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Alarmstufe Rot: Warum die Grünen plötzlich die neue SPÖ sind

Die SPÖ zittert ihrem Parteitag entgegen, dabei müsste sie vor ganz etwas anderem Angst haben. Die Grünen nehmen den Roten die Themen weg. Jetzt fordern sie per Petition eine Reichensteuer. Das ist frech, aber mutmaßlich wirkungsvoll.

Grünen-Chefin Leonore Gewessler befindet sich schon im Wahlkampf, jetzt fehlt nur noch eine Wahl
Grünen-Chefin Leonore Gewessler befindet sich schon im Wahlkampf, jetzt fehlt nur noch eine WahlAndreas Tischler / Vienna Press
Newsflix Kopfnüsse
Akt. 22.02.2026 12:06 Uhr

Am Ende des Winters war noch einmal Winter und das so richtig. In Wien tollten die Räumfahrzeuge wie junge Hunde auf den Straßen herum. Autos mit Schneehauben am Dach suchten ihren Weg durch die weiße Wand. Auf den Gehsteigen blendeten rüstige Senioren ihre Bandscheibenvorfälle aus und bugsierten Schneemassen aus dem Kreuz heraus in erstaunliche Höhen.

Im Radio wurde zwischen den Verkehrsmeldungen nur mehr kurz Musik angespielt. Es ist die Zeit im Jahr, in der im Radio wunderbar melodische Namen vorgelesen werden, die sonst selten zu hören sind, Timmelsjochstraße etwa. Oder Hahntennjoch.

Der Weg zwischen Au und Damüls ist dann häufig gesperrt. Ich dachte lange, Audamüls ist ein einziger Ort. Man kann auch mit Lateinkenntnissen nur Spanisch verstehen.

Schnee fällt in Österreich nicht einfach so vom Himmel, es kommt immer die große Kapelle. Aus rätselhaften Gründen sind Verkehrsmittel aller Art offenbar nur für Schönwetterlagen geeignet. Besonders Straßenbahnen erweisen sich als äußerst empfindsam.

Lastwagen scheinen allein dafür hergestellt zu werden, um auf Steigungen hängen bleiben zu können. Auf der Wiener Außenring Autobahn klebten die Vierspänner auch diesmal hilflos fest wie Insekten in fleischfressenden Pflanzen.

Wurscht, schreiben Sie einfach "Stocker ist super "hin: Österreichs Kanzler mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif
Wurscht, schreiben Sie einfach "Stocker ist super "hin: Österreichs Kanzler mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif
APA-Images / APA / HELMUT FOHRINGER

Am schlimmsten erwischt es aber immer die Flughäfen, und das war diesmal folgenreich. Weil Wien-Schwechat am Freitag den gesamten Vormittag über gesperrt werden musste, wurden Flugzeuge auch nach Klagenfurt umgeleitet, genauer gesagt in den Bereich Annabichl/St. Peter. Da hatte es auch geschneit, aber offenbar anders als in Wien. Lei Lei a bissale.

Den Klagenfurt Airport plagten in den vergangenen Jahren allerlei Existenzängste. Sie gipfelten in der Frage, ob die Stadt überhaupt einen Landeplatz für Maschinen oberhalb der Kategorie Papierflieger benötigt. Noch ehe das geklärt werden konnte, gab es mehrfach hochfliegende Pläne, die allesamt in Bruchlandungen endeten.

Als der Schnee Österreich in Geiselhaft nahm, hatte der Klagenfurter Flughafen allerdings ein anderes irritierendes Problem – Flugzeuge.

Am Freitag um 8.30 Uhr landete ein Dreamliner aus New York mit fast 300 Sitzplätzen. Um 9 Uhr folgte eine Boeing 767, die aus Washington kam, beide wollten eigentlich nach Wien. Die Frage, die sich ergab: Was tun mit den beiden Zugvögeln, die noch nie zuvor Annabichl/St. Peter gesehen hatten – ohne dies als groben Mangel empfunden zu haben?

