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Das Küniglberg-Protokoll: Warum es im ORF Bangaranga spielt

10 Kandidaten, 3 Hearings und 1 neuer Geheimfavorit: Im ORF-Wahlkampf steckt schon mehr Bangaranga als im ESC-Siegertitel. Das Schaulaufen, wie der Plan des Kanzleramts ins Schleudern geriet und wer nun das Momentum auf seiner Seite hat.

Markus Breitenecker hat keine Chance und die will er jetzt nutzen
Markus Breitenecker hat keine Chance und die will er jetzt nutzenAPA-Images / EXPA / Johann Groder
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Akt. 24.05.2026 02:12 Uhr

Der Kanzler ist jetzt per Du mit uns. Das liegt im Trend, es schafft Nähe und darum wird es in diesem Sommer gehen. Nähe schaffen. Österreich mutiert im Juli und August 2026 zur landesweiten Kuschelzelle.

Die Politik geht auf Wanderschaft, sie möchte die Menschen kennenlernen, denen sie sich im Rest des Jahres zumutet. Nur damit niemand nachher enttäuscht ist: Überschäumende Dankbarkeit sollte nicht erwartet werden.

Der Vizekanzler ist bereits unterwegs, er hält "Townhall-Meetings" ab. Die Idee kommt ursprünglich aus den USA, früher sagte man Bürgerforum dazu, aber Townhall hat natürlich einen größeren Resonanzkörper.

Andreas Babler bereist im Sommer mehrere Bundesländer, bei einigen Terminen lässt er sich von Frauenministerin oder Justizministerin vertreten. Vielleicht, weil er sich ein paar Tage Urlaub gönnen will, um im aqua splash-Erlebnisbad von Traiskirchen über den Umweg einer Arschbombe Abkühlung zu finden.

Beate Meinl-Reisinger will in den Ferien ein paar Betriebsbesuche absolvieren, Leonore Gewessler setzt ihre Gasthaustour fort. Man kann schon seit dem Vorjahr "Auf ein Bier mit Leonore" gehen. Auch die Grünen-Chefin ist durchgängig per Du mit uns.

Bei der Christa werde ich mir im Sommer den Kummer von der Seele reden
Bei der Christa werde ich mir im Sommer den Kummer von der Seele reden
APA-Images / Starpix

Wer sich verbrüdern wollte, musste früher in den schwedischen Holzmöbelmarkt eintauchen, da trugen Sessel und Betten ulkige Namen. Jetzt redet uns sogar der Kanzler per Video kumpelhaft an.

Christian Stocker meldete sich in dieser Woche aus seinem Büro, um uns seine persönliche Sommergestaltung zu offenbaren. Der Kanzler hatte das Sakko abgelegt und die Ärmel seines weißen Hemdes aufgekrempelt, so als stünde er unmittelbar davor, ein paar Usambaraveilchen umzutopfen. Dabei wollte er sich nur mit uns verpartnern.

Das rund eine Minute lange Video muss recht spontan entstanden sein, denn als die Kamera den Kanzler einfängt, hält er noch eine weiße Mappe in der Hand, auf die er erwartungsfroh blickt. Auf dem Deckel ist allerdings nichts zu lesen, und als Stocker das bemerkt, wendet sich seine gesamte Aufmerksamkeit uns zu.

"Ich bin überzeugt, man kann ein Land nur dann gut gestalten, wenn man draußen bei den Menschen ist," sagt der Kanzler. Drinnen im Kanzleramt.

Dann geht er ein paar Schritte um seinen Schreibtisch herum und am Porträt von Leopold Figl vorbei und erklärt, warum es ihn so nach draußen drängt. "Was die Menschen wirklich beschäftigt, das erfährt man nicht in Konferenzräumen oder bei Sitzungen und schon gar nicht aus Umfragen."

