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Marius-Prozess

„Ich hoffte, seine Liebe zu mir ist stärker als der Hass in ihm“

Sie brachte alles ins Rollen. Im Prozess gegen Marius Borg Høiby, Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, sagte nun die Frau aus, die ihn als Erste angezeigt hatte. In 20 der mittlerweile 40 angeklagten Straftaten ist sie das Opfer, ihre Aussagen erschüttern.

"Sie haben es verdient, angespuckt und geschlagen zu werden, weil er wütend geworden war?" "Ja," sagt die Frau im Zeugenstand.
"Sie haben es verdient, angespuckt und geschlagen zu werden, weil er wütend geworden war?" "Ja," sagt die Frau im Zeugenstand.APA-Images / Ane Hem / NTB
NewsFlix Redaktion
Akt. 05.03.2026 00:45 Uhr

Es ist einiges anders an diesem Mittwoch im Gerichtssaal in Oslo. Ein weiteres mutmaßliches Opfer von Marius Borg Høiby (29) soll aussagen, der gesamte Tag ist ihr gewidmet. Dem Angeklagten will sie dabei nicht in die Augen sehen. Auf Antrag der Verteidigung wird Høiby umgesetzt – Blickrichtung Richter.

Die "Frau aus Frogner" nennen skandinavische Medien das Opfer, sie soll vollkommen anonym bleiben, darf nicht fotografiert werden. Als Videos und Fotos von Tatorten gezeigt werden, müssen die Medien den Saal verlassen.

Die "Frau aus Frogner" ist die wohl wichtigste Zeugin der Anklage. In ihrer Wohnung wurde Høiby nach einem Gewalt-Exzess am 4. August 2024 festgenommen.

An diesem Sonntag soll er die Frau wiederholt gewürgt haben, sodass sie keine Luft mehr bekam, ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und sie auf dem Bett festgehalten haben. Der Vorfall passierte in Frogner, einem Stadtteil von Oslo. Daher ihr Beiname.

20 der mittlerweile insgesamt 40 Straftaten aus der Anklage gegen Høiby betreffen die "Frau aus Frogner". Sie reichen von November 2023 bis wenige Tage vor Beginn des Prozesses. Høiby hat sich für einen Großteil dieser Anklagepunkte schuldig bekannt.

Der Angeklagte verbrachte den Prozesstag vorwiegend damit, auf ein Papier zu kritzeln
Der Angeklagte verbrachte den Prozesstag vorwiegend damit, auf ein Papier zu kritzeln
APA-Images

Zwei Straftaten waren erst am Montag dazu gekommen, sie behandeln das Wochenende vor Beginn des Prozesses am 3. Februar, es geht um rücksichtsloses Verhalten und einen erneuten Verstoß gegen ein Besuchverbot.

Das Gericht erfährt an diesem Mittwoch viel, einiges ist schwer zu ertragen. Es geht um unbändige Wut, Angst, Selbstverleugnung, Kontrollsucht, Dominanz, auch um Besessenheit. Auf der Anklagebank sitzt der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit. Und ein Musterbeispiel toxischer Männlichkeit.

Innerhalb einer knappen Woche, vom 24. August bis zum 1. September 2024, soll Høiby beinahe pausenlos versucht haben, Kontakt zu seiner Ex-Freundin aufzunehmen, obwohl ihm das untersagt war. 172 Anrufe sind allein in diesem Zeitraum dokumentiert.

Acht Übertretungen des Kontaktverbots sind angeklagt. Aber Staatsanwalt Sturla Henriksbø sagt: "In Wirklichkeit geht es um Tausende von Verstößen."

Über all dem schwebt die Frage, warum die "Frau aus Frogner" es so lange mit ihrem Peiniger ausgehalten hat. "Meine Grenzen wurden irgendwie nach und nach verschoben", sagt sie. "Ich dachte, ich hätte es verdient, geschlagen zu werden." Ein Satz wie ein Donnerhall.

Die beiden wurden im September 2023 ein Paar, zogen im Jänner 2024 zusammen (sie behielt aber ihre Wohnung), trennten sich im November 2024 und kamen im Herbst 2025 wieder kurzzeitig zusammen.