FPÖ-Chef Herbert Kickl konnte auch in Ried seine Zunge nicht im Zaum halten
FPÖ-Chef Herbert Kickl konnte auch in Ried seine Zunge nicht im Zaum halten
Reuters

Es muss grundsätzlich nicht ganz einfach sein, wenn man in New York in ein Flugzeug steigt und in Klagenfurt landet. Ein amerikanischer Passagier fasste das so zusammen: "Es ist, wie vom Himmel zu fallen."

Vom Himmel zu fallen ist die eine Sache, die Hölle bricht erst los, wenn man einmal gelandet ist. Ausstiege aus Flugzeugen haben den Nachteil, dass sie sich in einer gewissen Höhe befinden. Am Flugfeld können Passagiere nicht einfach so ins Freie hüpfen wie die Pinguine aus Madagaskar.

Also sie können schon, landen dann aber eventuell im Spitalsbett neben Lindsey Vonn.

Auf große Maschinen wie einen Dreamliner oder eine Boeing 767 ist Klagenfurt nicht eingerichtet. Die Fluggasttreppen mussten erst "angepasst" werden, berichtete der ORF. Ich habe keine Ahnung, wie eine Gangway "angepasst" wird. Hobelt man ein Stück weg oder baut auf die Schnelle einen Stock dazu?

Die Passagiere mussten eine Stunde warten, ehe sie aussteigen konnten. Die Österreicher reagierten darauf eher mieselsüchtig, außer jene, die ohnehin nach Kärnten wollten. Die Amerikaner fanden den Vorgang lustig. Sie wussten nicht, wo sie waren, aber vielleicht war genau dies der Grund für ihre Heiterkeit.

Hand-Küsserkönig Christian Stocker war mit Ehefrau Gerda ...
Hand-Küsserkönig Christian Stocker war mit Ehefrau Gerda ...
Andreas Tischler / Vienna Press
... auf der Rudolfina Redoute aus dem Schneider
... auf der Rudolfina Redoute aus dem Schneider
Andreas Tischler / Vienna Press

Als es Wien noch lustiger mit dem Wetter hatte, machte sich ein Reporter des Kurier auf nach Rudolfsheim-Fünfhaus. Er wollte feststellen, ob die Menschen in der Nähe der Wiener Stadthalle schon erhöhte Temperatur haben. In rund drei Monaten findet hier der ESC statt, also gehen die meisten Medien davon aus, dass sich das Land schon jetzt kollektiv im "Song-Contest-Fieber" befindet.

Es wird leider nie erläutert, welche Symptome auftreten, wenn man an "Song-Contest-Fieber" leidet. Aber um die Körpertemperatur etwas abzusenken, ließ der ORF am Freitag im Rahmen einer TV-Show wählen, wer für Österreich heuer antreten soll.

Es gewann ein junger Mann namens Cosmó, Student der Zahnmedizin, geboren in Ungarn, aufgewachsen in Halbturn im Burgenland. Vielleicht war das so eine Art Wiedergutmachung. Wenn Oberwart schon nicht den Song Contest zugesprochen bekam, dann sollte wenigstens unser Beitrag von dort kommen.

Sollte Benjamin Gedeon, wie Cosmó tatsächlich heißt, gewinnen, dann vermutlich weniger wegen der literarischen Qualität des Liedtextes. In Strophe 1 von "Tanzschein" heißt es etwa:
Wir treten ein, mmh, auf der Suche nach Ekstase
Doch hinterm Neonlichterschein liegt eine Tier-Oase
Und der Löwe versucht's bei einer Gazelle
Der Hunger macht ihn böse und er rückt ihr auf die Pelle
Im Gehege geht er durch wie einе Säge
Ist bekanntlich nicht romantisch, er steht nicht aufs Gerede.

