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Wie Stockers Volksbefragung zu einer Pflanzerei wurde

Erst eine Paukenschlag-Rede, dann Interviews in Serie: Christian Stocker machte die Verlängerung der Wehrpflicht zu seinem Grönland. Nun stellte sich heraus, dass es gar keine richtige Volksbefragung geben soll. Die Hintergründe, die Strategie, dazu ein paar Kekse.

Christian Stocker kann sich derzeit vor Interviews kaum erwehren, versucht es aber auch nicht
Christian Stocker kann sich derzeit vor Interviews kaum erwehren, versucht es aber auch nichtBundeskanzleramt
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Akt. 08.02.2026 02:28 Uhr

"Gestern Abend ist beim Curling das Licht ausgefallen". Solche Sätze für die Ewigkeit kann man beim Busfahren in der Früh nur alle vier Jahre hören. Zwischen den Olympischen Spielen ist Curling eine Phantom-Sportart. Mutmaßlich vorhanden, aber unsichtbar. Ungefähr so wie Jörg Leichtfried in der Regierung.

Während der Spiele ist Curling aber eine Macht. Männer wie Frauen überwinden ihre Bindungsängste und schieben mit gebotenem Ernst Waschbetonplatten an Haltegriffen übers Eis. Nach einiger Zeit entlassen sie die Steine ins Leben wie Eltern ihre erwachsenen Kinder.

Ich landete durch Zufall im Mixed-Doppel Kanada gegen Italien, das die Kanadier mit 7:2 gewannen. Der Reporter nannte das eine faustdicke Überraschung. Eine Expertin, die mutmaßlich auch eine Zeit lang Waschbetonplatten übers Eis geschoben hatte, gab ihm recht. Sie nannte das Ergebnis ebenfalls eine Überraschung, das aber mit dem nötigen Fachwissen unterlegt.

Danach sah ich, wie eine Person aus dem Team Südkorea mit einer Art Wischmopp in der Hand wie verrückt das Eis putzte, das gar nicht schmutzig schien. Er hörte dann auch sehr abrupt damit auf.

Die Regierung wies diese Woche dezent darauf hin, dass ...

Die Waschbetonplatte bewegte sich ohne seine Hilfe in Richtung eines Kreises, in dem schon ein paar Kolleginnen warteten, und kam dort zur Ruhe. Vorher rempelte sie ein paar dieser Kolleginnen an, die mit einem ärgerlichen "klonk" reagierten und dann kokett zur Seite hüpften.

Ich habe nicht die geringste Ahnung von den Curling-Regeln. Ich weiß auch nicht, wer die Menschen sind, die diesen Sport betreiben und ob es von ihnen Panini-Pickerl zum Sammeln gibt. Mir war von Herzen wurscht, was da am Eis passierte, wer gewann, ob mit oder ohne Licht. Ich schaute einfach gebannt zu. Es war sehr befreiend.

... sie die Inflation gebändigt hat, "aber das ist noch nicht genug" ...

Es gibt nicht nur Phantom-Sportarten, sondern auch Phantom-Kekse. Sie existieren grundsätzlich, aber niemand wird ihrer habhaft. In Einzelfällen kann die Suche 51 Tage lang dauern und mit dem klassischen österreichischen Erledigungsvermerk enden: "Do könn ma goa nix mochn."

Ich habe in den vergangenen Wochen ein paar Erlebnisse von Menschen geschildert, die sich Hoffnungen auf eine Postzustellung gemacht hatten. Wo Hoffnung ist, da ist Leben. Es ging um Nachsendeaufträge ohne Sendungsbewusstsein und Lieferungen, bei denen man geliefert war.

Die Erzählungen erinnerten einen Kopfnüsse-Leser an ein eigenes Abenteuer, darin spielt "Omas Spritzgebäck aus dem Fleischwolf" die Hauptrolle. Das klingt jetzt blutiger, als es sein müsste. Wenn man mit dem Messer beim Hacken der Schokolade für die Glasur vorsichtig ist und nicht gleichzeitig Südkorea gegen Tschechien im Curling schaut, passiert nichts.

Vanillekipferl sollen recht sensibel sein, dafür wird dem Lebkuchen ein eher herber Schmäh unterstellt. Die einschlägige Forschung ist da allerdings noch nicht sehr weit. Wenn man den Bäumen einmal ausreichend lang zugehört hat, sollte man den Keksen vielleicht einmal ein Ohr schenken. Spritzgebäck zum Beispiel hätte einiges zu erzählen.

