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DeepSeek, Pop Mart, Chagee

Wie Chinas geheimnisvolle Milliardäre jetzt die Welt erobern

Sie machen Jeff Bezos und Elon Musk Konkurrenz, aber keiner kennt sie. Chinas Milliardäre mischen die Weltwirtschaft auf, gleichzeitig weiß man nicht einmal, wie sie aussehen. Wer die neuen "Masters of the Universe" sind, warum sie ihr Heil in der Anonymität suchen.

Deepseek-Gründer Liang Wenfeng (r. mit Hornbrille, aktuell ca. 38 Mrd. Dollar) und Tencent-Gründer Pony Ma (2. v. r., ca. 46 Mrd. Dollar), zwei der reichsten und einflussreichsten Chinesen
Deepseek-Gründer Liang Wenfeng (r. mit Hornbrille, aktuell ca. 38 Mrd. Dollar) und Tencent-Gründer Pony Ma (2. v. r., ca. 46 Mrd. Dollar), zwei der reichsten und einflussreichsten ChinesenREUTERS/Florence Lo
The Economist
Akt. 24.07.2026 05:11 Uhr

Als DeepSeek Anfang vergangenen Jahres die westliche KI-Branche in Aufruhr versetzte, wusste außerhalb Chinas kaum jemand, wer hinter dem Unternehmen stand. Über seinen Gründer Liang Wenfeng war nahezu nichts bekannt – und daran hat sich bis heute erstaunlich wenig geändert. Während westliche Technologieunternehmer regelmäßig auf Konferenzen auftreten, Podcasts geben oder ihre Visionen auf sozialen Netzwerken verbreiten, bleibt Liang eine Ausnahmeerscheinung.

Dabei zählt er inzwischen zu den reichsten Menschen der Welt. Im Zuge einer neuen Finanzierungsrunde wird DeepSeek mit rund 71 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Vermögen seines Gründers wird auf etwa 38 Milliarden Dollar geschätzt – deutlich mehr als jenes von Dario Amodei, dem Mitgründer des KI-Unternehmens Anthropic, oder OpenAI-Chef Sam Altman.

Öffentliche Aufmerksamkeit scheint Liang jedoch bewusst zu meiden. Auf internationalen Technologiekonferenzen sucht man ihn vergeblich, im chinesischen Fernsehen ist er nie live aufgetreten, und selbst aktuelle Fotografien sind rar.

Diese Zurückhaltung ist keineswegs eine persönliche Marotte. Sie steht vielmehr exemplarisch für eine neue Generation chinesischer Unternehmer, die global expandiert, milliardenschwere Unternehmen aufbaut – und dennoch weitgehend unbekannt bleibt.

Nur in den Vereinigten Staaten entstehen derzeit mehr junge Selfmade-Milliardäre als in China. Nach Angaben des Vermögensforschers Hurun gibt es dort inzwischen mindestens 29 Unternehmer, die ihr Milliardenvermögen vor dem 41. Lebensjahr aufgebaut haben. Rechnet man Liang Wenfeng hinzu, der in diesem Jahr 41 wird, steigt ihre Zahl auf 30 – neun mehr als noch vor einem Jahr.

Die chinesische KI DeepSeek wird derzeit auf einen Wert von etwa 71 Milliarden Dollar (ca. 62 Mrd. Euro) geschätzt
Die chinesische KI DeepSeek wird derzeit auf einen Wert von etwa 71 Milliarden Dollar (ca. 62 Mrd. Euro) geschätzt
MLADEN ANTONOV / AFP / picturedesk.com

Eine neue Unternehmerelite

Die Unterschiede zur vorherigen Generation könnten dabei kaum größer sein. Die chinesischen Milliardäre der vergangenen Jahrzehnte verdankten ihren Aufstieg häufig dem Immobilienboom, der Schwerindustrie oder dem explosionsartigen Wachstum des Internets. Viele pflegten enge Beziehungen zu lokalen Behörden und bewegten sich selbstverständlich im politischen Establishment.

Die neue Unternehmergeneration wirkt dagegen beinahe unpolitisch. Statt auf Immobilienprojekte setzt sie auf Computerspiele, künstliche Intelligenz, Designer-Spielzeug oder moderne Konsumgüter. An die Stelle opulenter Bankette mit Funktionären treten Treffen, bei denen über japanische Anime, Videospiele oder neue Technologien diskutiert wird.

Gleichzeitig verbindet diese Gründer ein bemerkenswertes Talent: Sie entwickeln Ideen nicht unbedingt zuerst, verstehen es aber besser als viele Konkurrenten, sie innerhalb weniger Jahre in globale Unternehmen zu verwandeln. Was chinesische Firmen früher oft ein Jahrzehnt kostete, gelingt heute häufig innerhalb weniger Jahre.

