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Kopfnüsse

Wie Kerns Murmeltier-Moment Babler unter Artenschutz stellte

Protokoll einer ereignisreichen Woche, in der nichts passierte. Die SPÖ bekam keinen neuen Vorsitzenden, die ÖVP keine Volksbefragung und die FPÖ keine Hymne mehr auf Ö3. Dafür erhielt Andreas Babler eine Jobgarantie bis 2029. Und der Opernball war schön.

Die Geschichte mit dem Kern-Comeback hat auch schon einen ziemlichen Bart
Die Geschichte mit dem Kern-Comeback hat auch schon einen ziemlichen BartAndreas Tischler / Vienna Press
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Akt. 15.02.2026 01:55 Uhr

Am Donnerstag war ich zum 62. Mal in Folge nicht am Opernball. Es sollte dafür eigentlich eine Plakette in Gold geben, so wie beim ÖAMTC, wenn man 40 Jahre lang Mitglied ist. Die kann man sich aufs Auto kleben, dann wissen die Leute, da fährt ein Opernball-Schwurbler.

Die ersten paar Jahre hatte ich eine gute Ausrede, warum ich nicht hinging: Der Kindergarten fing am Tag danach ziemlich früh an und ich wollte im Sesselkreis keine Ringe unter den Augen haben.

Dann war ich beruflich verhindert. Einmal habe ich mich freigekauft, um mich von einem Versprechen entbinden zu lassen. Seither weiß ich: Der Besuch des Opernballes mag teuer sein, aber eine richtige Stange Geld kostet es, wenn man erst gar nicht hingeht.

Ich kenne den Opernball aus Internet und Zeitungen (ein paar davon habe ich selbst mitgestaltet), vor allem aber aus dem Fernsehen. Ich schaue nie live. Mir sind Menschen schnell peinlich, grundsätzlich und am Opernball besonders, in solchen Momenten spule ich dann weiter. Im richtigen Leben geht das leider nicht.

Ich glaube, ich habe da unten den Kern gesehen. Ah, jetzt ist er schon wieder weg.
Ich glaube, ich habe da unten den Kern gesehen. Ah, jetzt ist er schon wieder weg.
APA-Images / APA / ROLAND SCHLAGER

Für mich dauert die Übertragung des Opernballs in der Regel eine Viertelstunde, höchstens 20 Minuten. Das genügt für die wichtigsten Szenen und ist auch angemessen, schließlich hält selbst der veranstaltende Staatsoperndirektor Bogdan Roščić den Großteil des Abends für einen "kollektiven Wahnsinn".

Um mich nicht in diesem "kollektiven Wahnsinn" zu verlieren, hämmere ich mit dem Zeigefinger wie ein Besessener auf das Tablet ein, damit die Aufzeichnung jeweils 10 Sekunden nach vorn hüpft. Ich hoffe, es schaut mir nie jemand zu, sonst werde ich wohl eingesperrt – in ein Kammerl mit einem Bildschirm, sie zeigen mir die Übertragung von Beginn an und es lässt sich nichts scrubben.

Vielleicht komme ich auch in eine Zelle mit allen noch lebenden ehemaligen Veranstalterinnen. Früher sagte man Ballmütter zu ihnen, weil sie ihre Arbeit eher gluckenhaft anlegten. Das klingt heute seltsam, aber Österreich war auch außerhalb von Kindergärten immer schon eine Spur kindischer.

Eingesperrt mit den Opernballmuttis, das wäre eine spezielle Art Dschungelcamp. Der ORF könnte eine Show daraus machen. Ich glaube, das hätte viele Zuschauer.

Bei Dschungelprüfungen müsste man unter Zwang im Champagner baden und Kaviarhoden essen, um an Sterne zu gelangen. Die Leute daheim bei Wasser und Brot würden sich ekeln, aber auch Mitleid mit uns haben in unseren Boxspring-Hängematten.

Am Lagerfeuer könnte Elisabeth Gürtler erzählen, wie das mit Grace Jones so war und mit Richard Lugner. Am Ende würde jemand aus der Runde zum Opernball-Dschungelkönig gewählt werden. Es wäre so ein Gil-Ofarim-Moment, peinlich, aber irgendwie auch rührend.

