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SCHLEUDERSITZ

Briten-Premier: Wieso Starmers Nachfolger nicht zu beneiden ist

Geordnete Übergabe statt wilder Kampf: Sir Keir Starmer gibt die Schlüssel für Downing Street 10 Anfang Juli an seinen Labour-Parteifreund Andy Burnham weiter. An den Problemen des Landes – und des Premierministers – wird das allerdings nur wenig ändern.

Von The Economist
Briten-Premier: Wieso Starmers Nachfolger nicht zu beneiden ist
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NANCY-GUTHRIE-ENTFÜHRUNG Opfer starb angeblich nach Kidnapping

Worum geht es? Im Entführungsfall von Nancy Guthrie, der Mutter der US-TV-Moderatorin Savannah Guthrie, gibt es eine dramatische Wendung. Ermittler haben bestätigt, dass ein zweites Erpresserschreiben tatsächlich die Behauptung enthält, die 84-Jährige sei tot.

Wer ist Nancy Guthrie? Die 84-Jährige verschwand am 1. Februar 2026 aus ihrem Haus nahe Tucson im Bundesstaat Arizona. Sie ist die Mutter der bekannten "Today Show"-Moderatorin Savannah Guthrie. Ermittler gehen seit Beginn davon aus, dass sie entführt wurde. Blutspuren an ihrem Haus und Aufnahmen einer Überwachungskamera deuteten früh auf ein Gewaltverbrechen hin.

Was stand in den ersten Erpresserbriefen? Kurz nach ihrem Verschwinden erhielten Medien und Ermittler Nachrichten, in denen vier Millionen Dollar Lösegeld in Bitcoin gefordert wurden. Die Verfasser verfügten offenbar über Informationen, die nur die Entführer oder Personen mit direktem Wissen über die Tat kennen konnten. Deshalb stuften die Behörden die Schreiben als glaubwürdig ein.

Was ist jetzt neu bekannt geworden? Bislang war öffentlich nicht bekannt, was in einem zweiten Schreiben stand. Mehrere US-Medien berichten nun übereinstimmend, dass darin behauptet wurde, Nancy Guthrie sei nach ihrer Entführung gestorben. Nach Informationen von ABC News hieß es sogar, sie sei "in der Natur begraben" worden. Ermittler haben die Existenz dieses Schreibens bestätigt.

Bedeutet das, dass Nancy Guthrie tatsächlich tot ist? Nein. Genau das wissen die Ermittler bis heute nicht. Die Behörden betonen, dass die Aussagen in den Schreiben nicht verifiziert werden konnten. Es bleibt möglich, dass die Entführer gelogen haben oder die Nachrichten gar nicht von den Tätern stammen. Bislang wurde weder eine Leiche gefunden noch ein Verdächtiger festgenommen.

Wie reagierte die Familie? Savannah Guthrie veröffentlichte damals gemeinsam mit ihren Geschwistern eine emotionale Videobotschaft. Darin wandte sie sich direkt an die mutmaßlichen Entführer und erklärte, die Familie sei bereit zu zahlen. "Wir haben eure Nachricht erhalten", sagte sie. Gleichzeitig flehte sie um die Rückkehr ihrer Mutter.

Gab es Fehler bei den Ermittlungen? Genau darüber wird inzwischen diskutiert. Laut mehreren Berichten versuchten FBI und Ermittler zunächst, die Bitcoin-Adresse der Erpresser nachzuverfolgen, statt die geforderte Summe zu zahlen. Dabei überwiesen sie lediglich einen kleinen Testbetrag von 152 Dollar. Kritiker vermuten, dass dadurch eine mögliche Kommunikationslinie zu den Tätern verloren ging. Die Behörden weisen den Vorwurf zurück.

Gibt es Verdächtige? Bis heute nicht. Trotz monatelanger Ermittlungen, Tausender Hinweise und einer Millionen-Belohnung wurde niemand als Täter identifiziert. Die Ermittler sprechen von einem der schwierigsten Entführungsfälle der vergangenen Jahre.

Warum sorgt der Fall in den USA für so viel Aufmerksamkeit? Zum einen wegen Savannah Guthries Bekanntheit als eines der Gesichter des amerikanischen Frühstücksfernsehens. Zum anderen wegen der ungewöhnlichen Entwicklung der Ermittlungen: Entführung, Lösegeldforderungen, widersprüchliche Nachrichten und nun die Behauptung, das Opfer sei tot. Viele Beobachter vergleichen die öffentliche Aufmerksamkeit bereits mit anderen großen amerikanischen Vermisstenfällen.

