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Buch, Film von Leonie Swann

"Take a chance on mäh“: Wie 18 Schafe einen Kriminalfall klären

Ihr erster Schafskrimi "Glennkill" verkaufte sich millionenfach und wurde vor Kurzem mit Hugh Jackman und Emma Thompson verfilmt (Kinostart 14. Mai). Nun legte Leonie Swann ihr neues Buch vor. Es geht wieder um Schafe, Verdächtige, nicht alle haben ein "Alibäh".

Ob Schlafe intelligent sind, ist umstritten, sie gelten jedenfalls als unterhaltsam
Ob Schlafe intelligent sind, ist umstritten, sie gelten jedenfalls als unterhaltsamiStock
Angela Szivatz
Akt. 01.05.2026 22:32 Uhr

Hurra, Miss Maple ist endlich zurück!

Nein, es handelt sich um keinen Tippfehler. Gemeint ist hier nämlich nicht die legendäre Figur aus Agatha Christies Universum. Miss Maple löst als klügstes Schaf der Herde (und vielleicht der Welt) in "Widdersehen" dennoch einen Kriminalfall, zum dritten Mal, wieder erdacht von der Autorin Leonie Swann.

Wer ist die Herdenführerin?
Leonie Swann ist das Pseudonym einer Krimiautorin aus Bayern. Wie sie wirklich heißt, ist öffentlich nicht bekannt. Sie wurde 1975 in Dachau geboren, studierte Philosophie, Psychologie und englische Literaturwissenschaft. Heute lebt Swann in der Nähe von Cambridge in England.

Womit wurde sie bekannt?
Mit ihrem ersten Schafskrimi "Glennkill" (2005) und das schlagartig. Das Buch wurde in 25 Sprachen übersetzt und allein in Deutschland millionenfach verkauft. Am 14. Mai 2026 startet der Film von Regisseur Kyle Balda mit internationaler Starbesetzung – Hugh Jackman, Oscar-Preisträgerin Emma Thompson und anderen – in den österreichischen Kinos.

Warum war Glennkill so beliebt?
Weil es Swann gelungen ist, den "handelnden" Schafen großartige Charaktere zu geben, die sich an den Kuriositäten der Menschen und ganz besonders an denen ihres Schäfers George abarbeiten. Durch die Distanz der Gattungen, die ständig von den Schafen kommentiert wird, entsteht ein lustiger und satirisch kritischer Blick auf die Spezies Mensch.

Autorin Leonie Swann bei der Premiere von "Glennkill: Ein Schafskrimi" (im Original "The Sheep Detectives") in New York
Autorin Leonie Swann bei der Premiere von "Glennkill: Ein Schafskrimi" (im Original "The Sheep Detectives") in New York
APA-Images / AFP / CHARLY TRIBALLEAU

Gibt es weitere Bücher von Swann?
Ja einige, besonders herauszugreifen ist "Garou" (2010), eine Fortsetzung von "Glennkill". Nach dem Tod von George, der den Schafen auf ihrer Hausweide vorgelesen und sich sehr um sie gekümmert hat, übernimmt dessen Tochter Rebecca die Schäferinnen-Rolle und zieht mit den Tieren nach Frankreich.

Hat sie es mit den Tieren?
Scheint so. Im Krimi "Gray" (2017) trägt ein Graupapagei zur Aufklärung bei. 2024 erschien "Mord in Sunset Hall", einer Senioren-WG mit umtriebigen Bewohnern. Nix mit englischer Idylle im Garten!

Worum geht es in "Widdersehen"?
Die Schäferin Rebecca bricht plötzlich eine Frankreichreise ab und bringt die Herde rund um Miss Maple zurück auf deren Heimatweide. Auch der jüngste Zuwachs ist gespannt – Madouc, offiziell Ziege, inoffiziell "Schaf auf Probe", hofft auf viele neue Einblicke in die geheimnisvolle Welt der Schafe. Der Rest der Belegschaft ist verwirrt, freut sich aber auch auf daheim.

Erfüllt sich die Vorfreude?
Keineswegs. Denn erstens ist die geliebte Weide gar nicht mehr so schön, wie man sie in Erinnerung hatte. Zweitens ist sie eingezäunt und es stehen drei fremde Schafe dort. Dann ist auch noch Rebecca plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Nur ein einzelner Finger liegt im Schäferwagen, dazu ein geheimnisvoller Brief, den leider niemand vorlesen kann.

Was tun die Schafe?
Die Herde, allen voran Leitwidder Othello und Miss Maple, beschließt, dass sie ihre verschollene Hirtin retten muss. Dafür sind die Schafe auch bereit, über alle Berge (zwei) zu gehen und auch im Dorf Glennkill nach Rebecca zu suchen. Dort ist ebenfalls alles verändert. Beth, früher bigotte Kirchenfanatikerin, führt jetzt einen Souvenirladen mit Plüsch-Schäfchen.

"Widdersehen – ein Schafskrimi", von Leonie Swann, 336 Seiten
"Widdersehen – ein Schafskrimi", von Leonie Swann, 336 Seiten
DuMont Buchverlag

Welche Schafe sind die wichtigsten in der Story?
Jedes der 18 spielt seine Rolle, aber manche sind "Main-Character", wie der Brite sagt. Neben der klugen, ermittelnden Miss Maple auch noch Mopple the Whale, der sich im Lauf der Story zum Heldenschaf entwickelt, Zoras Lamm, das sehr klug ist, Maude, die den besten Geruchssinn hat, und Sir Ritchfield, der frühere Leitwidder, nun schwerhörig, ein wenig senil, aber stets zu einem Duell bereit.