Vier Generationen chinesischen Unternehmertums

Die Geschichte des privaten Reichtums in China ist erstaunlich kurz. Erst seit den Wirtschaftsreformen der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre konnten Unternehmer überhaupt größere Vermögen aufbauen.

Die erste Generation entstand in den 1980er Jahren. Damals gelang es einigen Managern, ehemals staatliche Betriebe in erfolgreiche Unternehmen zu verwandeln. Zu den bekanntesten zählt Zhang Ruimin. Aus einem maroden staatlichen Kühlschrankhersteller formte er Haier, heute einer der weltweit größten Produzenten von Haushaltsgeräten.

Mit der Öffnung des Immobilienmarktes in den 1990er-Jahren folgte die zweite Unternehmergeneration. Private Bauträger profitierten von der rasanten Urbanisierung des Landes und schufen Vermögen, wie sie China bis dahin nicht gekannt hatte. Einer ihrer prominentesten Vertreter war Xu Jiayin, Gründer des Immobilienkonzerns Evergrande, dessen spektakulärer Zusammenbruch später zum Sinnbild der Krise des gesamten Sektors wurde.

Chinas Selfmade-Milliardäre unter 40 – weltweit erfolgreich, aber gleichzeitig völlig unbekannt
Chinas Selfmade-Milliardäre unter 40 – weltweit erfolgreich, aber gleichzeitig völlig unbekannt
The Economist

Nach dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 begann die dritte Phase. Unternehmer wie Wang Chuanfu bauten exportorientierte Industriekonzerne auf. Aus dem Batteriehersteller BYD entwickelte sich innerhalb weniger Jahre einer der weltweit bedeutendsten Produzenten von Elektrofahrzeugen.

Den nächsten Schub brachte schließlich das Internet. In den 2010er-Jahren entstanden die ersten chinesischen Digitalkonzerne von globalem Rang. Jack Ma machte Alibaba zum führenden E-Commerce-Unternehmen des Landes, Pony Ma baute Tencent rund um den Kurznachrichtendienst WeChat auf. Wenig später folgten ByteDance mit TikTok sowie der Online-Modehändler Shein. Diese Unternehmer prägten das Bild des modernen chinesischen Kapitalismus über mehr als ein Jahrzehnt.

Die Milliardäre der Konsumgesellschaft

Die heute aufstrebende Unternehmergeneration schlägt jedoch einen anderen Weg ein. Mehr als zwei Drittel der jungen Milliardäre auf der Hurun-Liste verdanken ihren Reichtum nicht der Industrie oder dem Internet, sondern Konsumgütern, Unterhaltung und digitalen Medien. Gleich sieben gründeten erfolgreiche Videospielunternehmen, vier bauten Marken rund um Tee oder Kaffee auf. Klassische Schwerindustrie spielt dagegen kaum noch eine Rolle.

Nach Liang Wenfeng gilt Wang Ning als der vermögendste Vertreter dieser Generation. Sein Unternehmen Pop Mart wurde mit den eigenwillig gestalteten Labubu-Figuren weltweit bekannt und hat aus Sammelfiguren ein milliardenschweres Geschäft gemacht.

Bemerkenswert ist zugleich, dass künstliche Intelligenz bislang nur vergleichsweise wenige Milliardäre hervorgebracht hat. Lediglich drei Gründer auf der Hurun-Liste verdanken ihren Reichtum unmittelbar dieser Technologie. Einer von ihnen ist der 34-jährige Yang Zhilin, Gründer von Moonshot AI. Sein Unternehmen stellte Mitte Juli ein neues Sprachmodell vor, das nach Einschätzung vieler Branchenbeobachter erstmals ernsthaft mit den leistungsfähigsten amerikanischen Systemen konkurrieren könnte.

Ebenso aufschlussreich ist jedoch, wer auf der Liste fehlt. Kein einziger junger Immobilienunternehmer gehört heute noch zu Chinas reichsten Selfmade-Milliardären. Vor wenigen Jahren wäre das kaum vorstellbar gewesen. Der dramatische Einbruch des Immobilienmarktes hat nicht nur ganze Konzerne erschüttert, sondern auch den Weg zu Reichtum grundlegend verändert.

Nicht mehr Wohnungen und Bürohochhäuser sind heute die Eintrittskarte in Chinas Unternehmerelite. Wer Milliarden verdienen will, entwickelt KI-Modelle, Videospiele oder Kultmarken für eine junge, globale Konsumentengeneration.

Ernsthafte Konkurrenz für ChatGPT und Co: die chinesische KI Moonshot von Yang Zhilin (ca. 1,3 Mrd. Dollar "schwer")
Ernsthafte Konkurrenz für ChatGPT und Co: die chinesische KI Moonshot von Yang Zhilin (ca. 1,3 Mrd. Dollar "schwer")
REUTERS/Tingshu Wang/File Photo

Der Weltmarkt ist das eigentliche Spielfeld

Für chinesische Unternehmer war der Schritt ins Ausland lange Zeit ein später Meilenstein. Zunächst wurde der riesige Heimatmarkt erschlossen, anschließend – oft erst nach einem Jahrzehnt – begann die Expansion nach Europa, Nordamerika oder Südostasien. Die neue Unternehmergeneration hat diese Reihenfolge praktisch auf den Kopf gestellt.