Dank Herrn Cosmó hat Österreich eineinhalb Jahre nach dem Tod von Richard Lugner wieder einen Streichelzoo
Dank Herrn Cosmó hat Österreich eineinhalb Jahre nach dem Tod von Richard Lugner wieder einen Streichelzoo
APA-Images / First Look / Thomas Ramstorfer

Dem ESC wird eine völkerverbindende Funktion zugeschrieben. In den vergangenen Jahren blieb er allerdings unter den diesbezüglichen Ansprüchen. Er brachte die Menschen auf eine ähnliche Weise zusammen wie ein durchschnittliches Wiener Derby.

In Rudolfsheim-Fünfhaus aber wird schon daran gearbeitet, diese Scharte auszuwetzen und die Kulturen wieder zu vereinen. Deshalb saß ein Mann namens Franz beim Besuch des Kurier-Reporters an einem Kebabstand und hatte ein völkerverbindendes Bier vor sich stehen. Schließlich gibt es auch am Vormittag so etwas wie Durscht.

Vom "Fieber" der bevorstehenden Veranstaltung in seiner unmittelbaren Umgebung wirkte Franz aber noch nicht durchdrungen. "Der Song Contest", sagte er, "ist mir scheißegal".

Diese Einschätzung teilte Tino ganz und gar nicht. Er hielt die Standwortwahl für richtig, sogar für alternativlos. "Wo, außer in Wien, sollte der Song Contest sonst sein?", fragte er. "Nach Innsbruck fährt ja kein Oasch, bei den ganzen Bergen."

Wenn Hansi Hinterseer das liest, komponiert er aus lauter Schreck eine neue Weise. Ich glaube nicht, dass im lyrischen Teil das Wort "Oasch" vorkommen wird, zumindest nicht in einem Atemzug mit "Berg". Die volksnahe Ausdrucksweise würde Hinterseer aber eine neue Zielgruppe erschließen – Menschen mit Stadthallen-Hintergrund. Welche mit und welche ohne Fieber.

Max Lercher in Kobenz: Hoffentlich war wenigstens das Bier nicht lauwarm
Max Lercher in Kobenz: Hoffentlich war wenigstens das Bier nicht lauwarm
APA-Images / APA / ERWIN SCHERIAU

Die Episode aus Rudolfsheim-Fünfhaus täuscht darüber hinweg, dass Österreich an einem neuen sozialen Problem laboriert – Pointenarmut.

Das trat in der abgelaufenen Woche dramatisch zutage, erst am Faschingsdienstag, dann am Aschermittwoch. Beide Tage haben eigentlich einen ungleichen Wesenszweck, waren vom Wesen her aber gleich unlustig. Leider!

Der Villacher Fasching war früher eine stolze Veranstaltung. Für Politiker, die vor Wahlen standen oder sonstigen Interessen nachgingen, handelte es sich um einen Pflichttermin. Sie mussten im Publikum sitzen und so tun, als würden sie zum Brüllen komisch finden, wie sie auf der Bühne lächerlich gemacht wurden.

Im Jahr 2000 wollten das 2,1 Millionen Menschen sehen. 26 Jahre später taten sich die Aufzeichnung der besten Passagen nur mehr 634.000 Unentwegte an. Von diesen 634.000 dürften 635.000 während der Sendung eingeschlafen sein. Es herrschte nicht mehr Pointenarmut, sondern Pointenverzicht, mutmaßlich unfreiwillig.

Eine Veranstaltung der Hochkultur war der Villacher Fasching nie, aber die Menschen redeten am Tag danach über ihn. Nun gibt es nur mehr Mitleid. Als Klagenfurter sage ich ohne jede Häme: Sucht euch bitte professionelle Hilfe, sonst lachen bald nicht einmal mehr die Hühner über euch!

Herbert Kickl war in der Jahnturnhalle nah am Wasser gebaut
Herbert Kickl war in der Jahnturnhalle nah am Wasser gebaut
APA-Images / APA / WOLFGANG JANNACH

Der Aschermittwoch danach warf auch keine Rettungsanker aus. Die Fastenzeit begann damit, dass man den Humor auf Diät setze. Jörg Haider hatte die Idee aus Bayern importiert, 1992 hielt er seinen ersten Politischen Aschermittwoch ab. Herbert Kickl folgte rhetorisch gut ausgetretenen Fußstapfen.

