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Kopfnüsse

Wie sich Andreas Babler in der SPÖ unkaputtbar machte

Tage wie aus einer Samstagabend-Show von Florian Silbereisen. Beate Meinl-Reisinger herzte am Flughafen jeden, der ihr über den Weg lief, Andreas Babler umarmte Freund, Feind und Parteifreund. Über eine Woche der ganz großen Gefühle.

81,5 Prozent sind nicht die Welt, aber auch kein Weltuntergang
81,5 Prozent sind nicht die Welt, aber auch kein WeltuntergangHelmut Graf
Newsflix Kopfnüsse
Akt. 08.03.2026 02:26 Uhr

Die gewesene Woche war von vier großen Ereignissen geprägt. Der Krieg im Nahen Osten entschied sich dazu, länger bleiben zu wollen. Beate Meinl-Reisinger beschloss, ein Gilet zu tragen. Helene Fischer bekam eine Barbie. Und Andreas Babler einen Job auf Dauer.

Der Spielwaren-Konzern Mattel wollte einen Beitrag zum Weltfrauentag leisten. Er dachte sich, Wertschätzung lasse sich am besten dadurch ausdrücken, dass man eine Schlagersängerin zu einer Puppe ummodelliert. Sie also zu einer Puppe empowert, wie man das heute vielleicht zeitgeistiger sagen müsste.

Sollten demnächst wieder einmal Debatten über Gehaltsunterschiede oder sonstige Benachteiligungen von Frauen aufkommen, dann ließen sich etwaige Beschwerden mit einem einfachen Argument nicht nur entgegen, sondern sogar umdrehen: Frauen haben oft eine Barbie, Männer nicht. Es existiert also ein deutlicher Gender Barbie Gap.

Von Christian Stocker gibt es zum Beispiel noch keinen Ken und von Andreas Babler ebenso nicht. Auch nicht nach dem SPÖ-Volkskongress am Samstag in der Wiener Messe, auf dem der Vizekanzler mit 81,5 Prozent wiedergewählt wurde. Es war viel und wenig gleichzeitig. Er stand mit vollen und leeren Händen da. Empowert, aber ohne Strom.

Fällt mir der Stocker Christian jetzt in den Rücken ...
Fällt mir der Stocker Christian jetzt in den Rücken ...
Vatican Media
... Christian, du gehörst da auf die linke Seite, der Kanzler steht in der Mitte ...
... Christian, du gehörst da auf die linke Seite, der Kanzler steht in der Mitte ...
Vatican Media
... Andi, du bist noch nicht Kanzler ...
... Andi, du bist noch nicht Kanzler ...
Vatican Media
... ah, Entschuldigung, aber es ist sowieso nur eine Frage der Zeit
... ah, Entschuldigung, aber es ist sowieso nur eine Frage der Zeit
Vatican Media

Auch die Spitze des Landes saß am Dienstag recht energielos da und versuchte, sich gegenseitig nicht weh zu tun. Der ORF hatte seinen Hauptabend für Christian Stocker, Andreas Babler und Beate Meinl-Reisinger freigeräumt. Das gemeinsame Interview sollte der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum ersten Jahrestag sein, für die man sich lediglich eine Woche Zeit eingeräumt hatte.

Die Aufzeichnung der Sendung musste von Montag auf Dienstag verschoben werden. Der Irankrieg bürdet den Menschen derzeit die unterschiedlichsten Lasten auf.

Man müsse "die emotionale Ebene bei den Menschen mehr ansprechen", sagte der Kanzler, als er nach Rezepten gefragt wurde, um in Umfragen besser abzuschneiden. Der Vizekanzler an seiner Seite nickte zustimmend. Man werde die Botschaften "einfacher, öfter und klarer formulieren müssen", ergänzte Stocker. Ich gebe zu, ich fürchte mich etwas davor.

Aber es ist natürlich eine gute Idee, "einfacher, öfter und klarer" zu kommunizieren. Leider sagte Stocker nicht dazu, wann er damit anfangen will. Zwei Tage nach dem Interview-Sesselkreis im Kanzleramt wurde nämlich bekannt, dass die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) ein paar Sachen teurer machen möchte und ein paar andere überhaupt abzuschaffen gedenkt.