Das Gericht in Oslo, in dem der aufsehenerregende Prozess stattfindet
Das Gericht in Oslo, in dem der aufsehenerregende Prozess stattfindet
Reuters

Ihren "Ex-Freund", nennt die "Frau aus Frogner" Høiby nun im Gericht. Laut Anklage hat er sie verprügelt, vergewaltigt, mit dem Messer bedroht, gewürgt, misshandelt, erniedrigt, angespuckt, angepinkelt, geheim gefilmt, geohrfeigt, einmal so heftig, dass sie auf den Boden stürzte. Er zerbrach ihren Laptop in zwei Teile, zerschlug eine Glastür. Auf der Straße rief er Passanten zu, dass sie eine Hure sei.

Und Høiby? Er nennt sie seine "große Liebe".

Im Folgenden sollen die Aussagen der "Frau aus Frogner" am Mittwoch vor Gericht möglichst authentisch wiedergegeben werden. Sie vermitteln am ehesten, wie eine Frau in eine Beziehung geriet, in der sie umklammert wurde, bis ihr buchstäblich die Luft wegblieb.

Wie es zu der Beziehung kam

"Wir haben uns in einem Nachtlokal in Oslo getroffen, ich habe da gearbeitet, er war an diesem Abend dort zu Gast. Er war eigentlich etwas unangenehm. Er hat mich gefragt, wann ich Feierabend habe, und machte sich an mich heran. Da dachte ich nur: 'Mein Gott, was ist das für ein Typ?'"

"Später schickte er mir eine Nachricht und entschuldigte sich für sein Verhalten. Ich habe nicht geantwortet. Wir trafen uns erneut in einem Nachtlokal in Oslo und vereinbarten, etwas trinken zu gehen. Wir landeten auf einer After-Party, er kam mit zu mir nach Hause und übernachtete da."

"Es war sehr intensiv, als wir anfingen, uns zu verabreden. Was andere als Lovebombing und kontrollierendes Verhalten betrachten, war für uns eine Sicherheit. Wir hatten beide Angst, einander zu verlieren. Ich hatte Angst, weil meine Grenzen irgendwie nach und nach verschoben wurden und ich mich emotional gebunden fühlte. Ich hoffte, dass seine Liebe zu mir stärker war als der Hass, den er in sich trug."

Hoibys Verteidigerin Ellen Holager Andenaes beobachtet den laufenden Prozess gegen Marius Borg Hoiby im Raum 250 des Osloer Gerichtsgebäudes
Hoibys Verteidigerin Ellen Holager Andenaes beobachtet den laufenden Prozess gegen Marius Borg Hoiby im Raum 250 des Osloer Gerichtsgebäudes
Reuters

Als sie das erste Mal Angst bekam

"Er unternahm große Anstrengungen, um mich für sich zu gewinnen. Er tauchte an meinem Arbeitsplatz auf, schickte Rosen an meine Tür, als ich nicht zu Hause war. Teile seines Verhaltens machten mir Angst. Er schickte Nachrichten, die ich als bedrohlich empfand.

"Gleichzeitig war ich wütend auf ihn, weil wir uns oft über Drogen stritten und weil er schlechte Freunde um sich hatte. Es war einfach ein sehr unangenehmes Gefühl. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand so aufdringlich war. Es war sehr seltsam."

Warum sie der Polizei misstraut

In mehreren Fällen seien Informationen aus den Ermittlungen an die Medien durchgesickert, erzählt die "Frau aus Frogner". "Ich möchte eigentlich nicht mit der Polizei zusammenarbeiten. Denn man fühlt sich betrogen und unsicher. Als das letzte Mal etwas passiert ist, habe ich mich nicht getraut, Kontakt aufzunehmen. Und das lag nicht daran, dass ich keine Hilfe gebraucht hätte. Ich und Marius brauchten in dieser Nacht Hilfe. Aber ich hatte Angst, dass Informationen nach außen dringen würden. Und so sollte es nicht sein."

Als er sie nackt fotografierte

Der erste Anklagepunkt. Høiby wird vorgeworfen, während einer Reise nach Berlin Fotos vom nackten Intimbereich seiner damaligen Freundin gemacht zu haben. "Ein Künstler, den ich mochte, hat ein Konzert in Berlin gegeben. Marius hat mich getäuscht und gesagt, er hätte Tickets besorgt. Als wir am Konzertort ankamen, wurden wir nicht hereingelassen. Ich war wütend."