Viele ihrer Unternehmen sind von Beginn an international ausgerichtet. Produkte werden für globale Zielgruppen entwickelt, Marken weltweit aufgebaut und Lieferketten grenzüberschreitend organisiert. Der chinesische Binnenmarkt ist nicht länger das alleinige Ziel, sondern lediglich einer von vielen Absatzmärkten.

Dieser Strategiewechsel hat mehrere Ursachen. Einerseits verfügen die jungen Gründer über weit mehr internationale Erfahrung als ihre Vorgänger. Sie bewegen sich selbstverständlich in globalen Technologie- und Finanznetzwerken, verfolgen Trends in Kalifornien ebenso aufmerksam wie Entwicklungen in Tokio oder Seoul und denken ihre Unternehmen von Anfang an in weltweiten Kategorien.

Andererseits zwingt sie die wirtschaftliche Lage in China geradezu zur Internationalisierung. Die Konsumnachfrage im Inland hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgeschwächt. Nach dem Ende des Immobilienbooms geben viele chinesische Haushalte ihr Geld vorsichtiger aus.

Die Unsicherheit über Einkommen, Vermögen und Beschäftigung hat die Konsumfreude gedämpft – ausgerechnet in jenem Land, das lange als Wachstumsmaschine der Welt galt. Für zahlreiche junge Unternehmen liegt das größte Wachstum deshalb inzwischen außerhalb Chinas.

Weltmarken in Rekordzeit

Wie schnell sich diese Entwicklung vollzieht, zeigt das Beispiel Chagee. Das Unternehmen wurde erst 2017 gegründet und verkauft moderne Varianten traditioneller Milchteegetränke. Bereits zwei Jahre später eröffnete Gründer Zhang Junjie die erste Filiale im Ausland – ein Tempo, das vor wenigen Jahren selbst für chinesische Technologieunternehmen außergewöhnlich gewesen wäre. Heute ist Chagee an der New Yorker Börse notiert und in neun Ländern vertreten.

Die Teehauskette Chagee notiert seit letztem Jahr an der New Yorker Börse, ihr Gründer Zhang Junjie wird auf ein Vermögen von 1,2 Milliarden Dollar geschätzt
Die Teehauskette Chagee notiert seit letztem Jahr an der New Yorker Börse, ihr Gründer Zhang Junjie wird auf ein Vermögen von 1,2 Milliarden Dollar geschätzt
REUTERS/Angelina Katsanis

Ähnlich konsequent verfolgt Pop Mart seine internationale Expansion. Was zunächst als Nischenanbieter für Designer-Spielzeug begann, entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einer globalen Lifestyle-Marke. Die Labubu-Figuren – einst vor allem unter Sammlern in China beliebt – sind heute in Einkaufsstraßen von London, Paris oder Singapur ebenso präsent wie in Shanghai oder Shenzhen. Das Unternehmen verkauft längst nicht mehr nur Spielzeug, sondern ein Lebensgefühl, das geschickt zwischen Popkultur, Kunst und Luxus positioniert wird.

Auch Dreame steht exemplarisch für den neuen Unternehmertyp. Das Unternehmen produziert Staubsaugerroboter, Haartrockner und andere Haushaltsgeräte – Produkte, die in einem hart umkämpften Markt eigentlich kaum Raum für neue Anbieter zu lassen scheinen. Dennoch erzielt Dreame inzwischen rund 80 Prozent seines Umsatzes außerhalb Chinas.

Der Kamerahersteller Insta360 folgt derselben Logik. Seine kompakten, wasserdichten Kameras richten sich von Beginn an eine weltweite Zielgruppe aus Sportlern, Reisenden und Content Creators. Internationale Nachfrage ist für das Unternehmen längst wichtiger geworden als der chinesische Heimatmarkt.

Selbst Pop Mart erwirtschaftete im vergangenen Jahr außerhalb Chinas bereits mehr als zwei Milliarden US-Dollar – rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes. Bei Chagee entwickelt sich das Auslandsgeschäft inzwischen deutlich dynamischer als der Absatz im Inland.

Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche Entwicklung kaum vorstellbar gewesen. Chinesische Unternehmen galten als starke Exporteure, ihre Marken jedoch blieben international oft blass. Heute entstehen Konsumgüterkonzerne, deren Produkte weltweit wiedererkannt werden – und deren Herkunft für viele Kunden kaum noch eine Rolle spielt.

Vom Nachahmer zum Markenanbieter

Damit verändert sich auch das internationale Bild chinesischer Unternehmen. Über Jahrzehnte war das Etikett "Made in China" vor allem mit kostengünstiger Fertigung verbunden. Chinesische Firmen produzierten im Auftrag westlicher Marken, während Design, Marketing und Produktentwicklung anderswo stattfanden.

