, um diese nicht zu beeinträchtigen.