Erding ist eine recht hübsche Kleinstadt, etwa 40 Kilometer von München entfernt. Dort kam Anfang Dezember 2025 tatsächlich "Omas Spritzgebäck aus dem Fleischwolf". Eine Tante wollte ihrem Neffen in Wien eine Freude machen, packte die Kekse in eine Schachtel und schickte sie am 8. Dezember per DHL auf die Reise.

... aber "das kommt nicht zufällig" ...

Ihrem Neffen sagte sie nichts, die Kekse sollten eine Überraschung vor Weihnachten sein. Die Überraschung gelang, allerdings fiel sie anders aus als gedacht. Am 23. Dezember kehrte Omas Spritzgebäck nämlich zur Tante nach Erding zurück. Die Adresse in Wien, eine ziemlich bekannte Straße, sei "unauffindbar" gewesen, teilte die Deutsche Post bedauernd mit.

Nach etwas familieninterner Klärung traten die Kekse am 28. Dezember erneut die Fahrt nach Wien an, diesmal mit Hermes. Es stellte sich langsam die Frage, ob sich der Kauf eines Klimatickets rentieren könnte, aber ich weiß nicht, ob für Spritzgebäck welche ausgestellt werden, egal, ob sie aus dem Fleischwolf kommen oder nicht.

Aus den Weihnachtskeksen waren nun Neujahrskeks geworden, die ein Pendlerleben zwischen Wien und Erding führten und das inzwischen schon ein Monat lang. Sie hatten aber ihre endgültige Bestimmung noch immer nicht gefunden.

Denn auch am 3. Jänner scheiterte ein Zustellversuch, diesmal fanden die Götterboten immerhin die Straße. Dort aber habe man "keinen Bewohner" angetroffen, schrieb die Post, erneut mit Bedauern.

Die Bewohner, die nicht angetroffen worden waren, wunderten sich, da sie doch den gesamten Tag daheim gewesen waren. Diesmal bekam der Neffe von der Tante aber eine Sendungsnummer übermittelt, er konnte also auf Augenhöhe mit der Post telefonieren. Den Keksen half das nicht, es waren keine Linzer Augen dabei.

Der Neffe erfuhr von der Post am 7. Jänner, dass sein Spritzgebäck in einer Abholstation eingelagert werde, er bekomme einen Abholcode zugestellt. Am 8. Jänner erfuhr der Neffe, dass Spritzgebäck noch nicht in der Abholstation eingelangt sei.

... auch hier "kommt es nicht zufällig" ...

Am 15. Jänner wurde ihm mitgeteilt, dass sein Paket seit 8. Jänner in der Abholstation liege, allerdings nur bis 19. Jänner, dann würden die Kekse wieder nach Erding pendeln. Der Neffe hätte die Kekse gern aus der Abholstation entnommen, aber er hatte immer noch keinen Abholcode erhalten. Die Post spendete Trost. Da komme noch was.

Am 16. Jänner ging der Neffe auf das zuständige Postamt. Dort erfuhr er, dass der Zusteller ein Abholfach reserviert, aber keinen Abholcode erstellt hatte. So nah war der Neffe dem Spritzgebäck aus dem Fleischwolf noch nie, und gleichzeitig so weit von ihm entfernt. Denn auf der Post sagte man zu ihm: "Do könn ma goa nix mochn."

Am 19. Jänner versuchte es der Neffe zum vierten Mal bei der Kundennummer der Post. Inzwischen war die Frist für die Behebung abgelaufen, trotzdem gab es Licht am Ende der Abholstation. Die Post riet nun nämlich dazu, einen Nachforschungsauftrag zu starten. Also nach den Keksen zu suchen, von denen man wusste, wo sie waren.

Diesen Nachforschungsauftrag konnte nicht der Neffe auf den Weg bringen, sondern das musste die Tante machen, schließlich gehörte das Spritzgebäck aus dem Fleischwolf formal immer noch ihr.

Und siehe da! Schon am 26. Jänner wurden die Kekse gefunden, die gar nicht verschwunden waren. Einen Tag später entdeckte der Neffe einen Abholschein im Briefkasten und wieder einen Tag später konnte er die Kekse aus der Abholstation entnehmen.