Wunder-Paar: Elisabeth Köstinger mit ihrem Walker in der Staatsoper
Wunder-Paar: Elisabeth Köstinger mit ihrem Walker in der Staatsoper
Sabine Hertel

Der heurige Opernball war sehr schön, zumindest die Viertelstunde, die ich davon gesehen habe. Ich war nicht ganz so bewegt wie Sharon Stone, die im ORF-Interview plötzlich stoneerweichend zu plärren begann, weil Österreichs Polizisten so hübsch sind. Danach trug sie ihre Tränen zum Ausstauben ins nahegelegene Sacher.

Gerade als sich Frau Stone im Hotel die Tränensäcke entleerte, gab der Bundespräsident sein obligates Interview und erinnerte dabei an den Feuerwehrball in Mürzsteg. Dort sei es "ähnlich" wie hier, sagte er. Die Feuerwehrleute in Mürzsteg werden nicht gewusst haben, ob sie sich geehrt fühlen sollten oder beleidigt. Immerhin hatte sie der Oberbefehlshaber des Landes live im Fernsehen mit einem Ort des "kollektiven Wahnsinns" gleichgesetzt.

Während sich Alexander Van der Bellen an Mürzsteg abarbeitete, wusste seine Frau neben ihm kaum, wohin mit ihrer Freude über den Abend. Sie wollte die Welt umarmen, aber die Welt war noch nicht bereit dazu. Die First Lady ging in ihrer Rolle als First Lady auf, ihr Mann stand daneben wie Meister Petz.

Doris Schmidauer werden Ambitionen auf das Amt der Bundespräsidentin nachgesagt. Ich weiß nicht, ob an dem Gerücht etwas dran ist, aber ich habe gelesen, dass in Nordkorea die Tochter von Kim Jong-un die Nachfolge ihres Vaters antreten soll. In Diktaturen gestaltet sich so ein Vorgang einfacher, da muss man weniger Leute fragen, oft auch nur sich selbst.

Wenn die Tochter von Kim Jong-un Nordkorea übernimmt, bliebe das Amt in der vierten Generation in der Familie. Dafür müsste in Österreich First Dog Juli zu einer Kandidatur überredet werden. Aber selbst dann würde nach einer Bundespräsidentin Doris Schmidauer immer noch eine Lücke klaffen. Man müsste einen dieser Kompromisse finden, die Meister Petz so toll findet.

Weißt was, Dorli, in Mürzsteg haben wir es damals nicht so schön gehabt
Weißt was, Dorli, in Mürzsteg haben wir es damals nicht so schön gehabt
APA-Images / APA / ROLAND SCHLAGER

Auch von der SPÖ fühlte ich mich diese Woche gut unterhalten. In der Sozialdemokratie ist immer Faschingdienstag. Leitanträge auf Parteitagen müssten eigentlich Lei Leit-Anträge heißen.

Der Parteivorsitzende selbst hatte zuletzt ganz grundsätzlich interessante Tage. Am Wochenende Olympische Spiele, am Donnerstag Opernball, dazwischen sollte er aus dem Amt geworfen werden. Alles Walzer!

Die Revolte ist nun abgesagt oder vertagt, was auf dasselbe herauskommt. Das hat für die SPÖ den Vorteil, dass sich die Partei jetzt nicht mehr vorrangig mit sich selbst beschäftigen muss. Es bleibt ihr also mehr Zeit, um sich vorrangig mit sich selbst zu beschäftigen.

Am Parteitag hat Andreas Babler jetzt nur mehr sich als ernsthaften Gegenkandidaten vor der Brust. Derselbe Personenkreis, der die Existenz einer Personaldebatte in den vergangenen Wochen in Abrede gestellt hatte, erklärte am Freitag die Personaldebatte, die es selbstredend nie gegeben hatte, für beendet.