EXPLOSION IN KATAR 13 Tote in Anlage für Flüssiggas-Export

Worum geht es? In Katar hat sich in einer der wichtigsten Erdgasanlagen des Landes eine schwere Explosion ereignet. Mindestens 13 Menschen kamen ums Leben, weitere 66 wurden verletzt. Der Unfall traf die Industriezone Ras Laffan, in der sich die weltweit größte Anlage für den Export von Flüssigerdgas (LNG) befindet.

Was ist passiert? Die Explosion ereignete sich am Sonntagabend. Augenzeugen berichteten von einem gewaltigen Feuerball, der den Himmel über der Region orange färbte. Die Druckwelle war noch in der Hauptstadt Doha zu spüren, mehr als 70 Kilometer entfernt.

Wer sind die Opfer? Nach Angaben der Behörden starben mindestens 13 Menschen, weitere 66 wurden verletzt. Katarische Regierungsvertreter erklärten, bei den Todesopfern handle es sich ausschließlich um Arbeiter aus Indien und Pakistan.

Handelt es sich um einen Anschlag? Nein, nach derzeitigem Stand nicht. Katars Energieminister Saad Sherida al-Kaabi sprach von einem "technischen Unfall" und betonte ausdrücklich, es gebe keine Hinweise auf Sabotage oder einen feindlichen Angriff.

Warum sorgt der Vorfall trotzdem für Aufmerksamkeit? Weil Ras Laffan eine der wichtigsten Energieanlagen der Welt ist. Der Hafen gilt als größter künstlicher Hafen der Erde und ist das Zentrum der katarischen LNG-Industrie. Katar gehört zu den größten Erdgasexporteuren der Welt und versorgt zahlreiche Länder in Europa und Asien.

Gab es zuvor Sicherheitsprobleme? Ja. Während des jüngsten Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran war Ras Laffan Ziel iranischer Angriffe geworden. Dabei wurden Teile der Infrastruktur beschädigt. Die Regierung betont allerdings, dass die aktuelle Explosion nach bisherigen Erkenntnissen nicht mit diesen Angriffen zusammenhängt.

Was könnte die Ursache gewesen sein? Die Ermittlungen laufen noch. Auffällig ist jedoch, dass die Anlage erst vor wenigen Tagen wieder in Betrieb genommen worden war. Seit Dezember 2025 war die Produktion wegen umfangreicher Wartungsarbeiten vollständig eingestellt gewesen. Die Explosion ereignete sich während der Wiederaufnahme des Betriebs.

Wie schwer sind die Schäden? Das Ausmaß ist noch nicht vollständig bekannt. Das Feuer konnte zwar unter Kontrolle gebracht werden, doch Experten gehen davon aus, dass die Reparaturen Jahre dauern könnten. QatarEnergy schätzt, dass die LNG-Produktion für drei bis fünf Jahre um rund 12,8 Millionen Tonnen pro Jahr sinken könnte.

Hat der Unfall Auswirkungen auf die Energieversorgung? Kurzfristig versucht die Regierung, die Märkte zu beruhigen. Energieminister al-Kaabi erklärte, die Exporte würden vorerst nicht beeinträchtigt. Langfristig könnten die Schäden jedoch die Produktionskapazitäten des Landes verringern und Auswirkungen auf den weltweiten LNG-Markt haben.

PAPIERROLLE IM AUSSCHNITT Star- Dirigent soll Frau belästigt haben

Worum geht es? Der britische Star-Dirigent John Eliot Gardiner steht im Zentrum eines Sex-Skandals. Beim Bachfest Leipzig soll der 83-Jährige eine Mitarbeiterin des Festivals bedrängt haben. Die Frau hat nach eigenen Angaben Strafanzeige erstattet. Das Bach-Archiv Leipzig spricht von einem "grenzüberschreitenden Verhalten", während Gardiner den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs zurückweist.

Was soll passiert sein? Der Vorfall ereignete sich nach einem Konzert Gardiners in der Leipziger Thomaskirche. Nach Angaben der Betroffenen soll der Dirigent sie vor zahlreichen Zeugen körperlich bedrängt haben. Medienberichten zufolge existiert auch ein Video des Vorfalls, das den Ermittlern vorliegt.

