Am 2. April machte die Regierung den Treibstoff 10 Cent billiger. Einen Tag später war er teurer als davor. Und es gibt viele seltsame Ausnahmen, auf Autobahnen herrscht Wildwuchs. Was Sie jetzt über die Tankpreise wissen müssen (es ist eine Wissenschaft für sich).

Einen Schritt vor, zwei Schritte zurück. Mit dieser – zugegeben nicht ganz präzisen – Analogie könnte man die aktuelle Situation an den heimischen Tankstellen beschreiben. Denn dort heißt es derzeit ungefähr "10 Cent runter, 15 Cent rauf".
Von der viel gepriesenen "Spritpreisbremse" der Bundesregierung scheint schon drei Tage nach ihrer Einführung nicht mehr viel übrig zu sein. Freitagmittags erreichten die Treibstoffpreise an den Tankstellen einen neuen Höchstwert, als die Konzerne um 12 Uhr bis zu 20 Cent aufschlugen. Vereinzelt kostete der Liter Diesel ab da dann bis zu 2,32 Euro.
Bei vielen Beobachtern ist deshalb der Eindruck entstanden, dass Vorbereitung und Umsetzung der Spritpreisbremse tendenziell länger gedauert haben, als deren Wirksamkeit im Alltag für die Konsumenten spürbar war. Entsprechend groß ist die Ärger der Autofahrer, die sich angesichts schmerzhaft hoher Tankrechnungen im Stich gelassen fühlen. Nicht zuletzt vor dem reise-intensiven Osterwochenende.
Und die Enttäuschung der Konsumenten ist verständlich. Einerseits klangen die Aussagen der Regierung zur Spritpreisbremse tagelang so, als würde sich Österreich im Alleingang heldenhaft gegen das Weltgeschehen stemmen und den Märkten den Willen aufzwingen.
Andererseits ist die genaue Funktionsweise der Spritpreisbremse so kompliziert geraten, dass selbst ausgewiesene Experten kurz nachdenken müssen, um sie verständlich zu erklären. Aber nur, wer die Methodik dahinter verstanden hat, kann erkennen, dass die Bremse von Anfang an eher ein Bremserl war, das vielleicht Seifenkisten kurzzeitig verlangsamt, aber keine Supertanker.

Was man über die aktuelle Spritpreis-Misere in Österreich wissen muss, wie sich trotz explodierender Kosten beim Tanken zumindest ein wenig sparen lässt und wann sich die Spritpreise frühestens wieder auf einem normalen Maß einpendeln – das muss man über die Spritpreisbremse und den momentanen Kosten-Wahnsinn an den heimischen Tankstellen wissen:
Warum waren Benzin und Diesel am Freitag schon wieder teurer als am Tag davor, obwohl doch jetzt die Spritpreisbremse gilt?
Weil die Tankstellenbetreiber am Freitagmittag die Preise anheben durften, um sie an die aktuellen Großhandelspreise anzupassen. Und diese Anpassung fiel bei vielen Tankstellen höher als die Ersparnis, die sich aus der Spritpreisbremse am Donnerstag erstmals ergab.
Warum genau am Freitag zu Mittag?
Das ist eine direkte Folge des Angriffs der USA und Israels auf den Iran und der daraus resultierenden Verwerfungen auf dem internationalen Energiemarkt. Bis dahin galt laut Preistransparenzgesetz, dass die Tankstellen ihre Treibstoffpreise einmal am Tag erhöhen dürfen, nämlich immer zu Mittag (die Preise senken dürfen sie so oft sie wollen). Am 11. März beschloss die Regierung für vorerst einen Monat, dass nur mehr dreimal pro Woche, eben Montag, Mittwoch und Freitag, zu Mittag erhöht werden darf.
Wenn das nur für einen Monat gilt, läuft diese Regel aber bald aus …?
Richtig, am 12. April endet diese Regelung. Es sei denn, die Regierung verlängert sie aus aktuellem Anlass (was als wahrscheinlich gilt).
Wie sehr sind denn die Treibstoffpreise nun gestiegen?
Im Schnitt wurde Superbenzin in den letzten knapp 5 Wochen um 40 Cent pro Liter teurer, Diesel sogar um 70 Cent pro Liter.
Dürfen die Tankstellen die Preise an den drei Wochentagen so sehr erhöhen, wie sie möchten?
Nein, das dürfen sie derzeit nicht – und zwar aufgrund der Spritpreisbremse. Vorher war das allerdings sehr wohl möglich, da es genügend Öl bzw. Treibstoff an den Rohstoffbörsen gab und der freie Markt dafür sorgte, dass die Preise nicht zu sehr stiegen.