Der aktuelle FPÖ-Vorsitzende ist kein Büttenredner. Keiner, der mit dem Bierkrug in der Hand auf der Bühne steht und den Fans zuprostet. Als Kickl am Mittwoch nach rund einer Stunde in der Jahnturnhalle in Ried fertig war, nippte er an einem Wasserglas und schluckte den Applaus hinunter.

Davor hatte er eine derbe Rede gehalten, so will es offenbar die Tradition. "Man darf sich nicht zu viel scheißen", rief er, wenig später fühlte er sich "veroascht" und das gleich zweimal. Die Beleidigungen flogen nur so durch den Raum, dem Publikum gefiel das. Es war nicht davon betroffen.

Kickl trug Jeans, weißes Hemd und Trachtenweste, exakt wie im Jahr davor. Da war der Termin heikel. Zwei Tage vor seiner Aschermittwochrede war die Regierung Stocker angelobt worden, nicht alle in der FPÖ nahmen es sportlich, dass der Parteichef keine Koalition zustande gebracht hatte. Die Ansprache 2025 (da stand noch ein Bier am Podium) diente der Absicherung der Solidarität.

Nun ist Kickl wieder die leibhaftige Opposition. Der Auftritt in Ried war eine Show für Fans, er wusste das. Seine Rede wurde auf YouTube gestreamt, die FPÖ hat dort 243.000 Abonnenten. Sie spielt hier in einer eigenen Liga, das wurde an diesem Abend augenfällig.

Nein, der Mann am Rednerpult heißt nicht Polam, das steht offenbar für Politischen Aschermittwoch
Nein, der Mann am Rednerpult heißt nicht Polam, das steht offenbar für Politischen Aschermittwoch
APA-Images / APA / WOLFGANG JANNACH

Auch Christian Stocker und Max Lercher wagten sich auf das Spielfeld, um es nicht Kickl allein zu überlassen. Es war keine gute Idee. Der Kanzler wirkte in Klagenfurt verkrampft, deplatziert, er wusste wenig anzufangen mit Ort und Anlass. Auch Lercher, SPÖ-Chef in der Steiermark, kam in Kobenz über das Bemühen nicht hinaus, manchmal gar nicht daran heran.

Das machte aber nicht viel, denn die SPÖ Steiermark hat auf YouTube nur 508 Abonnenten. Auf der YouTube-Seite der Bundespartei findet sich der Aschermittwoch-Auftritt ihres steirischen Vorsitzenden gar nicht. Die SPÖ fand an diesem Tag statt, aber gleichzeitig auch nicht.

Der ÖVP folgen auf YouTube 1.904 Abonnenten. Sie könnten verwirrt sein, denn als beliebtestes Video auf der Startseite wird ein Clip von Karl Nehammer angeführt, er stammt aus 2024. Auch Platz 2 und Platz 3 und Platz 4 gehen an den Ex-Kanzler. Christian Stocker findet sich in der Rangliste erstmals auf Platz 5. Der Klagenfurt-Rede des Parteichefs ist auf der Startseite gar nicht auffindbar.

Auf der Facebook-Seite der ÖVP erfährt man erst nach einigem Scrollen, dass Stocker am Aschermittwoch eine Ansprache gehalten hatte. Ein 82 Sekunden kurzer Beitrag aus Klagenfurt weist darauf hin, er stellt den Kanzler Kickl gegenüber.

Als ersten Beitrag sieht die Kundschaft der Partei dagegen einen Ausschnitt aus der Kickl-Rede in Ried. Wer den Text dazu nicht liest, fühlt sich auf der falschen Hochzeit. Die FPÖ wird sich freuen, dass der ärgste politische Gegner jetzt auch Werbung für sie macht.