Na, der Magyar Peter kommt auch schon ganz schön schwer aus der Limo
Na, der Magyar Peter kommt auch schon ganz schön schwer aus der Limo
Helmut Graf

Die Duzfreunde aus dem Ministerrat werden mit Enttäuschung vernommen haben, dass der Kanzler Sitzungen für weltfremd hält. Aber vielleicht bessert sich das über die Ferien, wenn Stocker von den Menschen da draußen die Meinung gesagt bekommt und Konferenzräume für ihn zu Sehnsuchtsorten werden.

Den gesamten Sommer über werde er in Österreich unterwegs sein, um Gespräche zu führen, kündigt der Kanzler an. "Mit Euch." Um zu erfahren, "was Euch bewegt". Er hat inzwischen in einem schwarzen Fauteuil Platz genommen, die Usambaraveilchen müssen warten. Er freue sich schon "auf die Gespräche mit Euch" sagt Stocker. "Bis bald!"

Dieses "bis bald" ist recht bald. Am 16. Juli geht es in Niederösterreich los. Nicht im Wirtshaus bei Bier auf Bauernkaro-Tischtüchern und unter Schalmeienklängen der John Otti Band, sondern im "Haus der Digitalisierung" Tulln. Am 23. Juli folgt das Management Center Innsbruck. 9 Plätze – 9 Schätze.

Messerschleifer gibt es am Rande der Veranstaltungen keine wie bei der FPÖ und auch keine Schneiderin, die Hosen kürzt oder Löcher flickt. Aber man kann sich vor Ort die ID Austria reparieren lassen.

Für die Tournee "Österreich im Gespräch" hat sich Stocker den Sommer zugepflastert, Grado geht sich heuer höchstens ein paar Tage dazwischen aus. Die Vorarbeiten sind schon angelaufen, denn der Kanzler muss Menschen draußen finden, die mit ihm drinnen in einen Dialog eintreten möchten.

Das hinter dem Soldaten mit der halben Erdbeere am Kopf, das ist übrigens die Bauer Claudia ...
Das hinter dem Soldaten mit der halben Erdbeere am Kopf, das ist übrigens die Bauer Claudia ...
Helmut Graf
... du wirst dich vielleicht noch erinnern, die hat früher Plakolm geheißen
... du wirst dich vielleicht noch erinnern, die hat früher Plakolm geheißen
Helmut Graf

Stocker unplugged ist keine Veranstaltung der ÖVP, sondern des Kanzleramts. Es gibt dort ein Budget dafür, aber die Höhe ist geheim. Das Usambaraveilchen vor Ort ist Christa Kummer, die frühere Wetter-Moderatorin des ORF führt durch die Veranstaltungen. Ihre Gage ist Teil des Budgets und damit selbstredend ebenfalls geheim.

Seit dieser Woche kann man sich für die Séance anmelden, dafür ist ein Fragebogen auszufüllen. Darin erkundigt sich das Kanzleramt, welche Bildung man hat, was man so arbeitet und ob im Haushalt Kinder unter 14 Jahren leben. Auch die politische Einstellung ist von Relevanz, von "ganz links" bis "ganz rechts" ist alles möglich. Ein Tipp: Wer "weiß nicht" angibt, erhöht seine Chancen nicht gravierend.

Die Daten landen bei Peter Hajek, statt der Namen der Bewerber sieht der Meinungsforscher allerdings nur Chiffrenummern. Hajek legt die Angaben und die soziodemografischen Daten der Statistik Austria übereinander und erstellt daraus einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung. Bundesland für Bundesland.

Der Datensatz wandert dann, wieder Bundesland für Bundesland, an das Kanzleramt zurück. Dort werden die Chiffrenummern gegen echte Namen getauscht und die Betroffenen eingeladen. 200 Menschen da draußen sollen es pro Termin werden.

Auf den Veranstaltungen geht es dann eher karg zu. Kinobestuhlung, Christian Stocker und Christa Kummer stehen vorn, das Publikum sitzt wie eine Schulklasse da und so wird Thema für Thema abgearbeitet. Bei der Anmeldung werden zehn Gebiete angeboten, von "Familie & Frauen" bis "Migration". Wer sich nicht entscheiden kann, ist bei "Sonstiges" gut aufgehoben.