Wie funktioniert diese Spritpreisbremse jetzt genau?
Sie besteht aus zwei Elementen und senkt den Preis pro Liter Treibstoff um insgesamt zehn Cent. Es kann aber auch mehr sein. Oder weniger..
Wie geht das im Detail?
Dazu muss man etwas ausholen und im Mittelpunkt steht dabei die E-Control, die Regulierungsbehörde des Bundes für den Energiemarkt. Als feststand, dass es eine Spritpreisbremse geben soll, wurde von der E-Control ein Tag X festgesetzt, und zwar der 27. März 2026. Für diesen 27. März wurden die Großhändler-Einkaufs- und Verkaufspreise für verschiedene Treibstoffprodukte gesammelt und Mittelwerte gebildet.
Wozu?
Aus diesen Mittelwerten wurde die durchschnittliche Gewinnmarge ermittelt. Diese Gewinnspanne wurde dann um 5 Cent pro Liter Treibstoff herabgesetzt. Das sind die zweiten 5 Cent, die den Konsumenten in der Spritpreisbremse zugutekommen sollen.
Was war noch relevant?
Man legte fest, dass den Großhändlern ab dem 1. April (dem Start der Spritpreisbremse) jeden Tag eine Preis-Obergrenze mitgeteilt wird, die sich an den aktuellen Weltmarktpreisen orientiert und um die sie ihre Produkte maximal weiterverkaufen dürfen.

Heißt unter dem Strich?
Zwei Dinge: Seit dem 1. April legt die E-Control jeden Tag aktuell fest, wie viel der Treibstoff in Österreich maximal kosten darf. Mit anderen Worten: Sie begrenzt die Gewinnmargen der Groß- und Einzelhändler. Und sie hat diese Margen zusätzlich um 5 Cent pro Liter gedrückt, die den Endkunden an der Tankstelle im Zuge der Spritpreisbremse zugutekommen.
Wie errechnet sich diese Preisobergrenze?
Anhand der tagesaktuellen Treibstoffpreise an den Rohstoffbörsen. Diese finden sich vollumfänglich in den von der E-Control festgelegten Preisobergrenzen wieder. Wenn der Ölpreis von einem Tag auf den anderen, aus welchen Gründen auch immer, um 20 Prozent ansteigt, dann wird auch die Preisobergrenze um diese 20 Prozent steigen.
Und die Großhändler geben die gestiegenen Preise an die Einzelhändler weiter?
Genau, und die an ihre Kunden, die Autofahrer. Derzeit dürfen sie das halt nur jeweils Montag, Mittwoch und Freitag um 12 Uhr mittags.
Was, wenn der Großhandelspreis sinkt?
Dann wird auch die Preisobergrenze für diesen Tag um den entsprechenden Wert sinken und die Einzelhändler kaufen den Treibstoff entsprechend billiger von den Großhändlern ein.
Müssen die Einzelhändler, also die Tankstellenbetreiber, den gesunkenen Einkaufspreis an die Autofahrer weiter geben?
Nein, sie müssen nicht. Aber wenn es ihr direkter Mitbewerber tut und der Treibstoff bei diesem um 10 Cent weniger kostet, dann werden sie auf ihrem teureren Sprit sitzen bleiben. Hier vertraut man ganz auf die Macht des Marktes.
Wann dürfen die Tankstellenbetreiber den Benzinpreis senken?
Preis runter geht immer. Nur die nächste Preiserhöhung darf erst wieder Montag, Mittwoch oder Freitag um 12 Uhr stattfinden.

Was ist der Sinn des Ganzen?
Es ist ein Drahtseilakt. Die Händler sollen durch die Begrenzung der Gewinnmargen nicht in eine prekäre Situation gebracht werden. Dass sie nämlich Produkte zu höheren Preisen einkaufen, als sie diese verkaufen dürfen. Das würde auch kein Händler tun, dann kauft/verkauft er lieber gar nicht.
Sondern?
Die Regierung nutzt lieber das Modewort "Übergewinne", die verhindert werden sollen. Die sogenannten Übergewinne können entstehen, wenn das Preisgefüge am Markt außer Kontrolle gerät.
Was ist mit den 5 Cent, die von der Gewinnmarge abgezogen werden?
Um die ist der Sprit automatisch billiger, weil ja am Tag X (dem 27. März) ein Basiswert festgelegt worden ist und von diesem Basiswert wurden eben jene 5 Cent abgezogen. Und auf dieser Rechnung – Basiswert minus 5 Cent – baut seither das ganze System auf.
Was, wenn der Spritpreis so sehr fällt, dass man unter den Basiswert minus 5 Cent kommt?
Diese Gefahr ist gering. Seit Beginn des Krieges gegen den Iran geht der Ölpreis ohne Pause rasant nach oben. Und es ist nicht zu erwarten, dass schon Schluss ist, eher im Gegenteil.
Aber weshalb ist der Benzinpreis jetzt trotzdem am Freitag so massiv gestiegen?
Weil offenbar die Preise an den Rohstoffbörsen in den vergangenen zwei Tagen so sehr nach oben gegangen sind, dass die von der E-Control festgelegte Obergrenze entsprechend hoch war.
Und ohne Spritpreisbremse?
Hätte der Liter Diesel am Freitag ab mittags nicht maximal 2,32 Euro, sondern 2,42 Euro gekostet – plus 10 Cent pro Liter.
Aber weshalb deckelt die Regierung nicht generell die Spritpreise, anstatt es so kompliziert zu machen?
Vor diesem Schritt haben viele Angst, weil es sich um einen direkten Eingriff in die Marktwirtschaft handelt.
Na und?
Vereinfacht: Wenn ich einem Tankstellenbesitzer sage, er darf den Liter Diesel nicht teurer als 1,80 Euro verkaufen, er bekommt ihn aber von seinem Rohstofflieferanten aufgrund der Marktlage nur um 1,70 Euro, dann wird er darauf nicht eingehen können, weil ihm nicht genügend Geld für seine eigenen Ausgaben übrig bleibt – seine Marge ist zu gering. Die Folge: Es wird kein Treibstoff mehr importiert und irgendwann sitzen alle auf dem Trockenen.