Was soll der Dirigent getan haben? Laut dem Veranstalter habe die Mitarbeiterin dem Dirigenten direkt nach dem Konzert als Dankeschön eine Schriftrolle überreichen wollen. Gardiner habe die Rolle genommen und der Frau an ihre Halskette oder in den Ausschnitt ihres T-Shirts stecken wollen.

Hat die Frau Anzeige erstattet? Ja. Die Mitarbeiterin bestätigte, dass sie Strafanzeige gegen Gardiner gestellt habe. Die Polizei prüft nun den Sachverhalt. Über mögliche Ermittlungen oder konkrete Tatvorwürfe machten die Behörden zunächst keine Angaben.

Wie beschreibt das Bachfest den Vorfall? Das Bach-Archiv Leipzig bestätigte einen Vorfall und sprach von einem "grenzüberschreitenden Verhalten" des Dirigenten gegenüber einer Mitarbeiterin. Die Festivalleitung kündigte an, den Fall nach Abschluss des Bachfests sorgfältig aufzuarbeiten und mögliche Konsequenzen zu prüfen.

Was sagt John Eliot Gardiner selbst? Er weist die schwersten Vorwürfe zurück. Nach Angaben seines Umfelds habe es keinen sexuellen Übergriff gegeben. Er räumt jedoch ein, dass es zu einer Auseinandersetzung gekommen sei.

Wer ist John Eliot Gardiner? Gardiner gilt als einer der bedeutendsten Dirigenten für Alte Musik weltweit. Der Brite ist besonders für seine Bach-Interpretationen berühmt und war lange eng mit dem Bach-Archiv Leipzig verbunden. 2005 erhielt er die Bach-Medaille für sein Lebenswerk, später wurde er sogar Präsident der Stiftung Bach-Archiv Leipzig.

Ist Gardiner schon früher negativ aufgefallen? Ja. 2023 sorgte er international für Schlagzeilen, nachdem er bei den Berlioz-Festspielen in Frankreich einen Sänger körperlich angegriffen haben soll. Der Vorfall führte damals dazu, dass sich Gardiner zeitweise aus dem Konzertbetrieb zurückzog und mehrere Engagements absagte. Seitdem wird sein Umgang mit Mitarbeitern und Musikern kritisch beobachtet.

Warum ist der Fall für die Klassikszene so brisant? Weil Gardiner zu den einflussreichsten Dirigenten seiner Generation zählt. Seine Bach-Aufnahmen gelten als Referenzwerke, und gerade beim Bachfest Leipzig besitzt er eine besondere Bedeutung.

Wie geht es jetzt weiter? Zunächst müssen die Ermittlungsbehörden klären, was genau passiert ist. Parallel dazu will das Bach-Archiv den Vorfall intern untersuchen. Ob Gardiner künftig weiterhin beim Bachfest oder anderen großen Festivals auftreten wird, dürfte auch davon abhängen, welche Ergebnisse diese Untersuchungen liefern.

RICHTER STOPPT TRUMP Ermittlung gg. Gegner verfassungswidrig

Worum geht es? Ein US-Bundesrichter hat der Regierung von Donald Trump eine empfindliche Niederlage zugefügt. Das Gericht stoppte eine Untersuchung des Justizministeriums gegen demokratische Politiker in Minnesota, darunter Gouverneur Tim Walz.

Mit welcher Begründung? Der Richter kam zu dem Schluss, dass die Ermittlungen offenbar nicht der Strafverfolgung dienten, sondern dazu, politische Gegner unter Druck zu setzen.

Was war der Hintergrund? Die Trump-Regierung hatte Anfang des Jahres eine groß angelegte Untersuchung gegen mehrere demokratische Amtsträger in Minnesota eingeleitet. Im Mittelpunkt stand der Vorwurf, sie hätten die verschärften Maßnahmen der Bundesregierung gegen illegale Einwanderung behindert und Bundesbehörden bei Abschiebungen nicht ausreichend unterstützt.

Wer war betroffen? Zu den Adressaten der Vorladungen gehörten Gouverneur Tim Walz, Minnesotas Generalstaatsanwalt Keith Ellison sowie die Bürgermeister von Minneapolis und St. Paul. Das Justizministerium verlangte umfangreiche Unterlagen über den Umgang der Behörden mit Einwanderungsfragen und über ihre Zusammenarbeit mit Bundesbeamten.