Zweitjob? Grünen-Chefin Leonore Gewessler betreibt jetzt vor dem Kanzleramt einen Gemüsestand
Zweitjob? Grünen-Chefin Leonore Gewessler betreibt jetzt vor dem Kanzleramt einen Gemüsestand
Denise Auer

Die Krone berichtete, dass Kronen teurer werden. Bei Bewilligungen von Regulierungen werden viele bald auf Granit beißen, Krankentransporten legt man Steine in den Weg.

Beim Sesselkreis im Fernsehen entschied das Beste aus drei Welten aber, die Angelegenheit nicht "einfacher, öfter und klarer" zu kommunizieren, sondern sie unter den Tisch fallen zu lassen. Vielleicht ist das auch der bessere Weg, die "emotionale Ebene bei den Menschen anzusprechen".

Wenn jetzt der Einwand kommt, die Sozialversicherung wäre in Form der Selbstverwaltung organisiert und die Regierung politisch gar nicht zuständig, dann darf ich erwidern: Das stimmt. Es ist aber wurscht. Die Krankenkasse ist von der Politik so unabhängig wie der Papst von der Dreifaltigkeit.

Da die Gesundheit jetzt mehr kostet und der Spritpreis auch Gas gibt, besteht eine Gefahr. Am 1. Juli soll die Mehrwertsteuer-Senkung im Supermarkt wirksam werden. Die Menschen könnten dann aber bereits das Geld ausgeben haben, das sie sich noch gar nicht ersparen konnten.

Grüß Gott, Herr Papst, ich bin der Sascha aus Wien
Grüß Gott, Herr Papst, ich bin der Sascha aus Wien
Vatican Media
Sind Sie als Papst mit ihren 70 Jahren nicht ein bisserl ein Jungspund?
Sind Sie als Papst mit ihren 70 Jahren nicht ein bisserl ein Jungspund?
APA-Images, Vatican Media
Die Muttergottes da können's mir gleich einpacken, die nehm' ich als Buchstütze
Die Muttergottes da können's mir gleich einpacken, die nehm' ich als Buchstütze
APA-Images, Vatican Media

Ein Straßenfeger sind Regierungs-Interviews nicht mehr. 375.000 Menschen sahen im Schnitt den Besten aus drei Welten zu, für die SOKO Donau im Parallelprogramm konnten sich deutlich mehr Menschen erwärmen. Das brutale Interview mit Herbert Kickl in der ZiB 2 schauten sich sogar 523.000 Seherinnen und Seher an. In der blauen Stunde wurden auch die besseren Märchen erzählt.

So wenig Widerspruch wie in der ZiB 2 hat Kickl nicht einmal bei seinen eigenen Volkskongressen wie zuletzt etwa in Klagenfurt. Ungebremst konnte sich der FPÖ-Chef in aller epischen Breite entäußern, schon die erste knappe Antwort verschlang eine Minute und 40 Sekunden. In einem solchen Zeitraum hätte uns Werner Kogler schon durch 38 Nebensätze geführt.

Kickl hielt sich in der Länge kürzer. Einmal wollte ihn Margit Laufer unterbrechen, er hob kurz die Hand, sagte "Moment" und die Reise ging weiter.

Vielleicht ist es besser, das beim nächsten Mal anders zu gestalten. Man legt einen Zettel hin und sagt: "Herr Kickl, ich habe ihnen hier meine Fragen aufgeschrieben. Bitte beantworten, was sie mögen. Da ist die Kamera, ich komme in einer Viertelstunde wieder. Glück auf!"

Wenn wir schnell rausrennen, Christian, dann bleibt die Beate über ...
Wenn wir schnell rausrennen, Christian, dann bleibt die Beate über ...
Vatican Media
... die werden mich doch noch? Nein, das trauen sie sich nicht ...
... die werden mich doch noch? Nein, das trauen sie sich nicht ...
Vatican Media
... die haben mich wirklich allein zurückgelassen, mir kommen gleich ein paar Tränen
... die haben mich wirklich allein zurückgelassen, mir kommen gleich ein paar Tränen
Vatican Media

Kameras stellen für viele eine Versuchung dar, für Politiker sind sie eine Droge. Als der Krieg über den Nahen Osten kam, befanden sich rund 17.000 Personen aus Österreich in der Krisenregion. Sie arbeiteten da, steuerten ihre Steuern steuerschonend oder machten einfach Urlaub.