Der Saal wird von der Presse geräumt. Es werden intime Fotos und Videos gezeigt, die der Angeklagte von der "Frau aus Frogner" gemacht haben soll, während sie Sex hatten. "Ich habe dem nicht zugestimmt. Ich habe ihn dabei erwischt, wie er das Video aufgenommen hat, und war erbost. Ich habe ihn aufgefordert, es zu löschen, er hat es versprochen. Gleichzeit fand er es albern, fast so wie: Warum sollte das nicht erlaubt sein?

Polizeianwalt Andreas Kruszewsk spielte bei der Befragung eine tragende Rolle
Polizeianwalt Andreas Kruszewsk spielte bei der Befragung eine tragende Rolle
APA-Images

Ein Foto habe ich am Morgen nach der Aufnahme auf seinem Handy gesehen. Aber er weigerte sich, es mir zu zeigen, und sagte, er habe es gelöscht. Ich war etwas perplex und dann wütend. Ich beschloss zu gehen, weil ich das nicht in Ordnung fand. Da wurde er zornig und schickte mir jede Menge Nachrichten. Ich dachte zunächst, das Foto sei von einer anderen Frau und vermutete, dass er mir untreu gewesen war. Ich sagte ihm deshalb, dass sie nicht mehr mit ihm zusammen sein wolle. Da wurde er völlig hysterisch."

"Während der Reise ist er wütend geworden, nachdem er mein Handy angesehen hatte. Er warf ein Glas gegen die Wand, sodass es zerbrach. Da habe ich irgendwie die Ernsthaftigkeit der Lage verstanden und bin zu ihm gegangen, um mit ihm zu reden. Er war sauer, weil ich meinem Ex eine Nachricht geschickt hatte, dass wir auf Reisen sind."

Die Sache mit dem zerstörten Handy

Es passierte während einer Reise nach Stranda 2024. "Ich hatte mehrere Gerüchte über ein intimes Video von ihm gehört. Ich erinnere mich, dass ich ziemlich eifersüchtig und wütend wurde. Dann fingen wir an, darüber zu streiten, und er leugnete es, und dann sagte ich, dass ich das nicht will. Ich habe zu ihm gesagt, dass ich ein Flugticket nach Hause buchen werde".

"Und während ich das tat, nahm er den Laptop von meinem Schoß und zerbrach ihn in zwei Teile. Ich glaube, er hat ihn mit seinem Knie geknickt."

Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit halten sich vom Prozess fern
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APA-Images / NTB / Javad Parsa

Der peinliche Hulk-Moment

Høiby und die "Frau aus Frogner" waren gemeinsam bei der Mutter eines befreundeten Paares zum Abendessen eingeladen. "Es wurde viel Alkohol getrunken, und alle waren in ziemlich guter Verfassung. Die Stimmung zwischen mir und Marius war gut, aber dann wurde sie etwas schlechter, weil er ziemlich betrunken war."

"Wir nahmen ein Taxi nach Hause. Ich war wütend auf ihn, weil er sich nicht benehmen konnte und betrunken war. Ich sprang aus dem Taxi und machte mich zu Fuß auf den Weg heim. Da sah ich, dass sein Taxi wendete und zum Nachtclub 'Michaels' in Frogner fuhr. Ich ging ebenfalls hin, weil ich wusste, dass er viel zu betrunken war, um dort zu sein."

„Und dann fangen wir an zu streiten, und ich schimpfe mit ihm, weil er sich nicht um seine Familie kümmert. Dann packt er mich und schreit mich an. Ich war schockiert. Ich bin zu einem Freund von ihm gegangen und habe ihn gebeten, sich um seinen Kumpel zu kümmern, weil er durchgedreht war."

"Ich bin dann zum Tisch zurück, an dem er mit einigen Freunden saß. Ich sagte ihm, dass es zwischen uns vorbei sei. Und dann reißt er sich sein T-Shirt vom Leib. Er ist ja wie der Hulk. Ich dachte nur: 'Was ist hier los?' Es war natürlich total peinlich, für uns beide, denke ich. Ich glaube, alle waren einfach ein bisschen sprachlos."

Høiby hat sie auch mehrmals mit abfälligen Worten beschimpft. "Ich schätze, dass dies mindestens zehnmal vorgekommen ist. Der Vorfall im Michaels war das erste Mal, dass er mich aggressiv angegriffen hat. Natürlich war ich schockiert, dass er das tut. Ich glaube, ich habe es einfach damit entschuldigt, dass er betrunken und in diesem Moment nicht er selbst war."