Zu essen gibt es nichts, aber zu trinken. Nach zwei Stunden ist Schluss, der Kanzler bleibt aber noch eine kleine Weile für persönliche Fragen und Selfies. Ob er auch das Publikum dabei durchgängig duzt, wird wohl situationselastisch entschieden.

Ich habe leider keine Ahnung, wie der Typ neben mir heißt ...
Ich habe leider keine Ahnung, wie der Typ neben mir heißt ...
Helmut Graf
... aber schlauerweise habe ich mir einen Schummelzettel gemacht ...
... aber schlauerweise habe ich mir einen Schummelzettel gemacht ...
Helmut Graf
... verflixt, ist Stocker jetzt der Name oder der Amtstitel?
... verflixt, ist Stocker jetzt der Name oder der Amtstitel?
Helmut Graf

Die wichtigste Frage des Medienjahres 2026 dürfte zu diesem Zeitpunkt schon beantwortet sein. Wer wird ab 1. Jänner 2027 Badewaschl im größten Medienplanschbecken des Landes? Das zunehmende Gedränge unter den Beckenrandspringern führte diese Woche dazu, dass ein individuelles Ausdrucksmittel fast schon beängstigend populär wurde – das Gesichtsbad.

Am Dienstag lud Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer zu einem Medienempfang in Wien. Gleich vier Anwärter auf die ORF-Beletage schnauften den Hügel zum Lokal "Am Reisenberg" hinauf, darunter Lisa Totzauer, die ihre Bewerbung erst am selben Tag öffentlich gemacht hatte.

Ebenfalls am Dienstag präsentierte Wolfgang Fellner im Wiener Media Tower seine mit der ortsüblichen Bescheidenheit verfasste Zusammenfassung seines bisherigen Wirkens. Neben Clemens Pig erschien auch Heinz Lederer, Stiftungsrats-Vorsitzender des ORF, und empfahl seinem Haussender, sich doch die TV-Darreichung "Fellner live" als Vorbild zu nehmen.

"Man kann sich manchmal als ORF daran einiges abschauen", sagte Lederer. Ich freue mich schon auf "Schnabl live" nach der sanften Umpositionierung ihrer Sonntagabend-Talkshow.

So, gemma dann endlich? ...
So, gemma dann endlich? ...
Helmut Graf
... jetzt aber Dalli Dalli ...
... jetzt aber Dalli Dalli ...
Helmut Graf
... für einen Buddha macht der ganz schön einen Druck
... für einen Buddha macht der ganz schön einen Druck
Helmut Graf

Am Donnerstag verfügte sich die geschlossene Mediengesellschaft schließlich nach Seefeld, um sich einmal auswärts darüber einig zu sein, dass alles den Bach hinuntergeht. Auch Tirol muss auf die Apokalypse vorbereitet werden.

Zur "Sonderedition Europäischer Mediengipfel 2026" reisten drei mögliche Kandidaten auf das ORF-Hochamt an. Sie trafen dort auf die aktuelle Hochamt-Inhaberin Ingrid Thurnher. Am Podium gab Markus Breitenecker bekannt, dass er sich eine Kandidatur überlege, schlief dann eine Nacht darüber und gab dann seine Kandidatur bekannt. Speed kills, auch nächtens!

Breitenecker bewarb sich am Freitag mit einem Video auf LinkedIn für den ORF-Posten. Nicht im Hoodie, seinem langjährigen Markenzeichen, sondern in Anzug und weißem Hemd. An der Adjustierung wird die Beförderung auf den Küniglberg nicht scheitern.

So, jetzt ziehe ich meine Bewerbung für den ORF aus der Tasche ...
So, jetzt ziehe ich meine Bewerbung für den ORF aus der Tasche ...
Helmut Graf
... reingelegt, das ist nur eine leere Hülle ....
... reingelegt, das ist nur eine leere Hülle ....
Helmut Graf
... den Schmäh kenn' ich aus dem Ministerrat
... den Schmäh kenn' ich aus dem Ministerrat
Helmut Graf

Ehe sich diese Woche das Meer auftat, schien die See ruhig. Der Kanzler und vorrangig sein Generalsekretär Nico Marchetti hatten entschieden, dass sie Clemens Pig als ihren ORF-Kandidaten auf einer Schwimmnudel zu Wasser lassen möchten.