Es blieb unklar, wie viele von ihnen die Situation vor Ort als Belastung empfunden haben oder als Gelegenheit sahen, ihre Videos auf Instagram mit den vorherrschenden Umständen anzureichern.

Ungeachtet des Wahrheitsgehalts kann es ein paar Follower einbringen, wenn man in Badebekleidung am Strand erzählt, dass man gerade der Hölle entronnen sei. Dabei wussten die Betroffenen noch gar nicht, was sie daheim am Flughafen erst erwarten sollte.

Ein paar, die gerettet werden wollten, wurden am Ende tatsächlich gerettet. Ein paar, die gerettet werden wollten, wurden nicht gerettet. Offenbar wollten aber viele weder gerettet werden noch wurden sie gerettet. Denn am Samstag stellte das Außenministerium die diesbezüglichen Flüge wegen mangelnder Nachfrage ein.

Soll ich Ihnen irgendwie beim Gepäck helfen? Nein danke, wir haben es schon schwer genug
Soll ich Ihnen irgendwie beim Gepäck helfen? Nein danke, wir haben es schon schwer genug
Michael Gruber, Außenministerium

Aber am Mittwoch landeten noch ausreichend viele, um von Beate Meinl-Reisinger willkommen geheißen zu werden, und das ist keineswegs bloß so dahingesagt. Die Außenministerin kam nicht auf den Flughafen, um einfach Hallo zu sagen, sie nahm den Flughafen für sich ein.

Der Beate Meinl-Reisinger-Airport, früher bekannt als Wien-Schwechat, wurde mit einer solchen Social-Media-Herzlichkeit überzogen, dass selbst die Influencer in Dubai und Umgebung das als ernst zu nehmende Konkurrenz empfinden mussten.

Es gibt seit mehreren Jahren eigene Westen, die das Außenministerium für Notfälle anfertigen ließ. Es handelt sich um eher tonnenförmige Gebilde, die in unterschiedlichen Größen geschneidert wurden. Ihre Stärken spielen sie nicht auf der Ebene des Designs aus, sondern in der Farbgebung: knalliges rot-weiß-rot.

Die Notfallwesten liegen weltweit in österreichischen Botschaften auf, in Konsulaten und im Ministerium selbst. An Einsatzorten soll Betroffenen signalisiert werden: hier wird ihnen geholfen. Beate Meinl-Reisinger trug die Weste an diesem Mittwoch einfach so. Das aber weithin sichtbar.

Wenn Du groß bist, dann tust Du die NEOS wählen, gell!
Wenn Du groß bist, dann tust Du die NEOS wählen, gell!
Michael Gruber, Außenministerium

Der Krieg hatte die EU zu diesem Zeitpunkt schon vor das übliche Problem gestellt. Es gibt zwar einheitliche Notfalljacken, die bei internationalen Einsätzen laut Vorschrift mit dem Europawappen bestückt sein müssen, sonst aber finden die 27 Länder der Union bei Konflikten selten eine gemeinsame Linie, und so war es auch diesmal.

Spanien stellte sich frontal gegen die USA, Frankreich wollte den Angriff "nicht gutheißen". Der deutsche Kanzler Friedrich Merz sah "einige offene Fragen". Die anderen Länder reihten sich irgendwo dazwischen ein, auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Geopolitisch tapst der Kontinent durch Niemandsland.

Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen fand die "Entwicklungen im Iran" recht schnell "sehr besorgniserregend". Auf Social Media schrieb sie: "Wir bekräftigen unser unerschütterliches Engagement für die Wahrung der regionalen Sicherheit und Stabilität." Was immer das heißen mochte.

Der Krieg hatte einen weiteren Nachteil: Er begann an einem Samstag. Der Samstag ist ein gefühlter Sonntag, an beiden Tagen ruht der Kontinent und deshalb berief von der Leyen erst für den Montag eine EU-Krisensitzung ein – zwei Tage nach Kriegsbeginn also.