"Haben Sie gedacht, dass dies eine Art Warnsignal war?", wird die "Frau aus Frogner" gefragt. "Ja, offenbar nicht deutlich genug, aber ja."

Richter Jon Sverdrup Efjestad (Mitte) schickte die Presse auch am Mittwoch aus dem Saal
Richter Jon Sverdrup Efjestad (Mitte) schickte die Presse auch am Mittwoch aus dem Saal
Reuters

Tränen und eine kaputte Glastür

Am nächsten Tag kann sich Høiby an nichts mehr erinnern. Sie erzählt ihm, wie er sich verhalten hat. "Und da brach er in Tränen aus."

Es kommt zu einem Streit, die "Frau aus Frogner" beschuldigt Høiby, untreu gewesen zu sein. Ihm wird vorgeworfen, in dieser Nacht eine Frau in einer Wohnung im Westen Oslos vergewaltigt zu haben. Er bestreitet die Schuld. "Ich habe meine Sachen in eine Tasche gepackt, die ihm gehörte. Dann nimmt er einfach meine Sachen heraus, und ich schubse ihn weg. Da wurde er so wütend auf mich."

"Er meint, ich hätte ihn sehr fest gestoßen. Er stand auf und sagte: 'Verdammt, du stößt mich nicht weg' oder so etwas Ähnliches. Dann ballte er seine Faust so, dass ich dachte, er würde mich schlagen. Ich habe mich geduckt. Aber ich glaube, er ist zur Besinnung gekommen und hat gemerkt, dass man so etwas nicht tun darf."

Stattdessen schlug Høiby gegen die Glastür. "Seine Hand hat stark zu bluten begonnen. Ich habe ein Handtuch oder ein Papier geholt, und versucht, die Blutung zu stoppen. Am Ende mussten wir ins Auto steigen und zur Notaufnahme fahren. Dann hatte ich das Gefühl, dass wir einfach alles, was passiert ist, hinter uns lassen, über die ganze Situation lachen und sie einfach bagatellisieren."

Wieso die Glastür alles änderte

„Ich hatte das Gefühl, dass sich etwas in unserer Beziehung verändert hatte. Ich sah ihn mit anderen Augen. Ich fühlte mich unsicher in Bezug auf ihn und wozu er fähig schien. Wir sprachen nicht viel darüber, dass er gegen die Tür geschlagen hatte. Es wurde heruntergespielt”.

Vertrauliche Unterlagen der Zeugin landeten bei der Presse
Vertrauliche Unterlagen der Zeugin landeten bei der Presse
APA-Images / Action Press / Stel

Wie hätte Høiby reagiert, wenn sie ihn zu diesem Zeitpunkt verlassen hätte, wird die "Frau aus Frognor" gefragt. "Sicherlich auf die gleiche Weise, wie er es zu Beginn der Beziehung versucht hat. Er hätte mir viele Nachrichten und Liebeserklärungen geschickt. Er ist sehr wortgewandt und gut darin, Bestätigung zu geben."

Er macht einen Lügendetektortest

Das Vertrauen ist weg. Die "Frau aus Frogner" will wissen, wer im März 2024 bei der Afterparty dabei war. Høiby sagte später vor Gericht aus, dass er freiwilligen Sex mit einer Frau hatte, die er dort kennengelernt hatte. Das ist unbestritten. Er ist auch angeklagt, die Frau später in dieser Nacht vergewaltigt zu haben. "Er wollte mir die Namen der Frauen, die bei der Nachparty waren, nicht nennen. Er wollte mir auch nicht sagen, wo er in dieser Nacht war. Ich habe verstanden, dass er mich betrogen hatte, aber er hat es geleugnet."

"Dann sagte er, er könne einen Lügendetektortest machen. Und er hat ihn bestanden. Ich fühlte mich sehr dumm, dass ich ihn dafür beschuldigt habe. Es lief danach etwas besser in der Beziehung, aber trotzdem gab es mehr Streit als vor dem Vorfall bei Michaels."

Wie sie reagiert habe, als sie erfuhr dass Høiby in dieser Nacht sexuelle Beziehungen zu einer anderen Frau hatte, wird die "Frau aus Frogner" gefragt. "Ich hätte meinem Bauchgefühl vertrauen sollen."