Nach 51 Tagen durfte er das Spritzgebäck aus dem Fleischwolf endlich in die Arme schließen. Aus den Weihnachtskeksen waren Silvesterkekse geworden und aus den Silvesterkeksen Semesterferienkekse. Sie haben immer noch gut geschmeckt, zumindest hat der Neffe alle Zähne behalten. Selbst jene, die er sieben Wochen lang zusammenbeißen musste.

... jedenfalls sei es "sensationell" ...

Auch in der Regierung wird derzeit sehr viel mit den Zähnen geknirscht. Die Stimmung hat sich seit Jahresbeginn merkbar verändert. ÖVP, SPÖ und NEOS gehen immer noch nett miteinander um, aber sie wollen es mit der Nettigkeit nun nicht mehr übertreiben.

Die Kanzlerpartei ist der Treiber dieses Wandels. Sie hat sich und ihrem Vorsitzenden eine neue Strategie verpasst und erzählt das auch hinter den Kulissen recht offen. Die Entwicklung der vergangenen Wochen ist nicht aus einem Zufall heraus entstanden, sondern die Folge einer bewussten Transformation.

Diese Transformation betraf vorrangig das Auftreten von Christian Stocker. Die Volkspartei kam zum Schluss, dass mit Harmonie kein Blumentopf zu gewinnen sei. Ein Kanzler, der als Landes-Buddha mit ruhiger Hand regiert, und eine Koalition, die öffentlichen Streit meidet, das habe anfangs gut funktioniert, heißt es. Dieses "anfangs" sei nun aber vorbei.

Unter den Buddhisten stellte sich der Glaube ein, dass mit ruhiger Hand vielleicht Sympathien zu gewinnen seien, aber keine Wahlen, schon gar nicht in Jahren, in denen keine Wahlen stattfinden.

Weil die Volkspartei in den Umfragen gemeinsam mit den Sozialdemokraten im Aufzug immer weiter nach unten fuhr, wurde das Frühjahr 2026 neu vermessen. Es sollte mit einer Klausur in Mauerbach beginnen und mit einer neuerlichen Klausur im Juni enden. Dabei will man das Doppelbudget für die nächsten beiden Jahre festzurren.

... auch, wenn man jetzt weiterarbeiten" müsse ...

Dazwischen möchte sich die ÖVP ein eigenständiges Profil erarbeiten, das sich deutlich sichtbar vom Erscheinungsbild der Regierung unterscheidet. Der Vorsitzende, im Brotberuf Kanzler, sollte der Botschafter dieser Transformation sein. Aus dem Buddha aus Wiener Neustadt sollte ein Churchill werden.

In der Kommunikation läuft es aber mitunter wie bei Keksen auf Wanderschaft. Sie werden mit einer bestimmten Absicht auf die Reise geschickt, kommen aber entweder gar nicht oder anders an. Der Buddha wird aufpassen müssen, dass er in seinem Bemühen, ein Churchill sein zu wollen, nicht allmählich zu klingen beginnt wie ein Donald Trump.

"Österreichische Gastpatienten warten lassen, aber Asylwerber sofort behandeln – nicht mit uns", postete die Volkspartei am Freitag in den sozialen Medien. Das fühlte sich an, als würde sie den Kopf auf die Schulter der FPÖ legen.

Die ÖVP wirkt jetzt öfter so wie jemand, der sich in einer falschen Beziehung befindet, sich das aber nicht offen zu sagen traut.

Das Problem Gastpatient, eine der größten Absurditäten des heimischen Gesundheitswesens, müsste sich übrigens auf dem kurzen Dienstweg lösen lassen. Die ÖVP stellt in Niederösterreich die Landeshauptfrau und im Bund den Kanzler, der wiederum mit einer SPÖ regiert, die in Wien den Landeshauptmann stellt und im Bund die Gesundheitsministerin.

... damit "die Trendwende" weiter geht ...

Am Donnerstag, dem 29. Jänner, traf sich am Vormittag in Wien eine diskrete Runde. 24 Stunden später sollte der Kanzler seine Rede zur Lage der Nation halten, aber keiner der Teilnehmer wusste zu diesem Zeitpunkt, wie sehr der Inhalt der Ansprache die Runde betreffen würde.

Die Zusammenkunft fand im Büro von SPÖ-Klubobmann Philip Kucher statt. In der Woche davor war der Bericht der Wehrdienstkommission erschienen, an den 89 Seiten war ein halbes Jahr lang gearbeitet worden.