Der Vorstand der Nachrichtenagentur APA schien auch das Vertrauen der SPÖ zu genießen. Da sich Ingrid Thurnher gegen ein Antreten entschieden hatte, schien die Wahl klar: Pig wird's.

Ein paar Tage später schaut die Sachlage nun aber gänzlich anders aus. Das liegt auch daran, dass die Volkspartei feststellen musste, dass es nicht nur von der SPÖ mehrere Versionen gibt, sondern auch von ihr selbst. Pig ist zwar nach wie vor der Kandidat der ÖVP, die Frage ist nur, von welcher?

Die Volkspartei hat sich ohne Zweifel in eine Sackgasse manövriert. Nach dem Fall Wöginger wäre ihr etwas Demut gut zu Gesicht gestanden. So aber legte sie sich frühzeitig auf Pig fest, eine parteiinterne Intrige machte die Personalie öffentlich. Ein Waterloo.

Das Gesamtbild wirkte, als würde die ÖVP versuchen, die Phantomschmerzen der Postenschacher-Affäre aus Trotz mit einer neuen Portion Postenschacher zu lindern. Das schaffte keine Erleichterung, sondern sorgte für erweitertes Sodbrennen.

Wieso sitzt denn der Gschniegelte auf mein Platz? Des is dei Nachfolger, Gust ...
Wieso sitzt denn der Gschniegelte auf mein Platz? Des is dei Nachfolger, Gust ...
Helmut Graf
... Hallo!
... Hallo!
Helmut Graf

Als das zu bemerken war, machte die ÖVP den Sack nicht zu, sondern fuhr immer tiefer in die Sackgasse hinein.

ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti warb öffentlich dafür, dass sich Clemens Pig bewirbt, erklärte, dass "jemand von außen" den ORF sanieren sollte und der Küniglberg ohnehin "ein Rendezvous mit der Realität" nötig habe. Diese Nassforschheit fällt dem Kanzler nun auf den Kopf.

Denn es verbleiben nur zwei Optionen und keine davon führt zu Triumphgeheul: Wenn Pig gewinnt, dann tritt er sein Amt punziert als Kandidat der ÖVP an. Die vergangenen Tage haben ihn ohne Eigenverschulden übel beschädigt und sein Erfolg gilt keineswegs mehr als gesichert.

Fällt Pig bei der ORF-Wahl aber tatsächlich durch, ist das ein herber Gesichtsverlust für Stocker. Intern und extern. Nicht ganz Kreisky und Zwentendorf, aber die Richtung stimmt.

Ein kluger Berater würde Stocker empfehlen, die Reißleine zu ziehen. Da er sich zur Bewerbung von Pig noch nicht geäußert hat, könnte er sich Van der Bellen-artig zu Wort melden, ein faires Verfahren versprechen, die Vielzahl der guten Kandidaten loben und festhalten, dass eine ganze Reihe von ihnen in der Lage wäre, den ORF in eine sichere Zukunft zu führen. Zur Not auch per Du.

Das würde den Druck aus dem Kessel nehmen. Nicht ganz, aber ein wenig.

Das Auge des Gesetzes ...
Das Auge des Gesetzes ...
Helmut Graf
... ruht nie
... ruht nie
Helmut Graf

Es geht nun ohnehin Schlag auf Schlag. Bis zum Wochenende haben sich bereits mehr als zehn Personen beim Stiftungsrat beworben. Beileibe nicht alle davon sind Juxkandidaten und noch lauern einige Bewerber hinter der Hecke auf den richtigen Moment.

