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MAcht und Ohnmacht

Trump-Boykott: So läuft das wirklich mit der Presse im Weißen Haus

Der US-Präsident wirft drei Medien aus seinem Regierungssitz, daraufhin boykottieren alle wichtigen TV-Sender die Berichterstattung: der Alltag für Journalisten in Washington. Aber auch schon vor Trump ging es im Weißen Haus bewegt zu, erinnert sich Eugen Freund.

Was hat er gesagt? Die Eröffnung des neuen Helipad im Weißen Haus durch Donald Trump ging ohne – auch technische – Begleitung der großen TV-Networks über die Bühne – weswegen kaum ein Wort des Präsenten zu verstehen war
Was hat er gesagt? Die Eröffnung des neuen Helipad im Weißen Haus durch Donald Trump ging ohne – auch technische – Begleitung der großen TV-Networks über die Bühne – weswegen kaum ein Wort des Präsenten zu verstehen warAPA-Images / AP / Mark Schiefelbein
Eugen Freund
Akt. 23.09.2026 01:41 Uhr

Eines muss man Donald Trump zugestehen: so medienfreundlich wie er war vor ihm noch kein Präsident. Wobei: Medien-"freundlich" ist natürlich der falsche Ausdruck. "Zugänglich" passt besser. Wo immer er auftaucht, die Pressevertreter können ihm eine Frage zuwerfen und er beantwortet sie. Oder er sagt etwas. Irgendetwas. Hauptsache, er kommt medial vor.

Manchmal – immer öfter – beschimpft er auch die Reporter, entweder pauschal ("You're FAKE NEWS!") oder ganz persönlich ("You're a HORRIBLE REPORTER!"). Also: So medien-UN-freundlich war vor ihm noch kein Präsident.

Okay, Richard Nixon hatte in den frühen 1970er-Jahren eine schwarze Liste angelegt, wo unliebsame Journalisten vermerkt waren. Die meisten anderen Präsidenten waren einfach unzugänglich. So wenig Pressekonferenzen wie Joe Biden hielt vor ihm in der jüngeren Vergangenheit noch kein Bewohner des Weißen Hauses.

Solidaritätsnote von Kollegen für die von Trump aus dem Pressekorps des Weißen Hauses ausgeschlossenen Trump-kritischen Medien
Solidaritätsnote von Kollegen für die von Trump aus dem Pressekorps des Weißen Hauses ausgeschlossenen Trump-kritischen Medien
REUTERS/Kevin Lamarque

Dort ist jetzt nichts mehr so wie damals. Nun wird also boykottiert. Die großen TV-Netze, ABC, NBC, CBS, CNN und Fox beschlossen gemeinsam, Auftritte des Präsidenten nicht mehr aufzunehmen, komme was wolle. Das gab es noch nie in der Geschichte des amerikanischen Fernsehens.

Der Anlass war freilich auch einzigartig: Donald Trump verwies zwei Fernsehanstalten und das Online-Magazin "Politico" aus dem Weißen Haus. Wegen angeblicher "Fake News". Darum die Solidarität der Anstalten, die 365 Tage im Jahr in einem großen Konkurrenzkampf miteinander stehen und jetzt aus dem Weißen Haus einen schwarzen Bildschirm ausstrahlen.

Das wird der mediengeile Präsident nicht lange aushalten. Wie auch immer das Gericht bei der Anhörung am 23. September entscheidet, ganz rasch werden die Korrespondenten der US-Sender wieder im Weißen Haus sitzen und arbeiten. Wie damals, als ich auch aus der Machtzentrale der Vereinigten Staaten berichtete.

Für mich bedeutet "damals" meine Zeit als ORF-Korrespondent in den USA von 1995 bis 2001. Als ich das erste Mal in das "Allerheiligste" treten durfte – also hinter die Gitterstäbe, die das White House umzäunen – fielen mir als Erstes vier Kamerapositionen im Vorgarten auf. Je eine für die drei etablierten Fernsehnetze (ABC, CBS und NBC) und eine weitere für CNN. Da standen Stative, Scheinwerfer und Mikrofonständer, damit die jeweiligen Reporter im Falle des Falles sofort auf Sendung gehen konnten.