In der SPÖ geht jetzt jeder wieder seine eigenen Wege, was an sich gefährlich klingt, aber keine Rolle mehr spielt. Denn die Folgen des Rückziehers von Christian Kern sind wesentlich weitreichender als die meisten vermuten. Es ist nun nämlich klar, dass Andreas Babler bis mindestens 2029 Parteivorsitzender bleibt. Und: Er wird auch bei der nächsten Wahl der Spitzenkandidat der SPÖ sein, wenn er mag.

Andi, für dich soll es heute rote Rosen regnen
Andi, für dich soll es heute rote Rosen regnen
APA-Images / APA / ROLAND SCHLAGER

Wie es dazu kam, hat eine längere Vorgeschichte. Sie beginnt am 18. Dezember 2025. Da saß Christian Kern in der Sendung "Talk im Hangar-7" auf Servus TV. Es ging um die Ukraine und Putin und "Europa am Abgrund". Naheliegend, dass man in diesem Themenumfeld schnell auf Österreich zu sprechen kam.

Es gab zu dieser Zeit schon Gerüchte, dass Kern an die Spitze der SPÖ zurückkehren könnte, wie es immer Gerüchte über ein Comeback gab, seit er aus Amt und Würgen geschieden war. Moderator Michael Fleischhacker fragte Kern also geradeheraus, ob es ausgeschlossen sei, dass er am nächsten Parteitag für den Vorsitz kandidiere und Kern antwortete ebenso geradeheraus mit "Ja".

Kern kehrt in die Politik zurück, das sei "wie der Murmeltier-Tag", sagte Kern über Kern. Anders als den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" finde er die Gerüchte aber "mittlerweile gar nicht mehr lustig". Das Gespräch im Hangar-7 werde von einigen jedenfalls wieder als "Inserat in eigener Sache für die Rückkehr in die Politik" interpretiert werden, war er sich sicher.

"Eine klare Absage," bilanzierte Fleischhacker die Worte. Aber als er mit dem eigentlichen Thema fortfahren wollte, fiel ihm Kern ins Wort und rammte den Pflock noch tiefer in den Boden.

"Egal, was ich sage, es ist eh sinnlos", fügte er an. "Weil wenn ich Ihnen sagen würde, nein, unter keinen Umständen – so wie ich es jetzt getan habe –, würden wahrscheinlich alle denken, na ja, das ist der Beweis dafür, dass er doch zurück will, weil er würde es natürlich nicht zugeben."

Lena Schilling geht auf den Opernball, will aber nicht, dass es irgendwie dekadent daherkommt ...
Lena Schilling geht auf den Opernball, will aber nicht, dass es irgendwie dekadent daherkommt ...
Sabine Hertel
... zuweilen ist nicht allein die Robe schlicht, sondern auch der Aktionismus
... zuweilen ist nicht allein die Robe schlicht, sondern auch der Aktionismus
Sabine Hertel

Dann kam Silvester und das Murmeltier begann vorsichtig, aus dem Winterschlaf zu erwachen. Es fing mit Geplänkel an. Kern ließ da ein paar Worte fallen, witzelte dort über sich und die Partei, richtig ernst nahm das niemand.

Schließlich zog der Jänner ins Land und Kern begann Handlungen zu setzen, die man als "Inserat in eigener Sache für die Rückkehr in die Politik" interpretieren konnte. Er rief einzelne SPÖ-Landeschefs an und lotete die Stimmung aus. Was er hörte, bestärkte ihn. Wie Sebastian Kurz vor exakt einem Jahr sah er ein Zeitfenster für eine Rückkehr gekommen.

Nach außen hin zog er weiterhin alle einschlägigen Gerüchte ins Lächerliche, aber nach innen hin begann er, mit einer Kandidatur zu flirten. Es gibt aus heutiger Sicht zwei Beweggründe, die ihm dafür unterstellt werden können. Kern wollte das Leiden der Partei beenden. Oder sein eigenes Leiden mit ihr.

Der ehemalige Kanzler ist der festen Überzeugung, dass der aktuelle Vizekanzler drauf und dran ist, die SPÖ in die politische Bedeutungslosigkeit zu führen. Kern fand im vertrauten Kreis immer deutlichere Worte für den Zustand der Partei. Das hätte sich als Zeichen deuten lassen können. Leidenschaft schafft oft Leiden.