Das folgte vielleicht auch einem pädagogischen Ansatz. Den Krisen aller Art wurde ein für alle Mal verdeutlicht: Kommt nie an einem Wochenende. Da haben wir einfach keine Zeit für euch.

So, schauen wir einmal, welchen Knopf ich in dem Flieger am besten drücke
So, schauen wir einmal, welchen Knopf ich in dem Flieger am besten drücke
Michael Gruber, Außenministerium

Österreichs Außenministerin hatte am Mittwochabend dagegen Zeit und die verbrachte sie in ihrer Notfalljacke. Am Beate-Meinl-Reisinger-Airport in Wien empfingen beide, die Jacke und sie, die ersten Geretteten, die gerettet werden wollten.

151 Personen landeten knapp nach 22 Uhr an Bord eines Airbus A320 der ägyptischen Fluglinie Sky Vision Airlines und gerieten mitten hinein in eine Social-Media-Inszenierung.

Es gab in den Tagen davor auch die Überlegung, die Österreicher mit C-130-Maschinen des Bundesheeres auszufliegen. Aber keine der beiden noch im Stand befindlichen "Hercules" war einsatzbereit. Eine befindet sich auf Wartung in Portugal, eine hat ein Problem mit dem Tanken – wie momentan viele andere, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Die Absenz kann man den Fluggeräten nicht vorwerfen, sie haben schließlich schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Die "Hercules" wurden 1967 gebaut. Ich weiß nicht, ob es sicherer ist, von einer 58 Jahre alten Klapperkiste gerettet zu werden oder in einem Kriegsgebiet zu bleiben. Es ist jedenfalls so, als würde sich Oma Erna in Caorle das Bein brechen, und wir holen sie mit dem Waffenradl ab.

Mittwoch, 22.20 Uhr, Flughafen Wien-Schwechat, Auftritt Beate Meinl-Reisinger ....
Mittwoch, 22.20 Uhr, Flughafen Wien-Schwechat, Auftritt Beate Meinl-Reisinger ....
Denise Auer
... sie trägt ihre Krisenjacke, aber noch fehlen die Opfer ...
... sie trägt ihre Krisenjacke, aber noch fehlen die Opfer ...
Denise Auer
... aber dann geht es los, die Stairway to Heaven runter ...
... aber dann geht es los, die Stairway to Heaven runter ...
APA/MAX SLOVENCIK
... schnell ein schlafendes Kind streicheln ...
... schnell ein schlafendes Kind streicheln ...
APA/MAX SLOVENCIK
... Selfies mit den ankommenden Passagieren ...
... Selfies mit den ankommenden Passagieren ...
APA/MAX SLOVENCIK
... Kinderwagen die Gangway runterschleppen, das macht immer ein gutes Bild ...
... Kinderwagen die Gangway runterschleppen, das macht immer ein gutes Bild ...
APA/MAX SLOVENCIK
... dann gehen wieder ein paar Selfies
... dann gehen wieder ein paar Selfies
APA/MAX SLOVENCIK

Das Problem stellte sich am Beate-Meinl-Reisinger-Airport nicht, dafür aber ein anderes. Die Außenministerin hatte nämlich beschlossen, nicht mit einer Rose in der Hand in der Ankunftshalle auf die Geretteten zu warten, sondern sie übernahm kurzerhand das Geschehen am Flughafen. Er trug ja nun ihren Namen.

Meinl-Reisinger enterte den Airbus, schnappte sich den Bordlautsprecher, begrüßte die Angekommenen wie Gäste daheim zu einer Aperol-Spritz-Party. Sie schleppte einen Kinderwagen die Gangway runter, nutzte das Flugfeld als Empfangsraum, herzte und liebkoste alles, was ihr im Weg stand, egal wie alt, Kind wie Kegel.

Es war ihre Show, die rot-weiß-rote Notfalljacke gab ihr einen Rahmen. Meinl-Reisinger wusste, dass die Bilder von ihr im Gilet die Medien dominieren würden. Im Unterschied zum Tag davor musste sie die Aufmerksamkeit nicht mit den Empowerern Christian Stocker und Andreas Babler teilen.