Popkultur-Phänomen: Die Labubu-Puppen des Herstellers Pop Mart sind weltweit erfolgreich. Pop Mart-Chef Wang Ning wird auf 16 Milliarden Dollar geschätzt
Popkultur-Phänomen: Die Labubu-Puppen des Herstellers Pop Mart sind weltweit erfolgreich. Pop Mart-Chef Wang Ning wird auf 16 Milliarden Dollar geschätzt
REUTERS/Mike Segar

Die neue Unternehmergeneration verfolgt einen anderen Anspruch. Sie will nicht länger lediglich Zulieferer sein, sondern eigene Marken etablieren – Marken, die weltweit Begehrlichkeit erzeugen und höhere Margen ermöglichen.

Pop Mart verkauft keine Kunststofffiguren mehr, sondern Sammelobjekte mit Kultstatus. Dreame konkurriert nicht über den niedrigsten Preis, sondern über Design und technische Innovation. Chagee inszeniert traditionelle Teekultur als modernes Premiumprodukt.

Selbst viele junge KI-Unternehmen entwickeln ihre Produkte ausdrücklich für internationale Märkte und konkurrieren direkt mit US-Anbietern. Der Wandel ist tiefgreifend. China exportiert längst nicht mehr nur Waren, sondern zunehmend auch Markenidentitäten.

Weniger Kopie, mehr Innovation

Lange hielt sich im Westen das Bild, chinesische Unternehmen seien vor allem Meister des Nachahmens. Tatsächlich entstanden zahlreiche frühe Geschäftsmodelle nach westlichen Vorbildern. Die jüngere Gründergeneration geht jedoch anders vor.

Ihre Stärke besteht weniger darin, völlig neue Ideen zu erfinden, als vielmehr bestehende Konzepte außergewöhnlich schnell weiterzuentwickeln und in großem Maßstab umzusetzen. Produkte werden innerhalb weniger Monate verbessert, Produktionsketten nahezu in Echtzeit angepasst und internationale Märkte mit beeindruckender Geschwindigkeit erschlossen.

Diese Fähigkeit zur Skalierung entwickelt sich zunehmend zum eigentlichen Wettbewerbsvorteil chinesischer Unternehmen.

Während westliche Start-ups oft Jahre benötigen, um internationale Präsenz aufzubauen, denken viele chinesische Gründer bereits bei der Unternehmensgründung in globalen Dimensionen. Digitalisierung, leistungsfähige Lieferketten und ein dichtes Netzwerk spezialisierter Zulieferer ermöglichen eine Geschwindigkeit, die sich anderswo nur schwer reproduzieren lässt.

Gerade deshalb beobachten amerikanische und europäische Wettbewerber die Entwicklung mit wachsender Aufmerksamkeit. Die Herausforderung besteht längst nicht mehr darin, dass chinesische Unternehmen günstiger produzieren. Sie werden auch schneller, innovativer und international selbstbewusster.

"Oldschool-Milliardär" Jack Ma: Mit dem "996"-Modell erfolgreich, dann aber von der politischen Führung zum Rückzug gezwungen
"Oldschool-Milliardär" Jack Ma: Mit dem "996"-Modell erfolgreich, dann aber von der politischen Führung zum Rückzug gezwungen
REUTERS/Yuya Shino/File Picture

Erfolg mit Schattenseiten

Die starke Orientierung auf Auslandsmärkte birgt allerdings neue Risiken. Je internationaler ein Unternehmen wird, desto stärker gerät es zwischen die geopolitischen Fronten. Handelskonflikte, Investitionsbeschränkungen oder Sanktionen treffen exportorientierte Unternehmen besonders hart.

Hinzu kommen nationale Sicherheitsbedenken, die chinesischen Technologieunternehmen in westlichen Ländern zunehmend entgegengebracht werden. Für viele Gründer ist das eine paradoxe Situation.

Ausgerechnet ihr größter Erfolg – die internationale Expansion – macht sie zugleich verletzlicher als frühere Unternehmergenerationen, die ihr Geschäft fast ausschließlich innerhalb Chinas betrieben. Globalisierung ist für diese Unternehmer keine Option mehr, sondern Geschäftsgrundlage. Genau darin liegt heute jedoch auch ihre größte Unsicherheit.

Die Unternehmer, die mit Anime aufgewachsen sind

Nicht nur die Geschäftsmodelle der neuen chinesischen Unternehmer unterscheiden sich von denen ihrer Vorgänger. Auch ihre Vorstellung davon, wie Unternehmen geführt werden sollten, markiert einen tiefen Bruch mit der Vergangenheit.