In der kommenden Woche endet die Bewerbungsfrist. Wer im ORF ganz nach oben will, kann sich noch bis zum 28. Mai um Mitternacht melden. So richtig los geht es am Catwalk erst danach. In einem Jahr ohne Wahl erlebt Österreich einen Fernseh-Wahlkampf ums Fernsehen. Mit gleich drei Hearings, zwei davon werden im TV übertragen.

Am 1. Juni tagt zunächst die Findungskommission. Die Gruppe, gebildet aus einigen Stiftungsräten, soll die Spaßkandidaten aussieben und festlegen, wer zum offiziellen Hearing zugelassen wird. Ehe das offizielle Hearing stattfindet, gibt es aber noch zwei inoffizielle Hearings.

Die erste Anhörung startet gleich am Tag danach. Am 2. Juni lädt Puls 4 die aussichtsreichsten Kandidaten zur Präsentation ihrer Vorstellungen ein.

Knapp eine Woche später ist dann der ORF selbst dran. Was bereits vor den Wahlen zum Generaldirektor 2016 und 2021 weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hat, feiert nun unter grellem Scheinwerferlicht ein Comeback: Ein Hearing ausgewählter Bewerber, zu sehen auf ORF III.

Vor fünf Jahren wurde die Show von Ingrid Thurnher moderiert. Das Schicksal hat manchmal einen seltsamen Humor.

Gratulation zum Schnürlsamt-Anzug, die 70er-Jahre sind ja wieder total in
Gratulation zum Schnürlsamt-Anzug, die 70er-Jahre sind ja wieder total in
Helmut Graf

Im Wildgerlostal ist es ohne Zweifel wunderschön, und Krummbach ist sicher der Himmel auf Erden. Am 8. Juni wird man das aber nicht feststellen können, denn statt des im Moment noch im Programm befindlichen Kleinods "Klingendes Österreich" läuft um 18 Uhr das zweite inoffizielle Hearing vor der Wahl.

120 Minuten Sendezeit sind auf ORF III eingeplant, aber wie viele Kandidaten gibt es dabei zu beamtshandeln? Zwei? Fünf? Zehn? Jeder soll 15 Minuten Zeit bekommen, sich zu präsentieren, die Fragen stellt eine Moderatorin, die Stiftungsräte sind als stummes Publikum geladen.

Ihre Stunde schlägt erst am 11. Juni. Am Tag der Wahl findet das eigentliche Hearing der Kandidatinnen und Kandidaten statt, diesmal allerdings hinter verschlossenen Türen.

Ob sich Clemens Pig überhaupt bewirbt, ist noch unklar. Krone-Hit-Chef Philipp König wackelt. Bei Johannes Larcher, österreichischer Medienmanager in den USA, könnte es was werden. Ein Thurnher-Comeback scheint dagegen außer Griffweite.

Der frühere Henkel-Manager Ernst Primosch ist fix. ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer auch. Der neue Favorit auf den Job ist allerdings Markus Breitenecker. Er hat aktuell das Momentum auf seiner Seite.

Wer das Momentum auf seiner Seite ziehen konnte, hat allerdings im selben Momentum viele neue Feinde, zuzüglich zu den alten. Das passiert jetzt.

Kann ich mir den kurz ausborgen? ...
Kann ich mir den kurz ausborgen? ...
Helmut Graf
... Grüß Gott, Herr Gödl, ich bin die mit dem guten Klima
... Grüß Gott, Herr Gödl, ich bin die mit dem guten Klima
Helmut Graf

Hat Breitenecker sich nicht hin und wieder in der Vergangenheit abfällig über den ORF geäußert? Kann man jemandem, in dessen Amtszeit die ATV-Schmuddelserie "Das Geschäft mit der Liebe" ins Programm gerückt wurde, tatsächlich Public Value überantworten? Die Büchse der Pandora ist längst geöffnet. Der ORF-Wahlkampf wird kein Geschäft mit der Liebe.

Breiteneckers Vorteil? Er hat in seinem bisherigen Leben das TV-Geschäft durchgespielt. Wetterkanal, Kabel 1, ProSieben in Deutschland, dann Puls 4, Austria 9, ATV, ProSiebenSat1Puls4 in Österreich. Im April 2024 wurde er Chief Operating Officer bei ProSiebenSat1 in München.