Aber so wirklich an ein Comeback glaubten weiterhin die wenigsten. Erst als am Dienstag dieser Woche das Gespräch mit Michael Ludwig publik wurde, fassten sich ein paar überrascht an den Kopf und riefen: "Der wollte das ja wirklich."

Ich reihe mich da ein. Ich hielt ein Comeback von Kern nie und nimmer für denkbar, insofern bestätigte mich die Geschichte. Gleichzeitig widerlegt sie mich, denn ich hielt es nicht für vorstellbar, dass es überhaupt so weit kommt, wie es kam. Notiz an mich selbst: Eitelkeit und verletzten Männerstolz nie unterschätzen!

Der Anstieg auf den Gipfel begann knapp unter dem Gipfel. Am Montag dieser Woche postete Christian Kern ein Foto von sich aus dem Urlaub. Es zeigte ihn unter blauem Himmel und in einer tief verschneiten Landschaft. "Berge und Schifahren einfach die beste Form eine Ferienwoche zu verbringen", schrieb er dazu. 1.500 Menschen schickten ein Like.

Live is life, aber live ist nicht immer live. Die Aufnahme war bereits in der Woche davor entstanden. Kern hatte die Semesterferien mit Familie in den Tiroler Bergen verbracht.

Als das Bild auf Instagram gepostet wurde, hatten die Comeback-Gerüchte um ihn in Wien längst Fahrt aufgenommen und Kern griff zum Handy. Er bat am Montag die Wiener Doppelspitze Michael Ludwig und Doris Bures um ein Gespräch. In der Parteizentrale in der Löwelstraße wusste man nichts davon.

Als Termin wurde Dienstag früher Nachmittag angepeilt. Da aber sollte Daniel Fellner seinen Antrittsbesuch bei Ludwig absolvieren, so war es seit Wochen vereinbart. Fellner ist seit 20. September des Vorjahres SPÖ-Chef in Kärnten und designierter Nachfolger von Peter Kaiser als Landeshauptmann. Kern schlug vor, die Termine zusammenzulegen, das Rathaus akzeptierte.

Es ist ein Märchen, dass Fellner einfach so ins Büro des Wiener Bürgermeisters spaziert sei und Kern im Schlepptau dabei hatte. Das Gespräch fand wie geplant statt, unter acht Augen und ein paar weiteren Zuhörerohren. Ludwig, Bures, Kern und Fellner saßen am Tisch, das Schicksal von Kärnten spielte eine eher untergeordnete Rolle.

Ich bin ja neugierig, ob ich über diese Kopfhörer die neuen Hits hören kann ...
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Helmut Graf
... also "Immer vorwärts FPÖ – Featuring Herbert Kickl" soll ja derzeit richtig reinhauen
... also "Immer vorwärts FPÖ – Featuring Herbert Kickl" soll ja derzeit richtig reinhauen
Helmut Graf.

Noch ehe das geheime Geheimtreffen gestartet worden war, kam am Dienstag um 12.04 Uhr in der Flugshow von Kern der erste Gegenwind auf. Willi Mernyi, Schwergewicht in der Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter, stutze den Ambitionen die Flügel.

Kern habe Hals über Kopf die Partei verlassen, es sei eine gewisse Enttäuschung da, sagte Mernyi im Ö1 Mittagsjournal. Die ewigen Personaldebatten würden die Sozialdemokraten "lähmen". Das klang nicht nach Euphorie, sondern eher nach der Botschaft: Der potenzielle alte neue Pilot wird ohne Unterstützung der Gewerkschafts-Crew abheben müssen.

Am Dienstag um 14.34 Uhr setzte die Tagespresse ein Posting ab. Das geheime Geheimtreffen im Wiener Rathaus lag da nicht einmal mehr eine halbe Stunde entfernt. "Süchtig nach schmerzhaften Talfahrten: Vonn kandidiert als SPÖ-Chefin," schrieb die Satire-Seite. Einige in der SPÖ fanden das witzig, andere gingen in den Keller lachen.