Über viele Jahre galt in Chinas Technologiebranche ein nahezu ungeschriebenes Gesetz: Wer erfolgreich sein wollte, musste nahezu seine gesamte Zeit der Arbeit widmen. Symbol dieser Kultur wurde das berüchtigte "996"-Modell – Arbeitszeiten von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends an sechs Tagen pro Woche. Kaum ein anderes Konzept steht so sehr für den kompromisslosen Leistungsanspruch, der Chinas wirtschaftlichen Aufstieg über Jahrzehnte prägte.

Prominentester Fürsprecher war Alibaba-Gründer Jack Ma. 996 sei "ein großer Segen", erklärte er einst und löste damit eine heftige Debatte aus. Zahlreiche Technologieunternehmen übernahmen diese Haltung nahezu unverändert. Überstunden galten nicht als Ausnahme, sondern als Ausweis besonderer Loyalität.

Die Folgen waren mitunter dramatisch. Immer wieder sorgten Fälle junger Angestellter für Schlagzeilen, die infolge extremer Arbeitsbelastung zusammenbrachen oder sogar starben. Besonders der Onlinehändler Pinduoduo geriet nach mehreren Todesfällen von Mitarbeitern unter erheblichen öffentlichen Druck.

Agiert nach dem Grundsatz "glücklich arbeiten, nachhaltig wachsen": der Spieleentwickler miHoYo, hier der Stand auf der Gamescom in Köln
Agiert nach dem Grundsatz "glücklich arbeiten, nachhaltig wachsen": der Spieleentwickler miHoYo, hier der Stand auf der Gamescom in Köln
APA-Images / Eyevine / Zhang Fan Xinhua

Ein anderes Verständnis von Führung

Die jüngeren Gründer schlagen einen anderen Ton an. Sie stellen den wirtschaftlichen Erfolg keineswegs infrage. Wohl aber bezweifeln viele, dass permanente Überlastung tatsächlich zu besseren Ergebnissen führt.

Liang Wenfeng soll intern mehrfach erklärt haben, das menschliche Gehirn könne sich nur sechs bis acht Stunden am Tag auf höchstem Niveau konzentrieren. Wer darüber hinaus arbeite, erhöhe nicht zwangsläufig seine Produktivität, sondern vor allem die Wahrscheinlichkeit von Fehlern. Diese Sichtweise wäre noch vor wenigen Jahren in vielen chinesischen Technologieunternehmen als ungewöhnlich, wenn nicht gar als naiv abgetan worden.

Auch Liu Wei, Mitgründer des erfolgreichen Spieleentwicklers miHoYo, setzt auf einen anderen Führungsstil. Das Unternehmen propagiert intern den Grundsatz "Happy Work, Steady Growth" – glücklich arbeiten, nachhaltig wachsen. Psychische Gesundheit, kreative Freiräume und flexible Arbeitszeiten gelten dort ausdrücklich als Teil der Unternehmenskultur.

Ganz verschwunden sind die Schattenseiten allerdings nicht. Auch bei miHoYo starb kürzlich ein Mitarbeiter an den Folgen massiver Überarbeitung. Der Fall verdeutlicht, wie schwer sich eine über Jahrzehnte gewachsene Leistungskultur verändern lässt – selbst dann, wenn die Unternehmensführung einen anderen Weg einschlagen möchte.

Eine Generation ohne Mangel

Der Wandel hat auch biografische Ursachen. Die Unternehmer, die Chinas wirtschaftlichen Aufstieg seit den 1980er-Jahren prägten, erzählen häufig ähnliche Geschichten: von Armut, politischen Umbrüchen und dem Kampf ums wirtschaftliche Überleben. Viele wuchsen während oder unmittelbar nach der Kulturrevolution auf. Unternehmerischer Erfolg war für sie nicht selten gleichbedeutend mit sozialem Aufstieg und persönlicher Absicherung.

Die heute 30- und 40-Jährigen kennen China dagegen als ein Land des wachsenden Wohlstands. Sie profitierten von besseren Bildungschancen, internationaler Vernetzung und einer wirtschaftlichen Dynamik, die ihren Eltern noch fremd gewesen war.

Unter den jungen Milliardären stammen nach Angaben von Hurun lediglich Liang Wenfeng und Chagee-Gründer Zhang Junjie aus wirklich armen Verhältnissen. Die meisten anderen wuchsen in vergleichsweise stabilen und materiell abgesicherten Familien auf.

Manche Investoren sehen darin einen Nachteil. Wer nie existenzielle Entbehrungen erlebt habe, so das Argument, entwickle womöglich nicht denselben kompromisslosen Ehrgeiz wie frühere Unternehmergenerationen. Ob diese Einschätzung zutrifft, bleibt offen. Sie verweist jedoch auf einen grundlegenden Generationskonflikt innerhalb der chinesischen Wirtschaft.