Und wenn ich dem Großhändler sage, ich zahle nicht mehr als 1,50, damit die Rechnung für den Tankstellenbesitzer stimmt?
Dann wird er sein Benzin an jemand anderen verkaufen, der den geforderten Preis bezahlt. Angebot und Nachfrage.
Wie lange gilt die Spritpreisbremse?
Zunächst bis Ende April. Aber die Lage soll von der E-Control laufend evaluiert werden, um auf Entwicklungen reagieren zu können.
Es gibt Spekulationen, der Spritpreis könnte wegen der angespannten Weltlage auch auf 3 Euro pro Liter steigen – würde die Spritpreisbremse trotzdem nur 10 Cent pro Liter Ersparnis bringen?
Das hängt ganz davon ab, wofür sich die Regierung in solch einem Fall entscheidet. Sie könnte die Spritpreisbremse auslaufen lassen, weiterführen wie bisher oder die Ersparnis für die Autofahrer noch erhöhen.
Wie könnte die Ersparnis erhöht werden?
Etwa indem der Anteil aus der Mineralölsteuer an der Spritpreisbremse erhöht wird, auf 10, 15 oder 20 Cent pro Liter.
Aber hätte das keine Auswirkungen auf das Bundesbudget? Das sind ja Steuereinnahmen, die verloren gehen?
Natürlich. Was man trotzdem nicht vergessen darf: Der Steueranteil an den Spritpreisen ist enorm und setzt sich aus Mineralölsteuer, CO₂-Bepreisung und Mehrwertsteuer zusammen. Je teurer Sprit wird, desto höher sind die Steuereinnahmen. Natürlich könnte hier der Staat jederzeit an dieser Stellschraube drehen und den Preis minimieren. Aber er muss es sich leisten wollen.
Wann ist es derzeit eigentlich am günstigsten, Tanken zu fahren?
Immer Montag, Mittwoch und Freitag kurz vor Mittag, da sind die Spritpreise tendenziell am niedrigsten.

Gilt die Spritpreisbremse eigentlich für alle Tankstellen in Österreich gleichermaßen?
Nein, von der Regelung ausgenommen sind diverse Marktteilnehmer, was für einiges Unverständnis sorgt.
Warum sind Autobahntankstellen von der Spritpreisbremse ausgenommen?
Diese Frage müsste das Wirtschaftsministerium beantworten, es hat die gesamte Verordnung für die Spritpreisbremse ausgearbeitet. Dort hüllt man sich dazu allerdings in Schweigen.
Dabei sind die Treibstoffpreise an Autobahntankstellen ohnedies die höchsten überhaupt …
Das ist richtig. Und es gibt Spekulationen, dass man den großen Ketten dieses Geschäft schlicht nicht vermiesen wollte. Aber dafür gibt es keinerlei Belege.
Zahlt es sich eigentlich aus, zum Tanken von der Autobahn abzufahren?
Diese Frage müsste man natürlich von Fall zu Fall beantworten. Aber die Erfahrung zeigt, dass ein kleiner Abstecher in die nächste Ortschaft die Tankrechnung meistens schon sehr ordentlich entlastet.

Wie finde ich in Österreich die günstigste Tankstelle in meiner Nähe?
Dafür gibt es den Spritpreisrechner der E-Control. Dort sind die Minuten-aktuellen Preise fast aller etwa 3.000 Tankstellen in Österreich verzeichnet und es können die jeweils billigsten mittels Standortsuche herausgefiltert werden.
Und wie lange wird dieser Spritpreis-Höhenflug noch so weitergehen?
Das lässt sich aus heutiger Sicht unmöglich vorhersagen. Allerdings: Es sieht derzeit so aus, als wäre diese Krise gekommen, um zu bleiben. Selbst wenn morgen der Krieg am Persischen Golf zu Ende wäre, würde es Monate dauern, ehe sich die weltweite Ölversorgung wieder einigermaßen stabilisiert hätte. Ganz abgesehen davon, dass es an Förderanlagen und Raffinerien in der Region zu Schäden gekommen ist, deren Reparatur teilweise Jahre dauern wird. Also gar nicht so unwahrscheinlich, dass uns die Spritpreisbremse noch geraume Zeit begleiten könnte.