Um 15 Uhr begann das Achtaugengespräch. Es ist nicht ganz klar, mit welchen Erwartungen Kern ins Rathaus gekommen war, aber sie wurden jedenfalls enttäuscht. Ludwig öffnete die Tür, einen Spalt nur, aber immerhin weiter als das im Vorfeld zu erwarten gewesen wäre.

Er fürchte einen wochenlangen Kampf um den Vorsitz, der die Partei und die Regierungsarbeit lahmlegen würde, sagte Ludwig. Er werde ihn nicht unterstützen, aber auch nicht aufhalten, teilte er Kern mit. Nicht mehr, nicht weniger. Zu wenig augenscheinlich für Kern.

Nach einer guten Stunde war das Gespräch zu Ende, aber noch nicht fertig auserzählt.

Können Sie bitte mit einer Handbewegung zeigen, wie groß ihre Naivität in der Beurteilung der SPÖ war?
Können Sie bitte mit einer Handbewegung zeigen, wie groß ihre Naivität in der Beurteilung der SPÖ war?
APA-Images / SEPA.Media

Es dauerte nur 45 Minuten, und der diskrete Termin im Rathaus war als Indiskretion bei Medien gelandet. Zwei weitere Stunden später bekam Kern über den Standard ausgerichtet, was die Wiener SPÖ ihm tatsächlich sagen wollte. Ludwig habe den ehemaligen Kanzler "in keinster Weise zu einer Kandidatur ermutigt", wurde ein Sprecher zitiert.

Die Gewerkschaft als Gegner, den Wiener Bürgermeister als Bremser, die Bundes-SPÖ als Feind, das klang mehr nach Nagelbrett als nach rotem Teppich.

Zu diesem Zeitpunkt glaubten viele Kern-Unterstützer aber immer noch, dass ihr Kandidat die Sache durchziehen will. "Die letzten Meter musst du allein gehen", machten sie ihm Mut, sich dem Duell zu stellen. Und Kern ging. Aber ab.

Er war immer noch überzeugt, am Parteitag eine Mehrheit erzielen zu können, aber was sollte danach kommen? Er hätte sich wochenlang mühen müssen, die eigenen Leute von sich zu überzeugen. Der eigentliche Kampf, der gegen die anderen Parteien, hätte da aber noch nicht einmal begonnen.

Am Mittwoch entschließt sich Kern zum Rückzug. Um 16.08 Uhr macht die Kronen Zeitung die Entscheidung öffentlich. Um 16.16 Uhr gibt Kern auf Facebook eine Erklärung ab. Um 16.52 Uhr erscheint eine neue Version davon. Im ersten Absatz ist ein Punkt ergänzt.

Die Erklärung umfasst 406 Wörter, sie ist ein Dokument der Enttäuschung. Gesprächsinhalte seien "Stunden, nachdem man auseinanderging, absichtsvoll der Presse zugesteckt" worden, schreibt er. Das habe ihn an den Wahlkampf 2017 und an die Zeit danach erinnert. "Diese Indiskretionen" hätten ihn in seinen Befürchtungen bestätigt. Es fehle der "nötige Konsens." Also baba!

Es kam so: Johanna Mikl-Leitner hatte Geburtstag und Klaudia Tanner schaute vorbei, aber nicht mit leeren Händen ...
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Helmut Graf
... irgendeinen Fusel und Augarten-Porzellan im Bundesheer-Design kann jeder brauchen ...
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Helmut Graf
.... und wenn nicht, nimmt man das Glumpert zur Not halt wieder mit heim
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Helmut Graf

Babler hat den Kampf um den Thron gewonnen und erneut erstaunliche Steherqualitäten bewiesen. Es ist nicht einfach ein Sieg. Der Verzicht von Kern verschafft dem SPÖ-Chef eine Jobgarantie bis 2029 und macht es sehr wahrscheinlich, dass Babler auch bei der nächsten Wahl Spitzenkandidat sein wird.

Der SPÖ-Parteivorsitz wird alle drei Jahre im Rahmen eines Bundesparteitages gewählt, so legte es das neue Organisationsstatut fest. Es wurde 2023 beschlossen – auf Initiative von Babler.