Gibt Chinas Milliardären den politischen Takt vor: Präsident Xi Jinping, hier bei den Feiern zum 105. Geburtstag der Kommunistischen Partei Chinas am 1. Juli 2026 in Peking
Gibt Chinas Milliardären den politischen Takt vor: Präsident Xi Jinping, hier bei den Feiern zum 105. Geburtstag der Kommunistischen Partei Chinas am 1. Juli 2026 in Peking
REUTERS/Maxim Shemetov

Popkultur statt Parteikultur

Mindestens ebenso auffällig wie ihre Herkunft sind die kulturellen Einflüsse dieser Unternehmer. Während ihre Vorgänger häufig Ingenieure, Fabrikmanager oder Staatsbetriebsleiter waren, wuchs die heutige Gründergeneration mit Computerspielen, japanischen Comics und dem Internet auf. Diese Welt hat nicht nur ihre Freizeit geprägt, sondern vielfach auch ihre Unternehmen.

Die drei Gründer des Spieleentwicklers miHoYo lernten sich über ihre gemeinsame Begeisterung für japanische Anime und Mangas kennen. Aus einem studentischen Hobby entstand eines der erfolgreichsten Spieleunternehmen der Welt. Titel wie Genshin Impact machten das Studio zu einem internationalen Schwergewicht der Branche.

Auch beim KI-Unternehmen MiniMax spielen persönliche Leidenschaften eine ungewöhnlich große Rolle. Firmengründer Yan Junjie gilt als begeisterter Spieler des Online-Spiels Dota 2. Seine Mitarbeiter nennen ihn deshalb scherzhaft "IO" – nach einer der Spielfiguren.

Solche Anekdoten wären bei den Unternehmern der ersten Reformgeneration kaum denkbar gewesen. Dort dominierten Geschichten über Fabriken, Produktionszahlen und staatliche Entwicklungspläne. Die neuen Milliardäre sprechen dagegen selbstverständlich über Spiele, Comics, Science-Fiction oder künstliche Intelligenz. Das wirkt bisweilen erstaunlich unpolitisch.

Kreativität als Wettbewerbsfaktor

Gerade darin sehen viele Beobachter jedoch einen wichtigen Grund für ihren Erfolg. Videospiele, Designprodukte oder KI-Anwendungen entstehen selten in streng hierarchischen Organisationen. Sie verlangen Kreativität, Experimentierfreude und die Bereitschaft, bestehende Denkweisen infrage zu stellen. Eine Unternehmenskultur, die jede Minute kontrolliert und ausschließlich auf Disziplin setzt, stößt dabei schnell an ihre Grenzen.

Die neue Unternehmergeneration versucht deshalb, technische Exzellenz mit kreativen Freiräumen zu verbinden. Flexible Arbeitsmodelle, flachere Hierarchien und interdisziplinäre Teams gelten zunehmend als Wettbewerbsvorteile – nicht als Zeichen mangelnder Leistungsbereitschaft.

Damit orientieren sich viele chinesische Unternehmen stärker an den Arbeitsweisen internationaler Technologiezentren wie dem Silicon Valley. Gleichzeitig entstehen eigenständige Modelle, die westliche Managementkonzepte mit chinesischer Effizienz verbinden.

Apple Campus 2 in Cupertino: Chinas Unternehmen kopieren zunehmend die Arbeitsweisen des Silicon Valley
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REUTERS

Zwischen Bewunderung und Skepsis

Nicht alle teilen diesen Optimismus. Ein Private-Equity-Investor, den der Economist zitiert, äußert sich nach einem Besuch bei einer aufstrebenden Konsumgütermarke ausgesprochen skeptisch. Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas, so seine Überzeugung, sei vor allem dem außergewöhnlichen Arbeitseinsatz seiner Beschäftigten zu verdanken gewesen. Die neue Gelassenheit vieler Gründer betrachte er daher mit Sorge. Diese Kritik verweist auf eine offene Frage, die weit über einzelne Unternehmen hinausreicht.

Kann China seinen technologischen Vorsprung behaupten, wenn sich die Arbeitskultur grundlegend verändert? Oder liegt gerade in diesem kulturellen Wandel die Voraussetzung dafür, künftig nicht mehr nur effizienter Produzent, sondern auch führender Innovator zu sein?

Die Antwort ist noch offen. Fest steht jedoch: Die Unternehmer, die heute Chinas Zukunft gestalten, unterscheiden sich in Lebensstil, Selbstverständnis und Führungsphilosophie grundlegend von den Männern, die den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes vor einer Generation eingeleitet haben. Sie sind internationaler, kreativer und zurückhaltender zugleich – und vielleicht gerade deshalb schwerer zu verstehen als alle Unternehmergenerationen vor ihnen.

Reich – aber verwundbar

Der Aufstieg der neuen chinesischen Unternehmergeneration fällt in eine Zeit, in der sich das Verhältnis zwischen Staat und Privatwirtschaft grundlegend verändert. Wer heute in China ein Milliardenunternehmen aufbaut, bewegt sich in einem Umfeld, das zugleich enorme Chancen bietet – und erhebliche politische Risiken birgt.