Wie entschied jetzt das Gericht? Bundesrichter Patrick Schiltz kassierte die Vorladungen vollständig. In seiner Begründung schrieb er, die rechtliche Grundlage der Ermittlungen sei praktisch nicht vorhanden. Die verlangten Informationen hätten nur einen "äußerst schwachen bis gar keinen" Bezug zu möglichen Straftaten. Stattdessen sei der eigentliche Zweck offenbar gewesen, die betroffenen Politiker einzuschüchtern und zur Unterstützung der Einwanderungspolitik der Bundesregierung zu zwingen.

Warum ist das Urteil so bemerkenswert? Weil US-Richter nur sehr selten in laufende Ermittlungen von Grand Jurys eingreifen. Richter Schiltz betonte ausdrücklich, die Beweislage sei so ungewöhnlich eindeutig gewesen, dass ein Eingreifen notwendig sei. Er sprach von "überwältigenden Hinweisen", dass die Vorladungen nicht der Aufklärung möglicher Straftaten dienten.

Wie reagierten die Betroffenen? Tim Walz begrüßte die Entscheidung als "Sieg für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie". Generalstaatsanwalt Keith Ellison warf der Trump-Regierung vor, das Justizsystem gegen politische Gegner zu instrumentalisieren. Auch der Bürgermeister von Minneapolis sprach von einem Missbrauch staatlicher Macht.

Was sagt die Trump-Regierung? Das Ministerium verteidigte sein Vorgehen. Ein Sprecher erklärte, die Behörde nehme mögliche Behinderungen von Bundesbeamten sehr ernst und werde weiterhin im Rahmen der Gesetze ermitteln. Ob die Regierung gegen die Entscheidung vorgehen wird, ist offen.

ER HAT GAR NICHT GEBOHRT Wolfgang Porsche verkauft Tunnel-Villa

Worum geht es? Wolfgang Porsche will seine umstrittene Villa in Salzburg überraschend wieder verkaufen. Das historische Paschinger Schlössl am Kapuzinerberg, das in den vergangenen Jahren vor allem wegen eines geplanten Privattunnels Schlagzeilen machte, wird für 12,7 Millionen Euro angeboten (hier geht es zur Anzeige). Damit könnte eine der bekanntesten Immobilien Österreichs schon bald den Besitzer wechseln.

Was wird verkauft? Das sogenannte Paschinger Schlössl auf dem Kapuzinerberg oberhalb der Salzburger Altstadt verfügt über 616 Quadratmeter Wohnfläche, zwölf Zimmer und ein etwa 7.800 Quadratmeter großes Grundstück mit einem herausragenden Blick über die Stadt. Patriarch Wolfgang Porsche hatte die Villa 2020 für rund 8,4 Millionen Euro erworben und aufwendig sanieren lassen.

Warum ist die Villa so bekannt? Das Gebäude hat eine außergewöhnliche Geschichte. Dort lebte einst "Nannerl", die Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart. Noch berühmter wurde das Haus als Wohnsitz des Schriftstellers Stefan Zweig, der zwischen 1919 und 1934 dort wohnte und zahlreiche seiner Werke verfasste. Deshalb wird das Anwesen oft auch "Stefan-Zweig-Villa" genannt.

Warum sorgte das Haus zuletzt für Schlagzeilen? Vor allem wegen eines geplanten Privattunnels. Porsche wollte, von einer öffentlichen Garage im Berg abzweigend, eine rund 500 Meter lange unterirdische Zufahrt durch den Kapuzinerberg bauen lassen, die direkt zu einer Tiefgarage mit neun Stellplätzen unter dem Anwesen führen sollte. Das Projekt wurde von Kritikern als Symbol für die Privilegien der Superreichen bezeichnet und löste monatelange Proteste aus. 19.000 Menschen unterschrieben eine Petition dagegen.

Wurde der Tunnel genehmigt? Ja. Nach langen politischen Debatten erhielt das Projekt trotz des Widerstands der Bevölkerung grundsätzlich grünes Licht. Auf dem Immobilienmarkt wird die bereits genehmigte Tunnelzufahrt sogar ausdrücklich als besonderes Verkaufsargument hervorgehoben.

Wie teuer wäre der Bau der Zufahrt? Angeblich etwa zehn Millionen Euro, die Porsche gänzlich aus eigener Tasche finanzieren wollte.

Und weshalb braucht man den Tunnel überhaupt? Weil die bislang einzige Zufahrt zur Villa über eine steile und enge Straße führt, die vor allem im Winter aufgrund von Glatteis angeblich nur sehr schwer zu bewältigen sein soll.