Die Hürden, einen Parteichef abzusetzen, sind hoch. Um eine Abstimmung auch nur auszulösen, ist die Unterstützung von 10 Prozent der Parteimitglieder nötig. Es müssen also rund 15.000 Stimmen eingesammelt werden, damit die Show überhaupt erst losgehen kann.

Die nächsten Nationalratswahlen finden regulär 2029 statt. Der Bundesparteivorstand bestimmt, wer Spitzenkandidat wird. Um Andreas Babler zu verhindern, müsste die SPÖ in einem Wahljahr den Parteichef tauschen. Nicht sehr wahrscheinlich. Oder den aktuellen Parteichef Babler dazu bewegen, dass er einen anderen Kandidaten als sich selbst nominiert. Noch unwahrscheinlicher.

Natürlich gibt es auch Umwege, außerordentliche Parteitage etwa. Aber auch da liegt die Latte für die Einberufung hoch.

ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler entdeckt auf einer Pressekonferenz mit FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker die Vorzüge von Handys ...
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Helmut Graf
... die sind wirklich praktisch, die Geräte, man kann immer und überall draufschauen ....
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Helmut Graf
... das Einzige worauf du aufpassen musst, Peter, ...
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Helmut Graf
... dass du die Handgurke nirgends liegen lässt
... dass du die Handgurke nirgends liegen lässt
Helmut Graf

Im nächsten Jahr wählen Oberösterreich und Tirol, 2028 dann Kärnten, Niederösterreich und Salzburg ihre Landtage neu. Schlechte Ergebnisse könnten den Druck auf Babler erhöhen. Aber wenn er nicht freiwillig geht, dann bleibt er der SPÖ noch ziemlich lange erhalten.

Zurück bleibt eine zerklüftete Partei. Am Freitag tagte zunächst ab 10 Uhr das Präsidium der SPÖ und – weil die Debatte länger dauerte – nach 12 Uhr etwas verspätet der Vorstand. Es gab viele Appelle zur Einigkeit, "ordnen statt spalten" wurde als Motto ausgegeben und für den Parteitag als Slogan fixiert. Was geordnet werden soll, damit es nicht spaltet, blieb unklar.

Christian Kern kam in den beiden Sitzungen nicht mehr vor. Das Lager der Babler-Gegner wurde händeringend gebeten, am Parteitag in der Messe Wien dem aktuellen Parteivorsitzenden die Stimme zu geben. Zusammenhalt sei jetzt wichtig, auch für das eigene Fortkommen.

In den Gremien, die am Parteitag ebenfalls neu gewählt werden, bildet sich das nicht ab. Im Gegenteil. Von den neun Landesparteichefs der SPÖ sind ab da schon fünf nicht mehr selbst im Präsidium der Partei vertreten – Niederösterreich, die Steiermark, das Burgenland, Salzburg und Wien. Da muss noch mehr geordnet als gespalten werden.

Babler wird am 7. März trotzdem besser abschneiden als viele momentan vermuten. Die SPÖ ist von den ewigen Flügelkämpfen ermattet, ein zweiter Kern nicht in Sicht, der erste Kern hat sich für Jahre, wenn nicht für immer, als Parteichef verunmöglicht.

Der Tisch für Babler ist gedeckt. Jetzt muss er nur noch ausreichend viele Menschen finden, die sich zu ihm setzen.

Schau, jetzt ist der Kern da oben, oder ist das schon wieder eine Babler Morgana?
Schau, jetzt ist der Kern da oben, oder ist das schon wieder eine Babler Morgana?
APA-Images / APA / ROLAND SCHLAGER

Ich wünsche einen wunderbaren Sonntag. Falls Sie an Verlustängsten leiden: "Immer vorwärts FPÖ – Featuring Herbert Kickl" findet sich seit Freitag nicht mehr in den Austria Top 40 Single-Charts. Ö3 muss die blaue Parteihymne nicht mehr spielen, auch keine 45 Sekunden lang.

Vielleicht fällt Christian Stocker jetzt ebenfalls eine kreative Idee ein, wie er seine Nonsens-Volksbefragung wieder los wird. Wie wäre es auch mit einer Hymne?

Bis in einer kleinen Weile!

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