Die komplette Kontrolle beginnt

"Ich war nie mit Freundinnen unterwegs, sondern nur mit ihm. Wenn ich mit meinen Freundinnen unterwegs war, kam er natürlich mit. Und ich durfte nicht mit auf Mädelsausflüge. Die ganze Mädelsclique fuhr weg, nur ich nicht. Ich habe viele Gerüchte gehört, dass er untreu gewesen sei. Eine Antwort habe ich bis jetzt nicht dazu bekommen."

„Ich war ja schon ein paar Mal abends unterwegs, und dann kamen plötzlich Nachrichten. Er wollte dann wissen, mit wem ich zusammen war und wo ich war. Es kamen auch Nachrichten, dass ich dorthin kommen sollte, wo er war."

Hoibys zweiter Verteidiger Petar Sekulic hat einen schweren Stand
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Reuters

Die Gewalt beginnt

Sommer 2024, die "Frau aus Frogner" und Høiby sind auf einer Bootsfahrt. "Die Stimmung war sehr angenehm. Während der Fahrt hat er sich betrunken. Wir gingen weiter in eine Bar, wo ein oder mehrere Freunde von ihm hinzukamen, die weitere Drogen mitgebracht hatten. Er hat mich gebeten, mit ihm auf die Toilette zu kommen, um Kokain zu nehmen. Ich wollte das nicht, weil ich am nächsten Tag zur Arbeit musste."

„Da wurde er ziemlich wütend. Ich fand die ganze Situation unangenehm. Also fing ich an zu weinen und ging weg." Høiby schickte ihr Nachrichten, dass er zu einem Freund gehen und dort schlafen würde. "Ich hatte es satt und schrieb, dass ich meine Sachen packen werde. Ich habe angedeutet, dass sie bei einem anderen Burschen schlafen würde, und schaltete ihr Handy aus. Ich ging jedoch zu einer Freundin. Als ich am nächsten Tag nach Hause kam, lag er in meinem Bett."

"Dann fängt er an, mich zu fragen, wo ich gewesen bin. Ich erzählte ihm, dass ich bei einer Freundin geschlafen hätte, aber er glaubte mir nicht. Dann erzähle er mir, dass er die ganze Nacht nach mir gesucht habe, und fängt an, mich anzuschreien und mir zu sagen, wie schrecklich ich bin und wie ich ihm so etwas antun kann. Er warf eine Wasserflasche, rannte herum und schrie und sagte, er würde mich verlassen."

Prinzessin Ingrid Alexandra, Marius Borg Höiby, Prinz Sverre Magnus 2022 bei der Gala der Regierung zu Ehren von Ingrid Alexandra anlässlich ihres 18. Geburtstags
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APA-Images / dana press / Bernar

"Ich versuche, ruhig zu bleiben, damit er nichts kaputt macht, und dann spuckt er mir ins Gesicht und schlägt mich. Mit der flachen Hand auf die linke Wange. Es war nicht so hart. Ich dachte, sie hätte es verdient, dass er so wütend geworden war."

"Sie haben es verdient, angespuckt und geschlagen zu werden, weil er wütend geworden war?", wird die "Frau aus Frognor" gefragt und sie antwortet: "Ja."

„Es klingt ein bisschen dumm, dass man so unterdrückt und manipuliert wird, dass man denkt, man verdiene Gewalt. Niemand verdient Gewalt. Er hat viel darüber gesprochen, wie schrecklich es mit mir war, wie furchtbar ich zu ihm war und dass ich eine Hure bin. Ich habe mich so klein gefühlt und er hat meine Reaktionen gegen mich verwendet. Dann fühlt man sich natürlich dumm, weil man so reagiert hat, wie man reagiert hat."

Die entscheidende Nacht

In der Wohnung in Frognor eskaliert in der Nacht vom 3. auf den 4. August 2024 die Situation. Sie erfährt, dass er untreu war, geht auf eine Party, danach heim. Er taucht bei ihr auf, es gibt Streit, er geht weg, kommt wieder, will dann mit dem Auto zu selbst zu einer Party, sie setzt sich neben ihn. "Er hat mir das Handy weggenommen, weil er meine Nachrichten kontrollieren will. Dann schreit er, ich soll aussteigen, und dass er verstanden hat, dass ich untreu war. Ich sei eine verdammte Hure und er wolle mich nie wieder sehen."