Warum will Porsche die Villa nun verkaufen? Offiziell gibt es dazu keine Erklärung. Ein Immobilienmanager aus dem Umfeld Porsches bestätigte allerdings, dass Verkaufsüberlegungen bestehen. Dabei verwies er nicht nur auf die heftigen Auseinandersetzungen um den Tunnel, sondern auch auf eine aus seiner Sicht entstandene "Neiddebatte" rund um das Projekt.

Hat Wolfgang Porsche jemals dort gewohnt? Nach Medienberichten nicht dauerhaft. Die umfangreiche Sanierung der Villa wurde erst vor Kurzem abgeschlossen. Eigentlich galt das Anwesen als künftiger Wohnsitz des 83-jährigen Porsche-Aufsichtsratschefs. Umso überraschender kommt nun der mögliche Verkauf.

BAD SPERRT AUSLÄNDER AUS Mehr Sicherheit oder Diskriminierung?

Worum geht es? Ein Strandbad in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) sorgt mit einer neuen Einlassregel bundesweit für Diskussionen: Wer die Baderegeln nicht ausreichend auf Deutsch versteht, kann abgewiesen werden. Der Betreiber begründet die Maßnahme mit Sicherheitsbedenken, Kritiker werfen ihm dagegen Diskriminierung vor.

Was genau steht die neue Regel? Im Heidebad Halle werden Besucher seit wenigen Tagen darauf überprüft, ob sie die Baderegeln verstehen können. Entsteht am Eingang der Eindruck, dass eine Verständigung nicht möglich ist, kann der Zutritt verweigert werden. Nach Angaben des Betreibers handelt es sich nicht um ein pauschales Verbot für Ausländer, sondern um Einzelfallentscheidungen.

Warum wurde die Regel eingeführt? Auslöser war ein Vorfall am vergangenen Wochenende. Der Geschäftsführer des Bades, Mathias Nobel, der selbst Rettungsschwimmer ist, musste ein Kleinkind aus einem deutlich zu tiefen Bereich des Sees retten. Der Badesee ist bis zu 13 Meter tief. Der Betreiber befürchtet, dass Sicherheitsanweisungen oder Warnungen nicht verstanden werden könnten.

Was sagt der Betreiber? Nobel argumentiert, dass Badegäste die Regeln verstehen müssten, um sich selbst und andere nicht zu gefährden. Außerdem müssten Rettungsschwimmer Menschen im Notfall ansprechen und Anweisungen geben können. Gerade an stark besuchten Tagen sei es nicht möglich, sämtliche Regeln individuell in verschiedene Sprachen zu übersetzen.

Wie wird die Regel kontrolliert? Nach Angaben des Betreibers gibt es keinen offiziellen Sprachtest. Mitarbeiter entscheiden vor Ort, ob eine Verständigung ausreichend möglich erscheint. Seit Einführung der Regel seien einzelne Personen nicht eingelassen worden.

Warum gibt es Kritik? Kritiker halten die Regel für problematisch, weil sie Menschen aufgrund ihrer Sprachkenntnisse vom Zugang zu einer öffentlichen Freizeiteinrichtung ausschließen könnte. In sozialen Netzwerken und lokalen Medien wird diskutiert, ob Sicherheitsinformationen nicht stattdessen mehrsprachig bereitgestellt werden sollten.

Was sagen Experten? Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) weist grundsätzlich darauf hin, dass das Verständnis von Sicherheitsregeln im Schwimmbad wichtig ist. Gleichzeitig betonen Fachleute, dass Badeunfälle viele Ursachen haben können und mangelnde Deutschkenntnisse allein kein zuverlässiger Indikator für gefährliches Verhalten sind.

24 JAHRE FÜR EX-MINISTER Urteil setzt Regierung unter Druck

Worum geht es? Ein spektakuläres Korruptionsurteil erschüttert die spanische Politik: Der frühere Verkehrsminister José Luis Ábalos, einst einer der engsten Vertrauten von Ministerpräsident Pedro Sánchez, ist zu 24 Jahren Haft verurteilt worden.

Wofür? Das Gericht sprach ihn in mehreren Anklagepunkten schuldig, darunter Korruption, Veruntreuung öffentlicher Gelder und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.

Was wurde Ábalos vorgeworfen? Im Zentrum des Verfahrens steht die Beschaffung von Schutzmasken während der Corona-Pandemie. Nach Überzeugung des Obersten Gerichtshofs kassierte Ábalos Schmiergelder für die Vergabe millionenschwerer staatlicher Aufträge. Zudem soll er mit Vertrauten Einfluss auf Vergabeverfahren genommen und öffentliche Gelder zweckwidrig verwendet haben.