Wenn man den Villacher Fasching und die Aschermittwochrede von Stocker zusammenlegt, wird das zwar auch nicht lustig, aber einmalig
Wenn man den Villacher Fasching und die Aschermittwochrede von Stocker zusammenlegt, wird das zwar auch nicht lustig, aber einmalig
APA-Images / APA / WOLFGANG JANNACH

Das ist kein Einzelfall. Am vergangenen Sonntag kam es in der ORF-Pressestunde zu einem bemerkenswerten Vorgang, dem bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer und tief verwurzelt in der SPÖ-Gewerkschaft, sprach sich für die Einführung einer Reichen- und Erbschaftssteuer aus.

Das war an sich noch keine Überraschung. Aber Anderl kündigte auch an, die entsprechende Petition der Grünen unterschreiben zu wollen. Leonore Gewessler, Bundesvorsitzende der genannten Partei, wird daheim vor dem Bildschirm die Tasse Schwarztee, ihr Lieblingsgetränk, aus der Hand gekippt sein.

Etwas Besseres kann dir in der Politik kaum passieren. Eine hochrangige Vertreterin eines Mitbewerbers kündigt öffentlich an, deine wichtigste Forderung im laufenden Jahr zu unterstützen. Nicht allen in der SPÖ scheint klar zu sein, in welche Gefahr die Partei sich momentan begibt. Sie tappt in die Schwarztee-Falle.

Am Samstag schlenderte Leonore Gewessler durch einen Markt in Graz, am Nachmittag war sie mit Jugendlichen Billard spielen, am Abend besuchte sie den Regenbogenball. Der Tag davor war mit Terminen in Niederösterreich gut ausgefüllt. Acht Monate nach ihrer Wahl zur Bundesvorsitzenden macht die ehemalige Klimaaktivistin Wahlkampf ohne Wahl vor der Nase.

Nach dem Ausscheiden aus der Regierung schienen die Grünen ausgebrannt und orientierungslos. Am 29. Juni 2025 übergab Werner Kogler den Parteivorsitz der nunmehrigen Oppositionspartei an Gewessler. Ein Wagnis.

Falls Kickl die Kapelle zum Dirigieren sucht – die sitzt hinter ihm
Falls Kickl die Kapelle zum Dirigieren sucht – die sitzt hinter ihm
Reuters

Die heute 48-Jährige hatte im Juni 2024 im EU-Rat gegen den Willen des Koalitionspartners ÖVP für das umstrittene Renaturierungsgesetz gestimmt. In ihrer eigenen Partei wurde sie damit zu einer grünen Jeanne d'Arc. Außerhalb stellten sich viele die Frage, ob die Rebellin das Zeug dazu hat, breitere Wählerschichten anzusprechen.

Das erscheint nötig, denn das politische Programm der Grünen bestand bisher aus Klimaschutz, dann etwas Klimaschutz und schließlich Klimaschutz. Das mag eine ungerechte Verknappung sein, aber wer in der Politik Gerechtigkeit sucht, schwänzt einen anderen Beruf.

Das Problem mit dem Klimaschutz ist, dass sich niemand mehr dafür interessiert. Das ist natürlich eine grobe Überzeichnung und die zweite Ungerechtigkeit auf engem Raum. Die Erkenntnis kommt der Realität aber recht nahe.

Klimaschutz war mehrere Jahre lang ein Zauberwort und ein Türöffner. Keine Partei kam ohne grüne Agenda aus. Der Green Deal hatte auf EU-Ebene höchste Priorität. Unternehmen zogen sich ein grünes Mäntelchen an, Medien richteten Klimaseiten ein. Österreich und die Welt ritten aus, um den Erdball zu retten.

Nun aber soll sich der Erdball um sich selbst kümmern. Der Klimaschutz kommt in der öffentlichen Debatte kaum mehr vor. Das Geld zog weiter, die Politik auch. Umweltgesetze werden rückabgewickelt, Medien stellten ihre Ökoseiten ein.