Die FPÖ hat nun eine parlamentarische Anfrage in Vorbereitung, denn der Flughafen öffnet sich sonst nur Klimaklebern in dieser offenherzigen Weise. Die Freiheitlichen stellen 22 Fragen. Für die Beantwortung ist zwei Monate Zeit, das Ergebnis wird niemanden mehr interessieren. Nicht die in Notfalljacke und nicht die ohne.

Und dann kommt der Kern in mein Büro und verlangt einen roten Teppich
Und dann kommt der Kern in mein Büro und verlangt einen roten Teppich
Helmut Graf

Auch in der SPÖ wäre eine Notfalljacke in den vergangenen Monaten ein angemessenes Kleidungsstück gewesen. Die Sozialdemokraten zerfleischten sich zuletzt gegenseitig mit dem erstaunlichen Engagement angehender Kannibalen. Aber ab jetzt wird alles anders gleich.

Weil die SPÖ neuerdings ordnen statt spalten will, veranstaltete sie am Samstag in der Messe Wien einen Ordentlichen Parteitag. Ich weiß nicht, ob es unordentliche Parteitage gibt, aber vermutlich wäre der Parteitag anders unordentlich geworden, wenn sich Christian Kern für einen Antritt entschieden hätte. "Des is heute ned schlampert", hätten die Genossen dann gesagt.

So aber wurde die Veranstaltung zu einem Hochamt für Andreas Babler – eingerahmt vom Rocky-Gassenhauer "Burning Heart" und einer Blasmusik-Kapelle, die live aufspielte.

Am Ende erreichte der Vizekanzler ein mageres Ergebnis, das er aber als fetten Sieg verkaufen konnte. Im Vorfeld hatte es Befürchtungen gegeben, der Parteichef könnte von der Rebellenfraktion mit vielen Gegenstimmen abgestraft werden. Das passierte, aber wiederum auch nicht.

Babler schaffte mit 81,5 Prozent die absolute Mehrheit in der eigenen Partei. Es war kein glorreicher Sieg, aber er wurde dadurch auch nicht zu einer Fortschreibung von Pamela Rendi-Wagner.

Es g'hört viel mehr geküsst ...
Es g'hört viel mehr geküsst ...
Helmut Graf
... die eigene Frau sowieso ...
... die eigene Frau sowieso ...
Helmut Graf
... mi brauchst aber ned küssen, Andi
... mi brauchst aber ned küssen, Andi
Helmut Graf

Was für Babler wichtig ist: Die 81,5 Prozent waren an diesem Tag von großer Erheblichkeit, übermorgen werden sie es nicht mehr sein. Der aktuelle Vizekanzler wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der SPÖ-Spitzenkandidat auch der nächsten Nationalratswahl sein. Er sitzt nun gemäß Statut drei Jahre lang fest im Sattel, egal ob es ein Pferd gibt oder nicht.

Der SPÖ-Vorsitzende freute sich über das Ergebnis wie ein Schneekönig. Im besten Stil von Beate Meinl-Reisinger umarmte und busselte er alles ab, was nicht rechtzeitig die Flucht ergriffen hatte. Manche kamen an diesem Tag zum zweiten Mal zum Handkuss, ohne dass es ein Handkuss war.

Ehe es so weit kam, redete sich Andreas Babler fast genau eine Stunde lang in einen regelrechten Wortrausch. Zwei Drittel der Ansprache gerieten so empowert, dass sich seine Stimme immer wieder überschlug, sich Buchstaben überlagerten oder Worte der Einfachheit halber gleich ganz ausgelassen wurden.

Der Saal in der Messe Wien, mit rund 1.000 Personen gut gefüllt, dankte es dem Redner anfangs mit eher höflichem Applaus, gegen Ende hin mit Euphorie. Wien war nicht ganz Linz beim Sieg gegen Hans-Peter Doskozil in der Overtime, aber nahe dran.

Andreas Babler trifft auf Widersacher Max Lercher: Woll ma uns umarmen.? ...
Andreas Babler trifft auf Widersacher Max Lercher: Woll ma uns umarmen.? ...
Helmut Graf
... von mir aus, aber nur kurz wegen der Kameras ...
... von mir aus, aber nur kurz wegen der Kameras ...
Helmut Graf
... i hob schon bessere Dates g‘hobt
... i hob schon bessere Dates g‘hobt
Helmut Graf

Vor allem als die Einigkeit der Partei beschworen wurde, brandete Jubel auf. In der Wahlzelle war bei manchen dann der Jubel schon wieder verflogen.