Solange ich nicht akkreditiert war, musste mich das ORF-Büro in Washington jedes Mal bei der Pressestelle des Weißen Hauses anmelden. Dann wurde ich beim Tor abgeholt und in den Presseraum gebracht, der übrigens noch bis zur Präsidentschaft von John F. Kennedy ein Swimming Pool enthielt. Danach brachten die engen Stuhlreihen sowohl die Journalisten als auch – je nach Thematik – den "Chef", also den Präsidenten zum Schwitzen.

Herabwürdigungen und Beleidigungen einzelner Journalisten sind an der Tagesordnung, seit Donald Trump im Oval Office sitzt
Herabwürdigungen und Beleidigungen einzelner Journalisten sind an der Tagesordnung, seit Donald Trump im Oval Office sitzt
REUTERS/Evan Vucci

Viel schlimmer erging es den Berichterstattern, die im Weißen Haus quasi kaserniert waren. Noch dazu im Keller: Die "Räume" waren nicht viel größer als drei Meter lang und eineinhalb Meter breit, Fenster gab es nur am Gang, ganz oben. Mark Knoller, der für CBS sowohl fürs Radio als auch gelegentlich fürs Fernsehen berichtete, überlebte das drei Jahrzehnte, zwei davon gemeinsam mit seinem Kollegen Bill Plante, Schulter an Schulter. Mark Knoller war der mediale Statistiker des Weißen Hauses. Er notierte sich jeden Presseauftritt, (mit oder ohne Teleprompter), jeden Flug, jede Länge der Mittagspause des Präsidenten. Nur über den Hund – in dem Fall von Barack Obama – notierte er keine Statistik.

Als ich endlich meinen eigenen Presseausweis bekam (dafür musste auch ein behördliches Führungszeugnis vorgelegt werden), konnte ich im Weißen Haus quasi ein und aus gehen. Doch die Magnetkarte war mit einem Code versehen, den man beim Gate eintippen musste. Im Unterschied zum Tastenfeld etwa bei einem Bankomat waren die Zahlen digital und immer an einer anderen Stelle. Sollte einem also jemand über die Schulter blicken, um beim Eintippen zuzusehen, nützte es nichts, wenn er sich merkte, dass man oben rechts begonnen, dann in der zweiten Reihe in der Mitte fortfuhr, in der dritten ganz links tippte und in der vierten Reihe die erste Zahl von rechts berührte. Das nächste Mal lagen die Zahlen völlig vertauscht.

Im Pressesaal gab es zu jener Zeit eine alte Tradition. In der ersten Reihe, ganz in der Mitte, saß Helen Thomas. Sie schrieb die längste Zeit für die Nachrichtenagentur UPI und machte das 57 Jahre lang. Lange Zeit wurde sie vom Präsidenten immer als erste Fragenstellerin aufgerufen.

Ganz vorn saßen auch die White-House-Korrespondenten der großen TV-Netzwerke, der überregionalen Zeitungen, anderer TV-Stationen, mittelgroßer Tageszeitungen und so weiter. Für uns ausländische Reporter war immer nur auf der Seite Platz, meistens ein Stehplatz. Dass man dabei angesprochen wurde, war eine Seltenheit.

Einmal gelang es meinem Kollegen Raimund Löw Präsident Bush zum Irak-Krieg zu befragen. Der war, um es milde auszudrücken, darüber "not amused".

Berichtete selbst sechs Jahre lang für den ORF aus den USA: NewsFlix-Autor Eugen Freund im Garten des Weißen Hauses
Berichtete selbst sechs Jahre lang für den ORF aus den USA: NewsFlix-Autor Eugen Freund im Garten des Weißen Hauses
Eugen Freund

Doch niemals, NIEMALS hätte es ein Präsident gewagt, einen Korrespondenten, egal ob aus dem In- oder Ausland, so niederzumachen, wie es Donald Trump inzwischen fast täglich tut. Ich beneide die Kolleginnen und Kollegen, die sich das gefallen lassen müssen, nicht. Die Verschnaufpause, wenn auch nicht freiwillig, wird ihnen guttun.

Eugen Freund war - mit Unterbrechungen - von 1974 bis 2013 Journalist im ORF. Von 2014 bis 2019 war er Abgeordneter im Europäischen Parlament. Sein jüngstes Buch "Das Spiel mit dem Dritten Weltkrieg – wie Europa und die USA auseinanderdriften" erschien im Oktober 2025 (Wieser Verlag, Klagenfurt).

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