"Mitten in der Nacht bin ich aufgewacht, weil es mehrmals klingelte. Ich war fast ein bisschen erleichtert, weil ich beweisen wollte, dass ich nicht untreu war. Er ging wütend an mir vorbei und schaltete das Licht in meinem Zimmer ein. Dann packte er mich am Hals, legt mich auf das Bett und würgte mich. Er stand über mir und schrie und ich solle ihm sagen, mit wem ich zusammen gewesen bin. Ich glaube, als er über mir stand, war das der einzige Moment, in dem ich wirklich Angst hatte.”

Der norwegische Staatsanwalt Sturla Henriksbo vertritt die Anklage
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via REUTERS

"Der Würgegriff war das Schlimmste, denn man bekommt ja keine Luft. Ich war völlig geschockt. Er hat mich drei bis vier Sekunden lang festgehalten. Ich glaube, dass er mich zweimal gewürgt hat, wobei es beim zweiten Mal am schlimmsten war. Ich bekam ein paar Schläge mit der flachen Hand gegen den Kopf und dann wurde ich wieder gewürgt".

"Er war völlig außer sich, so wie damals bei Michaels. Es war unmöglich, mit ihm in Kontakt zu treten. Er stand nur da und schrie und wollte nichts von dem hören, was ich sagte. Es schien, als wollte er ein Geständnis aus mir herausprügeln. Ich versuchte, zu ihm zu gehen, ihn zu streicheln und die richtigen Worte zu sagen. Da schlug er erneut zu."

Die Gewaltspirale dreht sich weiter

Die "Frau aus Frogner" beschreibt weitere Exzesse. "Er hat einen Rasierer genommen und ihn gegen einen Spiegel geworfen. Einen Kronleuchter heruntergerissen, dann ist er darauf herumgetrampelt. Er hat auch mein Telefon zerschlagen."

"Er holte er ein Messer und sagte, er würde den Mann töten, von dem er glaubte, dass ich ihn mit ihm betrogen hatte. Irgendwann warf er das Messer gegen die Wand. Er hat mich so stark geschlagen, dass ich zu Boden fiel. Nach dem Schlag habe ich nur noch ein Pfeifen gehört. Ich glaube, ich lag einfach da und weinte eine Weile. Er hat mich an den Haaren ein paar Sekunden über den Boden gezogen. Dann sagte er: 'Jetzt wirst du spüren, wie sich das anfühlt.'"

Der Prozess ist (auch) ein Medienereignis
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APA-Images / dpa / Julia Wäschen

Dann forderte Høiby, dass er sie zu dem vermeintlichen Nebenbuhler bringt, damit er ihn umbringen kann. Sie zieht sich an, es kommt zum vierten Würgeangriff. Diesmal steht sie an einer Wand. "Ich weiß nicht mehr, ob es mit einer Hand oder mit beiden Händen war, aber ich erinnere mich jedenfalls daran, dass er mich so gegen die Wand drückte, dass ich ein bisschen auf den Zehenspitzen stand und dann keine Luft mehr bekam."

Sie landen vor die Wohnung „Dann dreht er sich plötzlich um und geht zurück. Also versuche ich, ihn zu beruhigen und sage Dinge, damit er zufrieden ist. Wir haben uns gestritten. Er hat gesagt, dass ich sein Leben ruiniere. Es war total peinlich. Er stand auf der Straße und schrie Passanten an, dass ich untreu gewesen sei. Ich sei eine Schlampe."

Er filmt den Übergriff

Es gibt Videobeweise aus der Tatnacht, Høiby hat mit dem Handy gefilmt. "Er sagte, er wolle ein Video aufnehmen, um Beweise für sich selbst zu haben, damit nicht noch mehr Dinge zerstört würden. Dann sagt er etwas darüber, dass er den Kopf verloren hat oder so etwas. Ich habe nicht ganz verstanden, was er gesagt hat."

Im Gerichtssaal werden Bilder aus der Wohnung nach dem Gewaltvorfall gezeigt. Zu sehen ist ein chaotischer Tatort. Sie habe sich nicht gewehrt, sagt die "Frau aus Frogner". "Ich war vor allem damit beschäftigt, mich bei ihm zu entschuldigen. Ich habe mich schuldig gefühlt, weil er so traurig war und ich dachte, dass es meine Schuld ist. Ja, das klingt natürlich total dumm. Man will einfach nur weg aus dieser Situation, ich fand es so schmerzhaft zu sehen, dass er litt.”

Am nächsten Tag ging sie zur Polizei.

NewsFlix Redaktion
Akt. 05.03.2026 00:45 Uhr