Noch vor wenigen Jahren verstanden sich viele der großen Unternehmer als Partner des Staates. Der spektakuläre Aufstieg des Landes schien auf einer stillschweigenden Arbeitsteilung zu beruhen: Die Kommunistische Partei setzte die politischen Leitplanken, private Unternehmer sorgten für Innovation, Investitionen und Wachstum.

Besonders deutlich zeigte sich dieses Zusammenspiel im Immobiliensektor. Der Bauboom, der zeitweise fast ein Viertel der chinesischen Wirtschaftsleistung ausmachte, war nur möglich, weil private Projektentwickler und lokale Regierungen eng zusammenarbeiteten. Beide Seiten profitierten: Die Unternehmen erzielten enorme Gewinne, die Kommunen finanzierten einen großen Teil ihrer Haushalte über den Verkauf von Bauland.

Auch der Aufstieg der Internetwirtschaft verlief lange Zeit mit stillschweigender Billigung der politischen Führung. Unternehmer wie Jack Ma galten als Aushängeschilder eines modernen, innovativen China. Sie verkörperten den Ehrgeiz eines Landes, das technologisch zu den Vereinigten Staaten aufschließen wollte. Diese Phase ist vorbei.

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Reuters

Das Ende der Narrenfreiheit

Spätestens seit Beginn der 2020er Jahre hat Peking den Kurs gegenüber den großen Privatunternehmen deutlich verschärft. Der Immobilienmarkt wurde systematisch entschuldet. Zahlreiche Projektentwickler gerieten dadurch in existenzielle Schwierigkeiten, einige verschwanden ganz vom Markt. Die Krise von Evergrande wurde zum sichtbarsten Symbol dieser Entwicklung.

Auch die Internetkonzerne verloren ihre frühere Sonderstellung. Den Wendepunkt markierte Jack Mas viel beachtete Rede im Herbst 2020, in der er Chinas Finanzaufsicht ungewöhnlich scharf kritisierte. Wenige Tage später stoppten die Behörden den geplanten Börsengang der Ant Group – damals der größte der Wirtschaftsgeschichte.

Es folgten kartellrechtliche Untersuchungen, neue Regulierungen und milliardenschwere Strafen. Für viele Unternehmer war dies ein Signal mit weitreichender Bedeutung: Wirtschaftlicher Erfolg bietet keinen Schutz vor politischen Eingriffen.

Präsident Xi Jinping verfolgt mit dem Leitmotiv des "gemeinsamen Wohlstands" (Common Prosperity) das Ziel, soziale Ungleichheit zu begrenzen und wirtschaftliche Macht stärker unter staatliche Kontrolle zu bringen. Private Unternehmen bleiben zwar ausdrücklich erwünscht, sollen sich jedoch klar in die politischen Prioritäten der Führung einfügen.

Vermögen sind vergänglich

Wie rasch sich wirtschaftlicher Erfolg in China relativieren kann, zeigt ein Blick auf die Vermögensentwicklung der vergangenen Jahre. 2021 galt Zhong Shanshan, Gründer des Mineralwasserherstellers Nongfu Spring, zeitweise als reichster Mann Asiens. Sein Vermögen wurde auf nahezu 100 Milliarden US-Dollar geschätzt. Heute liegt es nur noch bei rund 39 Milliarden Dollar. Ursache ist vor allem der deutliche Kursrückgang der Unternehmensaktie.

Noch drastischer verlief die Entwicklung bei Jack Ma. Sein Vermögen beträgt inzwischen nur noch einen Bruchteil dessen, was es vor wenigen Jahren war. Ähnliche Einbußen mussten zahlreiche Internetunternehmer hinnehmen.

Verglichen mit den Immobilienmagnaten erscheinen diese Verluste allerdings fast moderat. Mehrere prominente Entwickler wurden festgenommen oder stehen unter strafrechtlichen Ermittlungen. Andere verloren innerhalb weniger Monate den Großteil ihres Vermögens. Die Botschaft ist eindeutig: In China entstehen Vermögen schnell – und sie können ebenso schnell wieder schrumpfen.

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Reuters

Zwischen zwei Supermächten

Für die junge Unternehmergeneration kommt eine weitere Unsicherheit hinzu. Ihre Unternehmen sind stärker internationalisiert als alle Generationen zuvor. Genau dadurch geraten sie jedoch zunehmend zwischen die Fronten der geopolitischen Rivalität zwischen China und den Vereinigten Staaten.

Exportkontrollen, Investitionsbeschränkungen, Technologieboykotte oder nationale Sicherheitsbedenken können den Wert eines Unternehmens innerhalb kurzer Zeit verändern. Besonders deutlich zeigt dies der Fall des KI-Unternehmens Manus.

Sein Gründer Xiao Hong wäre Anfang dieses Jahres vermutlich zum Milliardär geworden. Nach Medienberichten stand Meta kurz davor, das Unternehmen zu übernehmen. Doch die chinesischen Behörden verhinderten den Verkauf.