Wie geht die Geschichte weiter?
Ein Mann taucht auf, den die Schafe als Interimsschäfer anerkennen und Theseus nennen. Kurz hatten sie erwogen, zukünftig solo durchs Leben zu trotten, denn: "Ein Schäfer ohne Schafe war kein Schäfer mehr, sondern einfach nur ein Mensch – aber Schafe ohne Schäfer waren immer noch Schafe." Doch Theseus rettet das kluge Lamm und führt die Herde gut, also bleiben sie bei ihm.

Wer ist der "Schäfer"?
Tatsächlich handelt es sich um James Flock, Rebeccas Halbbruder und Spross einer berühmt-berüchtigten Drogendynastie. Erst vor kurzem hatte er sich aus einer psychiatrischen Klinik verabschiedet. Eigentlich fühlte er sich gut, doch jetzt, so ohne Medikamente ... Andererseits – er ist ein Flock, die geben nicht so schnell klein bei. Sogar die Polizei hat Angst vor dem Flock-Kartell.

Und wer verfolgt Flock?
Die Anhänger eines rivalisierenden Drogenclans, drei davon sind auf der Suche nach ihm. Als sie ihn verletzen, entkommt er und versteckt sich unter den Schafen. Ihm gehört übrigens der abgeschnittene Finger im Schäferwagen, der Rebecca verlockt hat, ihren Bruder zu suchen. Nun übernimmt James die Herde und macht sich wiederum auf die Suche nach seiner Schwester.

Was erleben die Schafe dabei?
Sie zertrampeln das Auto der drei Verbrecher. Auf dem Weg ins Dorf finden sie eine Leiche – ohne Finger. Als sie ins "Paradies" geraten, die Gemüseabteilung eines Supermarktes, werden sie gewaltsam vertrieben. Dann nehmen sie in Glennkill Rebeccas Witterung auf und landen bei Beths Laden mit dem Plüsch-Schäfchen.

Wer kommt auf die richtige Spur?
Selbstverständlich Miss Maple. Sie kombiniert richtig, dass auch Beth etwas mit Rebeccas Verschwinden zu tun haben muss. Die Herde trennt sich, eine Gruppe macht sich auf die Suche nach Rebecca, die andere auf die Suche nach Theseus. Inzwischen hat der Schäfer die wahre Bewandtnis der Plüsch-Tiere entdeckt: Sie sind mit Kokain gefüllt! Den Rest der spannenden Geschichte sollte man sich selbst erlesen …

Womit punktet das Buch besonders?
Sprichwörtliche Weisheiten werden von den Schafen herrlich konterkariert oder bestätigt. Leonie Swann verwandelt höchst amüsant menschliche Ausdrücke in "schafische" Sprache. So geben die Schafe Theseus ein "Alibäh", als ein weiterer Toter auftaucht, hören sie "Gimme, gimme, gimme a mäh after midnight", und "Take a chance on mäh" im Radio und vieles mehr.

Sind Schafe klug?
Im Buch schon. Gleich zu Beginn wird die Frage gestellt: Wie geht man mit Fremdschafen auf der eigenen Weide um? Der "Fremdschafkonflikt" wird einfach gelöst: "demähkratisch". Auch "Wollidarität" und "Wollensstärke" spielen in der Herde eine große Rolle. Und Miss Maple ist immer auf der Suche nach Ideen, die Mopple schwer von Orch-Ideen unterscheiden kann.

Was bewegte Leonie Swann zum "Widdersehen" mit den Schafen von Glennkill?
"Verschiedene Dinge", so die Autorin im Interview. "Da sind einmal meine Leser, die nie aufgehört haben, hartnäckig nach neuen Abenteuern mit Miss Maple, Mopple und dem Rest der Herde zu fragen. Lange habe ich gezögert, doch dann wurde mir klar, dass mir die Schafe auch selbst ein wenig fehlen."

Und warum gerade Schafe?
"Schafe", erklärt Swann, "haben viele Eigenschaften, um die sie jeder menschliche Detektiv beneiden würde. Einmal sind sie extrem unauffällige Ermittler, die in Wolle gehüllt bis auf wenige Schritte an die Verdächtigen heran grasen können. Niemand traut ihnen etwas zu, dabei können sie vieles riechen, was Menschennasen verborgen bleibt". Und sie sind hervorragende Teamplayer."

Angela Szivatz ist Autorin, Moderatorin und Literatur-Kritikerin für Newsflix
Angela Szivatz ist Autorin, Moderatorin und Literatur-Kritikerin für Newsflix
Helmut Graf

Wie passen Situationskomik und Spannung zusammen?
Ganz natürlich, so Swann. "Gerade, wenn man angespannt ist, ist man besonders empfänglich für die schrägeren Seiten des Lebens. Denn Humor entsteht fast von allein, wenn man den Standort wechselt, sich überraschen lässt, Dinge plötzlich aus einem anderen Blickwinkel zu sehen bekommt. Das passt ganz hervorragend zum Krimithema."

Ist das Buch lesenswert?
Ausgesprochen! Warmherzig, klug, spannend und voll philosophischem Humor führt Leonie Swann in "Widdersehen" durch die gemeinsamen Abenteuer der Schafe und der Menschen und zeigt, wie sie einander weiterhelfen, ohne sich direkt verständigen zu können. Alles nur eine Frage des "Wollens"!

"Widdersehen – ein Schafskrimi", von Leonie Swann, 336 Seiten, April 2026, DuMont Buchverlag, € 26,50

Angela Szivatz ist Autorin, Moderatorin und Bloggerin ("Oma aus dem Kirschbaum"). Für NewsFlix schreibt sie über aktuelle Literatur. Sie lebt in Wien. Im Vorjahr ist ihr erster Krimi "Tödliches Gspusi" erschienen.

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Angela Szivatz
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