Die Kommission bestand auf zehn stimmberechtigten und 14 beratenden Mitgliedern, alle Kammern waren vertreten, das Rote Kreuz, aber auch zwei Bundesschulsprecherinnen. Es gab 13 Sitzungen, in denen die Zukunft des Wehrdienstes und des Zivildienstes besprochen wurde.

Die drei Wehrdienst-Modelle

  • "Österreich PLUS"
    • 8 Monate Grundwehrdienst
    • 5 x 12 Tage verpflichtende Milizübungen alle 2 Jahre
    • Nur Männer werden einberufen
    • Mindestens 12 Monate Zivildienst
    • Bereitstellung zur Zivilen Landesverteidigung
  • "Schweizer Modell"
    • 4 Monate Grundwehrdienst
    • 10 x 14 Tage verpflichtende Milizübungen jährlich
    • Nur Männer werden einberufen
    • Mindestens 12 Monate Zivildienst
    • Bereitstellung zur Zivilen Landesverteidigung
  • "Stufenmodell"
    • 6 Monate Grundwehrdienst
    • 60 Tage verpflichtende Truppenausbildung, zwei Jahre nach Grundwehrdienst
    • 5 x 12 Tage verpflichtende Milizübungen alle 2 Jahre
    • Nur Männer werden einberufen
    • Mindestens 12 Monate Zivildienst
    • Bereitstellung zur Zivilen Landesverteidigung
  • "Skandinavisches Modell"
    • 16 Monate Grundwehrdienst
    • Heranziehung von Freiwilligen oder über Los
    • 40 Tage Milizübungen nach Bedarf
    • Männer und Frauen werden einberufen
    • Mindestens 19 Monate Zivildienst (überLos)
    • Bereitstellung zur Zivilen Landesverteidigung
  • "Alle acht"
    • 8 Monate Grundwehrdienst
    • 40 Tage Milizübungen nach Bedarf
    • Männer und Frauen werden einberufen
    • Zivildienst: mindestens 12 Monate
    • Bereitstellung zur Zivilen Landesverteidigung

Am 20. Jänner stellte die Kommission fünf Modelle für den künftigen Dienst am Staat vor. Neun Tage später saßen die Klubchefs der drei Parteien und die betroffenen Generalsekretäre und Kabinettchefs im Büro von Philip Kucher und berieten, wie man nun mit den Empfehlungen der Experten umgehen sollte.

Es wurde ein Prozess für die Umsetzung definiert, ein loser Zeitplan erarbeitet, Verhandler wurden bestimmt, es wurde sogar darüber gesprochen, wie man in dieser Frage FPÖ und Grüne ins Boot holen könnte. Einen Tag später war alles Makulatur, der Kanzler hatte die Party gecrasht.

Eine landesweite Volksbefragung, die zweite ihrer Art in der Geschichte Österreichs, Christian Stocker sagte das Vorhaben in der Metastadt in Wien an. Zur Überraschung der anderen Parteien, aber auch der eigenen.

... Ein bisschen Eigenmarketing aus der Dienstlimo ...

Was zu diesem Zeitpunkt noch kaum jemand wusste: Der Kanzler hatte nie die Absicht, die Bevölkerung über eine Verlängerung der Wehrpflicht zu befragen. Es sollte nur eine "Volksbefragung light" stattfinden.

Die Wählerinnen und Wähler sollten nicht darüber entscheiden, ob der Wehrdienst verlängert werden soll oder nicht. Sie werden lediglich darüber befragt, ob sie für die Verlängerung lieber das Modell A oder das Modell B haben möchten. Das grenzt an Lächerlichkeit und schrammt nahe an einer Provokation vorbei.

Die Volksbefragung war an sich schon keine durchdachte Idee. Nun mutiert sie endgültig zu einer Mogelpackung. Selbst den meisten Parteien war das in der vergangenen Woche noch nicht richtig bewusst. Österreich führte mehrere Tage lang eine Phantom-Debatte. Es tröstet wenig, dass es nicht die erste war und nicht die letzte sein wird.

Aber warum? Warum eskaliert die ÖVP ein Thema, das im Land kaum emotionalisiert, auch weil es nur einen eingeschränkten Personenkreis betrifft? 2013 ging es um die Frage, ob Österreich ein Berufsheer bekommen sollte. Die Verlängerung des Wehrdienstes ist vom Spannungsbogen her nicht im Ansatz damit vergleichbar.