Bier her, Bier her, oder ich fall um
Bier her, Bier her, oder ich fall um
Reuters

Für eine Partei, die sich mehr oder weniger allein dem Klimaschutz verschrieben hatte, stellte das ein Problem dar. Die Grünen mussten also, um überlebensfähig zu sein, nach einem zweiten Thema suchen. Es fiel ihnen zu.

Im Wahlkampf 2024 forderte Andreas Babler eine Erbschaftssteuer und eine Steuer für Superreiche und das ultimativ. Das Verlangen hatte ihn zum SPÖ-Parteichef gemacht, jetzt sollte es ihn ins Kanzleramt spülen. Babler machte die Forderung zur Koalitionsbedingung. Reichensteuer oder die SPÖ ist raus!

Es kam anders. Im Regierungsprogramm findet sich weder eine Abgabe für Erben noch eine für Superreiche, ÖVP und NEOS wollten das nicht. Das Thema Gerechtigkeit aber blieb, das Feld wird nun allerdings von anderen beackert und könnte reiche Ernte bringen.

Am 11. Februar starteten die Grünen eine Petition, sie trägt den Titel "Superreiche fair besteuern". Ziel: Die Einführung einer Erbschaftssteuer ab einer Million Euro. Das wollte die SPÖ auch, jetzt darf sie das nicht mehr wollen.

Für Andreas Babler ist das mehr als ein Dilemma. Der politische Gegner geht nun mit seiner Idee hausieren und er kann nichts dagegen machen, außer die Fäuste in den Hosentaschen zu ballen.

Halb-Trachtenpärchen: Leonore Gewessler mit Werner Kogler beim Steirerball 2026 in der Hofburg
Halb-Trachtenpärchen: Leonore Gewessler mit Werner Kogler beim Steirerball 2026 in der Hofburg
APA-Images / Starpix

Die Forderung der Grünen ist natürlich rotzfrech. Die Partei saß fünf Jahre lang in der letzten Regierung, das Thema Reichensteuer schaffte es in dieser Zeit nicht über die Stammtische hinaus. Kaum ist die Koalition vorbei, schwuppdiwupp, geht man wieder auf Milliardärsjagd.

Rotzfrech, aber möglicherweise erfolgreich.

Die SPÖ zittert sich derzeit ihrem Parteitag entgegen. Er findet am 7. März in der Messe Wien statt und alle Augen sind auf das Wahlergebnis von Andreas Babler gerichtet. Es ist der falsche Blickwinkel, die Gefahr lauert woanders.

Leonore Gewessler könnte es gelingen, viele relevante Themen aufzusammeln, die von der SPÖ in der Regierung am Weg liegengelassen werden müssen. Das könnte die Grünen zu einer recht mittigen Volkspartei machen, die den Platz der Sozialdemokratie einnimmt. Dort könnte sie Menschen ansprechen, die bisher Rot gewählt haben.

Die grüne Petition haben bisher 28.000 Menschen unterschrieben. Andreas Babler wird sich etwas einfallen lassen müssen.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin: Kulturminister Andreas Babler mit seinem deutschen Amtskollegen Wolfram Weimer auf dem Red Carpet der Berlinale
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin: Kulturminister Andreas Babler mit seinem deutschen Amtskollegen Wolfram Weimer auf dem Red Carpet der Berlinale
APA-Images / dpa / Christoph Soeder

Ich wünsche einen wunderbaren Sonntag. Ich nutze den Platz am Ende für eine persönliche Einschaltung, wenn Sie erlauben. NewsFlix, der Beherbergung-Betrieb der Kopfnüsse, ist ab jetzt in der österreichischen Webanalyse (ÖWA) vertreten. Für den Jänner wurden schon 403.170 Unique Clients ausgewiesen, von so vielen Endgeräten wurde also im Monat auf NewsFlix zugegriffen.

Ich könnte jetzt sagen, das ist nicht einmal zwei Jahre nach Start atemberaubend, wenn nicht sensationell. Aber das mache ich natürlich nicht, denn ich bin ja befangen. Bis in einer kleinen Weile!

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