60 Minuten können lang und kurz gleichermaßen sein. Babler brachte in den sechzig Minuten allerlei unter.  Und er fand jede Menge Feinde da draußen, Kickl selbstredend, die Mineralkonzerne, die Märkte, die nichts mehr regeln, die Reichen, die zu wenig zahlen, die Internet-Giganten.

Widersprüchlichkeiten brüllte Babler von der Bühne herab nieder. Mehrfach strich er das große Engagement der SPÖ für Frauen hervor. Dass er selbst und alle neun Landesparteichefs männlich sind, fand keine Erwähnung. Dass der Frauenanteil im Klub zuletzt unter 40 Prozent rutschte und deswegen sogar eine Förderung wegfiel, ebenso.

Auch so eine widersprüchliche Beobachtung: Während Babler vom Rednerpult aus die Internet-Giganten verteufelte, scrollte sich eine erstaunlich große Anzahl an Delegierten vor ihm am Handy oder iPad durch die Angebote ebendieser Internet-Giganten. Das TV-Team der SPÖ übertrug die Ansprache live auf YouTube.

Den Umfragen, die der SPÖ derzeit eher unterirdische Werte ausweisen, unterstellte Babler "gewürfelt und gesteuert" zu sein. Da war er erstaunlich nahe an Herbert Kickl dran.

Wenn ihr mich wählt, zahle ich euch sechs Bier ...
Wenn ihr mich wählt, zahle ich euch sechs Bier ...
Helmut Graf
... hat eh super geklappt
... hat eh super geklappt
Helmut Graf

Gegen Ende hin streckte er die Hand aus. Er hielt sie auch seinen Gegnern in der Partei hin, ebenso den Medien, gestand eigene Fehler ein. Der Streit um die Führung in der SPÖ sei nicht "gescheit" gewesen, sagte Babler, dann bat er um alle Stimmen, auch um die der Skeptiker. "Es wäre schön, wenn es uns gelingen würde, aus diesem Parteitag einmal gestärkt heraus zu gehen."

Babler sollte vor der Nationalratswahl aus dem Amt fliegen, dann nach der Nationalratswahl, nach der ersten gescheiterten Regierungsverhandlung, nun vor dem Parteitag und ist immer noch da. Der Samstag war auch der Triumph eines Unkaputtbaren.

Seine Gegner haben den Kampf um die Macht in der Partei verloren, vermutlich für einen längeren Zeitraum als sie momentan vermuten. Eine Alternative für Babler zeichnet sich nicht ab, das Personalreservoir der SPÖ ist so gut gefüllt wie der Zicksee in einem Tropensommer.

Es kann passieren, dass die SPÖ eines Tages nicht mehr da ist, Andreas "Rocky" Babler aber schon.

San deine Hände auch so kalt?
San deine Hände auch so kalt?
Helmut Graf

Ich wünsche einen wunderbaren Sonntag. Vor ein paar Wochen habe ich ein paar Worte über die Wiener Zeitung verloren. Das Medienhaus im Eigentum der Republik, und von der Regierung in manchen Jahren mit bis zu 13,5 Millionen Euro gefördert, hatte sich bei den Gehältern verrechnet. Nicht einmal, sondern über Jahrzehnte.

Der aktuelle Geschäftsführer konnte sich nicht über eine schlampige Arbeit des Controllers beklagen, das war er vorher nämlich selbst. Für einen staatseigenen Konzern, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern systematisch zu wenig Geld auszahlt, macht das kein gutes Bild.

Die Summe der Nachzahlungen beziffert die Wiener Zeitung selbst mit einer Million Euro, aber das umfasst nur die vergangenen drei Jahre. Mit Hilfe der Gewerkschaft will nun ein Mitarbeiter fehlendes Geld seit Vertragsbeginn einklagen. Als Musterprozess für alle Betroffenen. Das könnte noch ziemlich ins Steuergeld gehen.

Bis in einer kleinen Weile!

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