Aus Sicht Pekings war dies konsequent. Unternehmen, die über strategisch relevante KI-Technologien verfügen, sollen nicht ohne Weiteres in ausländischen Besitz übergehen. Für Unternehmer wie Xiao Hong bedeutet dies jedoch eine neue Realität: Selbst wenn Investoren bereitstehen und internationale Käufer hohe Preise zahlen würden, entscheidet letztlich nicht allein der Markt über ihre Zukunft.

Erfolg unter Vorbehalt

Steven Hai von der Xi'an Jiaotong-Liverpool University beobachtet deshalb bei vielen jungen Unternehmern eine wachsende Ernüchterung. Anders als ihre Vorgänger möchten sie durchaus an der wirtschaftspolitischen Entwicklung des Landes mitwirken. Tatsächlich bleibe ihr Einfluss jedoch begrenzt. Strategische Entscheidungen würden heute stärker als früher von der politischen Führung getroffen.

Hinzu kommt die Unsicherheit internationaler Märkte. Viele Gründer wissen, dass eine politische Entscheidung in Peking ebenso wie in Washington ihr Geschäftsmodell grundlegend verändern kann.  Unternehmerischer Erfolg erscheint dadurch weniger planbar als noch vor wenigen Jahren.

DeepSeek-Gründer Liang Wenfeng und Staatspräsident Xi Jinping im chinesischen TV: die Köpfe der Unternehmen bleiben im Hintergrund
DeepSeek-Gründer Liang Wenfeng und Staatspräsident Xi Jinping im chinesischen TV: die Köpfe der Unternehmen bleiben im Hintergrund
REUTERS/Florence Lo

Die Kunst, unsichtbar zu bleiben

Vielleicht erklärt genau das die auffällige Zurückhaltung dieser Generation. Rupert Hoogewerf, Gründer des Vermögensforschers Hurun, vermutet, dass viele junge Milliardäre bewusst auf öffentliche Aufmerksamkeit verzichten. Wer möglichst wenig Angriffsfläche biete, erhöhe möglicherweise seine Chancen, langfristig erfolgreich zu bleiben. Diese Strategie unterscheidet sie deutlich von früheren Unternehmergenerationen.

Jack Ma war jahrelang einer der bekanntesten Manager Asiens. Seine Vorträge wurden millionenfach angesehen, seine Auftritte glichen bisweilen denen eines Popstars. Auch andere Unternehmer suchten gezielt die Öffentlichkeit und präsentierten sich als Symbolfiguren des chinesischen Wirtschaftswunders. Die heute aufstrebenden Gründer gehen den umgekehrten Weg.

Die meisten haben nie mit internationalen Medien gesprochen. Viele geben nicht einmal chinesischen Journalisten Interviews. Selbst in Fachkreisen sind manche von ihnen kaum bekannt. Ihre Unternehmen stehen im Rampenlicht – ihre Gründer hingegen bleiben im Hintergrund. Liang Wenfeng ist dafür das eindrucksvollste Beispiel.

Das Paradox der neuen Unternehmergeneration

Darin liegt die eigentliche Pointe dieser Entwicklung. Noch nie waren chinesische Unternehmer so international präsent. Ihre Produkte werden weltweit verkauft, ihre Unternehmen konkurrieren auf Augenhöhe mit den führenden Technologie- und Konsumgüterkonzernen der Welt. Sie denken global, investieren global und wachsen global. Und doch bleiben sie erstaunlich unsichtbar.

Während Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Sam Altman längst zu globalen öffentlichen Figuren geworden sind, kennt außerhalb Chinas kaum jemand die Gesichter der Männer und Frauen, die den nächsten Abschnitt der chinesischen Wirtschaftsgeschichte schreiben.

Das mag Ausdruck persönlicher Bescheidenheit sein. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass dahinter nüchterne Risikoabwägung steht. Wer in China heute außergewöhnlich erfolgreich ist, weiß, dass Aufmerksamkeit ebenso wertvoll wie gefährlich sein kann.

Weltbekannt: SpaceX-Chef und Multimilliardär Elon Musk. Seine chinesischen Pendants kennt hingegen kaum jemand
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ALLISON ROBBERT / AFP / picturedesk.com

Gerade deshalb verkörpert Liang Wenfeng mehr als nur den Gründer eines erfolgreichen KI-Unternehmens. Er steht für eine neue Generation chinesischer Unternehmer: hochinnovativ, international orientiert, technologisch ambitioniert – und zugleich überzeugt, dass Diskretion mitunter die klügere Strategie ist.

So entsteht das vielleicht größte Paradox des chinesischen Wirtschaftswunders im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts: Ausgerechnet die globalste Unternehmergeneration, die das Land je hervorgebracht hat, ist zugleich seine unbekannteste.

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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"

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