Wie lautet das Urteil? Der ehemalige Minister wurde zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt. Sein früherer Berater Koldo García erhielt wegen ähnlicher Vorwürfe 19 Jahre. Sie wurden u. a. wegen Korruption, Veruntreuung und illegaler Einflussnahme schuldig gesprochen.

Wer ist José Luis Ábalos? Er gehörte lange zu den mächtigsten Politikern Spaniens. Ábalos war nicht nur Verkehrsminister, sondern auch Organisationssekretär der regierenden Sozialistischen Partei (PSOE) und galt als enger Vertrauter von Regierungschef Pedro Sánchez. Sein politischer Absturz begann bereits 2021, als Sánchez ihn überraschend aus dem Kabinett entfernte.

Welche Folgen hat das für Regierungschef Sánchez? Politisch ist das Urteil äußerst unangenehm. Zwar richtet sich das Verfahren nicht gegen den Ministerpräsidenten selbst, doch Ábalos war jahrelang einer seiner wichtigsten Verbündeten. Die Opposition wirft Sánchez vor, ein Umfeld geschaffen zu haben, in dem Korruption gedeihen konnte, und fordert erneut Neuwahlen.

Warum ist die Affäre für die Regierung besonders heikel? Weil sie nicht der einzige Korruptionsfall im Umfeld der Sozialisten ist. Die spanische Justiz ermittelt derzeit in mehreren Verfahren gegen Personen aus dem Umfeld der PSOE. Besonders viel Aufmerksamkeit erhält dabei ein Verfahren gegen Sánchez' Ehefrau Begoña Gómez. Sie weist die Vorwürfe ebenso zurück wie ihr Mann. Die Sozialisten sprechen von einer politisch motivierten Kampagne konservativer Kreise.

Wie reagiert die Opposition? Konservative und rechte Parteien sehen sich durch das Urteil bestätigt. Sie argumentieren, der Fall zeige ein strukturelles Problem innerhalb der Regierung und fordern seit Monaten den Rücktritt von Sánchez.

MUSIK-GENIE GESTORBEN Er entdeckte Whitney Houston und Co.

Worum geht es? Die Musikwelt trauert um Clive Davis. Der legendäre Produzent und Musikmanager, der Karrieren von Stars wie Whitney Houston, Bruce Springsteen, Janis Joplin, Alicia Keys oder Santana entscheidend prägte, ist im Alter von 94 Jahren in New York gestorben. Davis galt über Jahrzehnte als einer der einflussreichsten Männer der internationalen Musikindustrie.

Wer war Clive Davis? Er begann seine Karriere nicht als Musiker, sondern als Jurist. Nach seinem Abschluss stieg er Anfang der 1960er-Jahre bei Columbia Records ein und arbeitete sich bis zum Präsidenten des Labels hoch. Später gründete er die erfolgreichen Plattenfirmen Arista Records und J Records und wurde zu einem der wichtigsten Talentscouts der Popgeschichte.

Welche Künstler entdeckte er? Davis' Gespür für Talente war legendär. Er förderte u. a. Janis Joplin, Bruce Springsteen, Aerosmith, Santana, Billy Joel und Patti Smith. Besonders eng verbunden war sein Name jedoch mit Whitney Houston. Er entdeckte sie 1983 als Teenager bei einem Auftritt in einem New Yorker Club und verpflichtete sie noch am selben Abend.

Warum war Whitney Houston so wichtig für ihn? Die Beziehung zwischen Davis und Houston ging weit über das Übliche in der Musikbranche hinaus. Er begleitete ihre Karriere von den ersten Aufnahmen bis zu ihrem Weltruhm und galt vielen als Mentor und väterliche Figur. Später bezeichnete er sie als eine der größten Stimmen aller Zeiten.

Was machte Davis so erfolgreich? Kollegen beschrieben ihn oft als Mann mit dem "goldenen Ohr". Davis selbst sagte einmal, er habe überraschend entdeckt, dass er ein außergewöhnliches Gespür für Musik und Künstler besitze. Anders als viele Manager konzentrierte er sich nicht auf ein bestimmtes Genre, sondern erkannte Trends früh und brachte sie erfolgreich in den Mainstream.

Welche Auszeichnungen erhielt er? Davis gewann mehrere Grammy Awards, wurde im Jahr 2000 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und gründete an der New York University das renommierte Clive Davis Institute of Recorded Music.

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