Steuern, Bildung, Gesundheit, Neutralität, Migration – es hätten sich viele Bereiche gefunden, mit denen die Volkspartei ihre Transformation emotional hätte aufladen können. Sie entschied sich bewusst für die Wehrpflicht, eben weil dieses Problem beschäftigt, aber das nicht zu heftig. Manchmal ist die Politik eine Blackbox.

.. oder gedreht wie ein Landkrimi ...

Ein stark polarisierendes Thema hätte ein hohes Risiko mit sich gebracht. Ein Wanken der Koalition, ein sofortiges Nein der Partner, ein schnelles Ende der Debatte, ohne Chance auf Durchsetzung.

So aber surft Christian Stocker mit seiner Schmäh-Volksbefragung durch die Medien. Seine Rede wurde live im ORF übertragen. Stocker saß in der ZiB 2 und am Sonntag danach in der Pressestunde. Er bespielte das gesamte Wochenende.

Während der Semesterferien gab es keinen Ministerrat, aber der Kanzler war trotzdem allgegenwärtig, meistens allein auf weiter Flur.

Am Donnerstag und Freitag dieser Woche begann Stocker dann, Interviews in Serie zu geben. Alle größeren Medien des Landes bekamen Slots im Bundeskanzleramt. Dort wurden zwei Räume vorbereitet, damit der Kanzler hin und her wechseln konnte, um zu möglichst vielen mehr oder weniger ungleichen Menschen das mehr oder weniger Gleiche zu sagen.

Manche Medien bekamen Einzeltermine, andere durften im Doppelpack anrücken, den Zeitungen aus den Bundesländern wurde ein Sammeltermin eingeräumt. Als Sperrfrist wurde der Freitag, 18 Uhr, vorgegeben, ab da konnte sich die Stocker-Flut über Österreich ergießen und schnell war klar: Der Kanzler wird sich medial das zweite Wochenende in Folge sichern.

Nicht schlecht für eine Volksbefragung, bei der man sich nicht wirklich traut, das Volk zu befragen.

... auch die Gesundheitsministerin hat mitgesenkt ...

Den anderen Parteien blieb nicht viel mehr übrig, als sich aufzuplustern. Die SPÖ schickte Staatssekretärin Michaela Schmidt ins Rennen. Sie durfte sich eine Volksbefragung auch über die Erbschaftssteuer wünschen.

Eine Leuchtrakete, die der Parteichef schnell wieder einkassierte. Die Staatssekretärin habe nur ihre Privatmeinung kundgetan, sagte Andreas Babler. Diese Privatmeinung hatte er vorher mit ihr koordiniert.

Die NEOS stellten sich vehementer gegen die Volksbefragung, auch sie erhöhten damit aber nur ihren Preis. Wenn Christian Stocker seine Volksbefragung, sein Grönland, haben will, dann wird er einige Wünsche zu erfüllen haben.

Der Plan des Kanzlers ist klar. Er möchte noch im Frühjahr eine Einigung über die Verlängerung des Wehrdienstes beschließen, auch damit der Termin 1. Jänner 2027 für die Einführung hält.

Die Volksbefragung im September ist dann nur mehr Larifari. Sie entwertet das Modell direkte Demokratie, ist für die Bevölkerung eine Pflanzerei, hat dem Kanzler aber immerhin ein paar Titelzeilen eingebracht. Es ist sein ganz persönliches Curling. Mit geschätzten Kosten von 15 Millionen Euro.

... Bon Tschorno! Staatssekretärin Zehetner ist schon bei Olympia

Ich wünsche einen wunderbaren Sonntag. Momentan schauen sich alle den Film über die Alltagsmühen von Melania Trump im Kino eben genau nicht an. Jeff Bezos war so nett und hat das Geld für die Herstellung gespendet. Ich wiederum rätsle seit Jahren, woran mich der Blick der First Lady erinnert.

Eine Kabarettistin hat mich dieser Tage erleuchtet. Melania, sagte sie, schaue wie jemand drein, der aus der Ferne angestrengt versucht, die Nummerntafel eines Autos zu entziffern. Diese Erklärung ist jedenfalls eine Schachtel Spritzgebäck wert. Ich werde sie mit der Post zuschicken.

Bis in einer kleinen Weile!

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