Als die Medienholding von Silvio Berlusconi einstieg, war die Reise im Oktober 2025 zu Ende. Eine Abfindung von 3,2 Millionen Euro gestaltete den Abflug erträglich.

Nun wieder Wien? Breitenecker ist exzellent vernetzt, er weiß relevante Teile der Wirtschaft hinter sich, viele große Namen sind darunter. Sein Konzept ist ebenfalls von viel Public Value-Gedankengut durchzogen, aber Breitenecker hat nicht allein den ORF im Blick, sondern den gesamten Medienstandort Österreich. Das könnte der Politik gefallen.

Der 57-Jährige hatte sein Erweckungserlebnis am 30. April. An diesem Tag veröffentlichte der Stiftungsrat die "Ausschreibung der Funktion des Generaldirektors bzw. der Generaldirektorin des ORF" und der Wiener TV-Manager stellte fest, dass der Job für ihn wie maßgeschneidert schien.

Bis auf ein Kriterium vielleicht. Der Empfehlung, dass "Bewerbungen von Frauen besonders erwünscht sind", konnte er nicht nähertreten. Das macht nichts, der Stiftungsrat hält das auch nicht mehr für besonders wichtig.

Auf eines möchte ich schon noch hinweisen: Der ORF muss ...
Auf eines möchte ich schon noch hinweisen: Der ORF muss ...
Sabine Hertel
... breiter werden ....
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Sabine Hertel
... und größer ...
... und größer ...
APA-Images / EXPA / Johann Groder
... und enger gefasst ...
... und enger gefasst ...
Sabine Hertel
... vor allem aber mit mir
... vor allem aber mit mir
APA-Images / EXPA / Johann Groder

Am Donnerstag traf im Medienministerium in Wien eine E-Mail aus Graz ein. Die Stabsstelle Präsidialamt und interne Revision der steirischen Landesverwaltung setzte Andreas Babler über eine ORF-Personalie in Kenntnis. Die Steiermark entsendet nunmehr Ernst Sittinger in den Stiftungsrat.

Der Jurist und Journalist, der erst vor Kurzem von der Kleinen Zeitung ausgeschieden wurde, darf also am 11. Juni den künftigen Generaldirektor mitwählen. Sittinger treibt aber eine andere Idee um. Er überlegt, einen Freundeskreis der Freundeskreis-Fremden zu gründen. Zur Not mit ihm als einziges Mitglied.

Wenn das niemand anderer macht, ...
Wenn das niemand anderer macht, ...
Helmut Graf
... muss ich mir halt selbst auf die Schulter klopfen
... muss ich mir halt selbst auf die Schulter klopfen
Helmut Graf

Ich wünsche einen wunderbaren Sonntag. In der kommenden Woche geht der Mai zu Ende und die Politik scheint das erneut so überraschend zu treffen, wie es sie auch Ende April überraschend getroffen hat, dass der April zu Ende geht.

Es wird sich also ein Schauspiel wiederholen, das wir schon zweimal dargeboten bekamen. Die Koalition wird sich darüber einigen müssen, ob sie Diesel und Benzin weiter subventionieren will oder nicht. Zuletzt hatte das für verhaltensauffällige Debatten gesorgt.

Die ÖVP möchte sich mit der Spritpreisbremse aber erst ab Dienstag beschäftigen. Der SPÖ-Finanzminister will zunächst ausrechnen lassen, ob sich von der Mehrwertsteuer noch Geld abzweigen lässt, um die Mineralölsteuer (MöSt) weiterhin abzusenken. Die NEOS wiederum gehen davon aus, dass die MöSt-Senkung weiterläuft, die Margenbegrenzung für die Mineralölindustrie aber fällt.

Kanzler Stocker wird wieder nicht dazukommen, die Usambaraveilchen umzutopfen. Bitter!

Bis in einer kleinen Weile!

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Akt. 24.05.2026 02:12 Uhr